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Vier ungleiche Gesellen

Das diesjährige Weihnachtsmärchen im Stadttheater Bern ist eine rührende und witzige Adaption von Don Quijote in die heutige Zeit. Liebling der Kinder ist Milva Stark als Pferd Rosi.

Herr Ritter hält sich für einen Ritter, und Frau Pancic, Pferd und Esel begleiten ihn auf seinen Abenteuern.
Herr Ritter hält sich für einen Ritter, und Frau Pancic, Pferd und Esel begleiten ihn auf seinen Abenteuern.
Annette Boutellier (PD)

Die Zeiten von Don Quijote sind lange vorbei, das Mittelalter musste irgendwann dem Mittelland weichen. Und hier lebt nun Herr Ritter in einem alten Haus mit Garten und Stall, vergraben zwischen Büchern. Herr Ritter sehnt sich nach seiner Katze Dulcinea und erkennt seine eigene Tochter Antonia nicht mehr.

Er ist alt und vergesslich. Zum Glück füttert ihn Haushälterin Sancha Pancic vorsorglich mit starken Getränken und Pillen, wobei er letztere umgehend wieder ausspuckt. Im Stall nebenan stehen Pferd Rosinante, das sich Rosi nennt, und der Esel Donkey der Schotte.

Sie wissen genau, was im Haus vorgeht, denn sie verstehen die Menschensprache. Und als dem alten Herr Ritter eine Einweisung ins Altersheim droht, beschliessen sie abzuhauen. Doch mit ihrer Idee sind sie nicht allein: Auch Herr Ritter und Frau Pancic wollen fort. Und so begeben sich die vier ungleichen Gesellen auf eine abenteuerliche Reise.

Aha-Momente

So weit die Ausgangslage von «Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte». Das diesjährige Weihnachtsmärchen des Stadttheaters wurde vom Berner Autorenpaar Ariane von Graffenried und Martin Bieri geschrieben. Sie haben sich von Cervantes «Don Quijote» inspirieren lassen, der Ritterparodie aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Dort zieht das ungleiche Paar Don Quijote und Sancho Panza durch die Welt und bekämpft Riesen, die eigentlich Windmühlen sind und attackiert fremde Heere, die eigentlich friedliche Schafe sind. Wer die Geschichte kennt, wird im Berner Stadttheater zahlreiche Aha-Momente erleben. Denn Personal und Abenteuer sind fast durchwegs an die Originalfassung angelehnt. Und gleichzeitig muss man auch nichts von alledem wissen, um «Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte» zu verstehen und zu mögen.

Und hier liegt die Stärke dieses witzigen und poetischen Stücks. Es ist ein modernes Märchen. Eines, das ohne Zeigefinger dafür plädiert, die anderen zu nehmen, wie sie sind. Auch wenn sie sich für einen Ritter halten oder ständig laut und stinkig furzen.

Regisseurin Sophia Bodamer hat diese Reise wahnwitzig und überdreht inszeniert, wie es sich für ein Stück für die Jüngsten auch gehört. Jedes Mal, wenn der Esel laut furzt, brüllen die Kinder im Publikum vor Lachen. Und der Kampf gegen den Pizzaiolo ficht Herr Ritter in bester Jackie-Chan-Manier aus, inklusive passender Akustik. Dazu ein spektakuläres Bühnenbild, das als Höhepunkt gar eine Unterwasserwelt zeigt (Bühne: Konstantina Dacheva).

Und doch kommen auch die leisen Momente nicht zu kurz. Und für die ist meistens die Katze Dulcinea zuständig. Dulcinea wird verkörpert von Theatermusikerin Christine Hasler. Sie ist in Wahrheit schon lange verstorben, wird aber jeden Tag von Neuem von Herrn Ritter gesucht. Und dann singt sie sehnsuchtsvolle Lieder, ab und zu auch im Duett mit einem der Schauspieler, zupft sanft an der Gitarre und putzt sich dann ganz katzenmässig das Näschen.

Reife Schauspielleistung

Doch auch die anderen Schauspieler brillieren. Allen voran Milva Stark als gefallsüchtiges Pferd Rosi. Mit ihren grossen Zähnen und den satten Rappassagen ist sie der Liebling der Kinder (siehe Infobox). Doch auch Gabriel Schneider als lesender Esel, Jürg Wisbach als herrlich verwirrter schlacksiger Herr Ritter und Mariananda Schempp als resolute und lebenskluge Frau Pancic überzeugen.

Und Herr Ritter? Der lässt sich nach seinem letzten Abenteuer doch ins Altersheim einweisen. Woraufhin Esel und Pferd allein in die Welt ziehen. Aber das wäre eine neue Geschichte.

Weitere Vorstellungen bis 26.1., Stadttheater Bern. Ab 6 Jahren.

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