Vier Jahre Gefängnis für den Sans-Papiers

Bern

Der Sans-Papiers, der in Bern einen Security-Mann mit einer Flasche attackierte, muss vier Jahre ins Gefängnis. Damit folgt das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts.

Vor dem Quasimodo in der Rathausgasse kam es zum brutalen Angriff.

Vor dem Quasimodo in der Rathausgasse kam es zum brutalen Angriff.

(Bild: Christian Pfander)

Sandra Rutschi

Der am Dienstag verurteilte Sans-Papiers hinterlässt beim Regionalgericht Bern-Mittelland eine gewisse Ratlosigkeit. Der Mann, der im Sommer 2012 vor dem Club Quasimodo in Bern einen Security-Mann mit einer zerschlagenen Flasche attackierte, ist vor Gericht kein Unbekannter. Doch wird er verurteilt, scheint dies nichts zu bewirken. «In dem Moment, in dem er durch die Gefängnispforte in die Freiheit tritt, wird er wieder straffällig», sagte Gerichtspräsident Martin Müller gestern an der Urteilseröffnung.

Bereits 2010 hatte er den Mann, der keine Papiere hat und somit nicht in ein anderes Land ausgewiesen werden kann, zu einer Haftstrafe von 24 Monaten verurteilt. Der Angeklagte, der sich laut Gericht vermutlich einen Fantasienamen zugelegt hat, blieb in der Schweiz und wurde wieder straffällig. Nicht bloss, weil er sich illegal hier aufhält. Das Urteil, das das Regionalgericht in Dreierbesetzung gestern gefällt hat, folgt auf der ganzen Linie dem Antrag des Staatsanwalts: Der 39-jährige Mann arabischen Ursprungs muss wegen versuchter schwerer Körperverletzung für vier Jahre ins Gefängnis. Der Verurteilte ging im Sommer 2012 mit einer zerschlagenen Bierflasche von hinten auf den Security-Mann los, schlug und stach mit der Flasche auf dessen Kopf ein.

Dem Zufall sei Dank

«Es ist rein dem Zufall zu verdanken, dass das Opfer den letzten Stich mit der Hand abwehren konnte. Und es war auch Zufall, dass es zuvor nicht schlimmer getroffen wurde», sagt der Gerichtspräsident. Dem Opfer geht es mittlerweile wieder relativ gut. Der Mann ist wieder 100 Prozent arbeitsfähig, kann aber nicht mehr an vorderster Front eingesetzt werden: In Menschenmengen und wenn er Fremde in seinem Rücken hat, kriegt er Angst.

Wegen weiterer Delikte wurde der Sans-Papiers zu Bussen und Geldstrafen verurteilt. Die Verfahrenskosten und eine Genugtuung an sein Opfer müsste er auch bezahlen – doch er hat kein Geld.

Was bleibt, ist die Hoffnung

Die Verständigung mit dem Verurteilten war zum Teil schwierig. Er spricht gebrochen Deutsch, seine Muttersprache ist Arabisch. Doch die Übersetzerin vor Gericht musste mit unterschiedlichen arabischen Dialekten versuchen, die Fragen des Richters an den Mann zu bringen. «Bei diesem Nichtverstehen mögen mangelnde Intelligenz und psychische Probleme, aber auch eine gewisse Taktik eine Rolle spielen», sagt Müller. Es sei aber auch eine Art, sich durchs Leben zu schlagen. Eine Strafe sollte eigentlich jemanden resozialisieren. Doch es sei schwierig, Leute wie den Verurteilten «in unserem System unterzubringen», sagt Müller. Was bleibe, sei die Hoffnung, dass das Ganze mal ein Ende nehme und der Mann versuche, seine Zelte anderswo aufzuschlagen.

Der Verurteilte hat bei der Einvernahme gesagt, im Gefängnis habe er keine Sorgen. Es ist für ihn also offenbar eine Art Zuhause. Er wird nun dorthin zurückkehren.

Berner Zeitung

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