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Vitamin B für qualifizierte Einwanderer

Mit dem Netzwerkprogramm Bernetz versucht die Stadt Bern, qualifizierte Einwanderer in den regionalen Arbeitsmarkt zu bringen. Ein kleines Projekt mit spezifischer Wirkung.

Jürg Steiner
Mit dem Netzwerkprogramm Bernetz versucht die Stadt Bern, qualifizierte Einwanderer in den regionalen Arbeitsmarkt zu bringen. Ein kleines Projekt mit spezifischer Wirkung.
Mit dem Netzwerkprogramm Bernetz versucht die Stadt Bern, qualifizierte Einwanderer in den regionalen Arbeitsmarkt zu bringen. Ein kleines Projekt mit spezifischer Wirkung.
Beat Mathys

Am Samstag treffen sich ein gutes Dutzend Einwanderinnen und Einwanderer mit spezifischen beruflichen Qualifikationen am städtischen Kompetenzzentrum Integration an der Effingerstrasse zu einem speziellen Date: Sie nehmen am Netzwerkprogramm Bernetz teil, das ihre Chance erhöhen soll, eine Stelle zu finden, die ihren Qualifikationen entspricht.

Netzwerken? Man denkt an Network-Apéros, Stehlunchs, Vitamin B. Was hat das mit der Integration von Einwanderern zu tun? «Viel», sagt Susanne Rebsamen, Projektleiterin am Kompetenzzentrum Integration. Es gebe zahlreiche Zugewanderte, die in der Schweiz arbeiten dürften, dies aber weit unter ihrer Qualifikation täten. Ein HR-Fachmann aus Lateinamerika, der hier als Pfleger arbeitet. Oder eine Buchexpertin aus Kosovo, die im Service jobbt. Da liege Potenzial brach – für die Eingewanderten, aber auch für die Berner Wirtschaft.

Inspiration aus Kanada

An diesem Punkt setzt Bernetz an: Das Programm ist inspiriert vom Connector-Projekt im kanadischen Halifax. Es bringt beruflich qualifizierte Einwanderer mit Personen zusammen, die sich in der gefragten Branche auskennen und Kontakte zu möglichen Arbeitgebern vermitteln können. Daneben besteht das Programm, das 2017 zum zweiten Mal durchgeführt wird, aus sechs halb- bis ganztägigen Veranstaltungen, an denen die Teilnehmenden zusammen mit Fachpersonen etwa an ihrem schriftlichen und mündlichen Auftritt oder der ­Fokussierung ihrer beruflichen Ziele arbeiten.

Ausgewählt werden die Teilnehmenden nach einem persönlichen Treffen mit den Projektverantwortlichen. Bedingung sei, dass man über die Ausbildung für die angestrebte Berufstätigkeit bereits verfüge. Die Erfahrung der ersten Durchführung zeige, dass das Angebot vor allem von Einwanderern aus dem Familiennachzug in Anspruch genommen werde, die auf dem Arbeitsmarkt als Inländer gälten.

Braucht es perfektes Deutsch?

Das grosse Thema für die meisten Bernetz-Teilnehmer sei die deutsche Sprache. Viele denken von sich selber, dass sie zu wenig der Sprache mächtig seien, um für einen Job auf ihrem Ausbildungsniveau infrage zu kommen. Klar, sagt Susanne Rebsamen, man müsse sich so organisieren, dass man einen fehlerfreien Lebenslauf vorlegen und ein Bewerbungsgespräch führen könne. Aber im konkreten Arbeitsalltag sei perfektes Deutsch in vielen Jobs nicht zwingend.

Das sei nicht nur für qualifizierte Einwanderer eine nützliche Einsicht – sondern auch für einheimische Berufsleute, die als Vernetzer bei Bernetz mitmachen. Sie erkennen plötzlich, welche Fähigkeiten sich hinter der Sprachbarriere vestecken. Und können Diplome und Erfahrungen, die Einwanderer mitbringen, besser einschätzen. Wenn Bernetz helfe, das Bewusstsein dafür zu wecken, sei ein wichtiges Ziel erreicht, sagt Susanne Reb­samen.

Bernetz wird je zur Hälfte von Kanton und Stadt Bern finanziert. Die Kosten belaufen sich auf rund 80'000 Franken. Ob auch 2018 ein Zyklus stattfindet, ist noch offen.

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