Bern

Viererfeld: Wird der Markt ausgehebelt?

BernFür den kleineren Teil des Viererfelds, das Mittelfeld, wollen die Genossenschaften eine übergeordnete Genossenschaft gründen. Bei der Stadt stösst die Idee auf Anklang, FDP-Stadtrat ­Bernhard Eicher spricht ­hingegen von Kartellbildung.

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Auf dem Vierer- und dem Mittelfeld darf gebaut werden. Das haben die Stadtberner Stimmberechtigten im letzten Juni beschlossen. Gemäss der aktuellen Planung werden die Wohnungen auf dem Viererfeld ab 2025 bezugsbereit sein. Auf dem Mittelfeld könnte es hingegen schneller gehen. Dies auch dank einer neuen Genossenschaftsidee, wie Jürg Sollberger, Präsident des Regionalverbandes von Wohnbaugenossenschaften Schweiz, sagt.

An einem öffentlichen Informationsanlass der SP erläuterte Sollberger am Dienstagabend den Plan einer Genossenschaft der Genossenschaften (GdG). «So können wir der Stadt Bern, die ja das Baurecht vergibt, rasch ein Angebot machen, das mit den ­andern Partnern koordiniert werden kann.» Anstatt sich um 150 Wohnungen zu konkurrieren, suche man eine übergeordnete, koordinierte Lösung, so Sollberger.

Gemäss dem Volksentscheid sollen auf dem Mittelfeld – wie auf dem Viererfeld – 50 Prozent der Wohnungen durch Genossenschaften gebaut werden. Für das Mittelfeld soll es nun für diese 50 Prozent nicht Angebote von mehreren Genossenschaften geben, sondern nur ein einziges Angebot der GdG. In Basel und in Zürich wurden ähn­liche Bauprojekte jüngst erfolgreich durch solche Verfahren realisiert, sagt Sollberger. «Dieses Vorgehen erlaubt auch den frühen Einbezug von neuen Mitgliedern, die noch keiner Genossenschaft angeschlossen sind.»

FDP: «Markt ausgehebelt»

Die Stadt hat noch nicht entschieden, wie oder an wen sie die Baufelder abgeben wird. Der zuständige Gemeinderat Michael Aebersold (SP) ist aber von dem Plan einer einzigen, übergeordneten Genossenschaft sehr angetan. «Für einen Teil der Überbauung eine übergeordnete Genossenschaft zu gründen, damit rasch gebaut werden kann, ist eine sehr gute Idee.» Er stelle sich sogar die Frage, ob sich die Stadt an einer solchen Genossenschaft beteiligen sollte, so Aebersold.

Bei FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher verursacht die Idee einer übergeordneten Genossenschaft für das Mittelfeld hingegen Kopfschütteln. «So wird sowohl der Ideenwettbewerb wie auch der finanzielle Wettbewerb ausgehebelt.» Wäre es den sinnvoll, fragt Eicher rhetorisch, wenn sich alle privaten Investoren zusammenschliessen würden, um für den Rest des Areals ein ein­ziges Angebot zu unterbreiten? «Da würde man zu Recht von einer Kartellbildung sprechen.»

Land ist sowieso reserviert

Ein Preiskampf wie bei privaten Investoren finde unter den Genossenschaften sowieso nicht statt, sagt Jürg Sollberger. «Das Land ist reserviert, für den Preis gibt es beim genossenschaftlichen Wohnungsbau aufgrund der Kostenlimiten ein Kostendach.» Eine Ideenvielfalt werde es auch innerhalb der GdG geben, versichert Sollberger. Zudem: «Die Idee der GdG bezieht sich als Zeichen des Starts und Aufbruchs auf das Mittelfeld, fürs Viererfeld gelten wieder die üblichen Verfahren.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.06.2017, 08:15 Uhr

Viererfeld: Noch ein langer Weg

Partizipation: Das ist für die Stadt Bern im Zusammenhang mit den Überbauungen auf dem Mittelfeld und dem Viererfeld ein zentrales Anliegen. Workshops, Wettbewerb, Vorselektion, wieder Partizipation, wieder Wettbewerb. Würde ein bisschen weniger Partizipation das Bauprojekt nicht wesentlich beschleunigen? «Ich bin überzeugt, dass wir auf diese Weise Zeit sparen», sagt der Berner Finanzdirektor Michael Aebersold (SP).

Denn: «Wenn wir am Schluss ein Projekt vorlegen, welches bei den Leuten durchfällt, wird es an der Urne abgelehnt.» Es gibt nämlich noch mindestens zwei Volksabstimmungen, bevor der Bau beginnen kann. Zum einen wird die Stadt über die Baurechtsvergabe abstimmen, zum anderen über einen Kredit für die Infrastruktur auf dem Areal. Also etwa die Parkanlage oder die Zugangsstrassen. Dieser Kredit dürfte nach einer groben Schätzung 20 bis 40 Millionen Franken betragen. Unabhängig von allen Abstimmungen betont Aebersold, dass die Stadt der Länggasse kein Bauprojekt aufdrücken wolle. «Wir wollen ein Bauprojekt, das im Quartier beliebt ist.»rah

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