Vom Brockenhaus in den Lichthof

Köniz

Er ist aufwendig gestaltet und zeigt ein eigenwilliges Siedlungsprojekt. Jetzt stellt die Gemeinde den restaurierten Plan Zumbach aus.

Fein säuberlich skizziert und koloriert: Der Plan Zumbach sah im Spiegel eine neue Siedlung  vor –und setzte dabei auch auf moderne Bauten.

Fein säuberlich skizziert und koloriert: Der Plan Zumbach sah im Spiegel eine neue Siedlung vor –und setzte dabei auch auf moderne Bauten.

(Bild: Daniel Bill)

Lucia Probst

Er lag im Brockenhaus, hatte zerfressene Ränder und brach fast auseinander. Jetzt liegt er unter Glas im Lichthof des Könizer Gemeindehauses. Als Ausstellungsstück. Für rund 3500 Franken frisch restauriert. Eineinhalb auf viereinhalb Meter gross ist der Plan Zumbach, wie die Skizze heute genannt wird. Er zeigt die Ideen, die ein Architekturbüro Anfang der 1930er-Jahre für eine neue Siedlung um die Bellevuestrasse im Spiegel entwickelt hat.

Schlösslistil und Bauhaus

Häuser im herrschaftlichen Schlösslistil reihen sich auf dem Papier an markante Riegbauten. Alles ist fein säuberlich gezeichnet und koloriert. Dann gerät man ins Staunen: Zwischen den Traditionsbauten tauchen moderne Flachdachhäuser im Bauhausstil auf. «Diese Bauten lagen der Zeichnerin ganz offensichtlich am Herzen», sagt Sibylle Walther. Sie ist für die Ortsgeschichtliche Sammlung von Köniz zuständig. Vor ein paar Jahren fiel ihr der grosse Plan beim Inventarisieren in die Hände.

Wie Walther herausfand, haben die Erben des Neuenburger Bankiers Charles-Jean-Jacob Zumbach den Plan in Auftrag gegeben. Der Familie gehörte im Spiegel viel Land, seit 1910 besass sie dort auch ein Chalet. Heute gibt es im Spiegel auch eine Zumbachstrasse. Der Plan aber blieb ein Plan. In den 50er-Jahren wurden die Parzellen dann allmählich anders bebaut.

«Architekt: von Tscharner», steht kaum mehr lesbar am rechten Blattrand. Sibylle Walther hat Telefonbücher durchforstet, Adressverzeichnisse und Bauzeitschriften. Und herausgefunden, dass es sich um Hela von Tscharner handeln muss, eine junge ETH-Ingenieurin, die 1932 in Zürich lebte. «Der Plan ist so präzise und schön gemacht, das verdankt die Zeichnerin wohl ihren Eltern.» Diese seien bekannte Künstler gewesen, erzählt Walther. Wie die junge Frau zum Auftrag der Zumbachs kam, ist aber völlig unklar. Wie so vieles. Doch Walther fehlt die Zeit, das näher zu erforschen.

Hund trampelte darüber

Seit 1991 gehört der Plan der Gemeinde Köniz. Vorher lag er im Brockenhaus auf dem Schlossareal, wo er dem Brockibetreiber Bernhard Kurth aufgefallen war. Er bot ihn der Gemeinde an. Insbesondere Wasser und Dreck haben dem Plan zugesetzt. Auch die Spuren von Hundepfoten sind auszumachen. Sie sind geblieben, auch wenn das Papier jetzt wieder restauriert ist.

Der Plan ist bis 16.9. von Mo bis Fr, 8–12 und 14–17 Uhr, einsehbar.

Berner Zeitung

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