Vom Bordellbetreiber zum SVP-Gemeinderat?

Bern

Stefan Hofer gehört zu den fünf Kandidaten, mit denen die SVP an den Stadtberner Gemeinderatswahlen antritt. Der heutige Pilot verdiente früher Geld im Rotlichtmilieu.

Stand früher dem Saunaclub Kleopatra in Bargen vor: SVP-Gemeinderatskandidat Stefan Hofer.

Stand früher dem Saunaclub Kleopatra in Bargen vor: SVP-Gemeinderatskandidat Stefan Hofer.

(Bild: zvg)

Auf den 1. März rückt SVP-Politiker Stefan Hofer für Erich Hess in den Grossen Rat nach. Zudem steht er – neben Hess – auf dem Fünferticket, mit dem die SVP in den Gemeinderat der Stadt Bern einziehen will. Wie der «Bund» am Mittwoch berichtet, soll der Pilot Stefan Hofer sein Geld früher mit Prostituierten verdient haben: Erst als Betreiber, später nur noch als Besitzer des Saunaclubs Kleopatra in Bargen im Seeland. Ein Etablissement, in dem noch heute 20 (Sex-)Arbeiterinnen ihre Dienste anbieten.

Die Bund-Recherchen zeigen, dass er den Club von 2004 bis 2006 führte, als Liegenschaftsbesitzer noch bis 2014 Geld damit verdiente. Hofer, ein ehemaliger Bordellbetreiber also. Eine Tatsache, die der SVP-Mann «erst auf mehrmaliges Nachhaken» einräume, schreibt die Tageszeitung. Hofer sei aber überzeugt, dass dieser frühere Job seiner Glaubwürdigkeit nicht schade.

Illegale Ausländerinnen als Prostituierte?

Ein wenig brisant ist es trotzdem, zumal 2009 bei einer Razzia in dem Club 14 Frauen aus Rumänien und Bulgarien mit illegalem Aufenthaltsstatus in Ausschaffungshaft genommen wurden. Gemäss dem Artikel sollen schon unter Hofer Frauen aus diesen Ländern gearbeitet haben, obschon ihnen «erst ab Juli 2009 – nach Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf die osteuropäischen Staaten – erlaubt gewesen wäre, in der Schweiz ohne Sonderbewilligung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.»

Hofer freilich streitet ab, solche Sexarbeiterinnen mit einem Arbeitsvertrag ausgestattet zu haben, und betont, dass das «Kleopatra» ein Saunaclub sei. Fakt ist, dass es ausserhalb des Wellnessbereichs Zimmer gibt, in denen Clubgäste mit den Frauen ihre «erotischen Fantasien ausleben» können. So steht es auch auf der Homepage.

Gegenüber dem «Bund» sagt Rudolf Friedli, Präsident der SVP Stadt Bern und selbst auch Gemeinderatskandidat, dass es nicht verboten sei, «in diesem Bereich unternehmerisch tätig zu sein.»

mb

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