Vier Berner Skiorte wollen mehr Zürcher anlocken

Berner Touristiker rührten am Donnerstag mit der grossen Kelle an: Im Bahnhof Zürich warben sie für das neue Saisonabonnement der vier grossen Berner Skistationen, das 666 Franken kostet. Sie hoffen, so mehr Zürcher ins Berner Oberland zu locken.

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Rahel Guggisberg

Die Schweizer Skigebiete leiden unter schrumpfenden Einnahmen und Überkapazitäten. Die Bergbahnen versuchen deshalb, sich gegenseitig mit attraktiven Saisonabos zu übertreffen.

Saas-Fee lancierte im vergangenen Jahr die Rabattschlacht: Die Verantwortlichen der Walliser Skistation boten einen Saisonpass zum Tiefstpreis von 222 Franken an. Damit überraschten sie die anderen Skigebiete.

Auch beim Verkauf über eine Internetplattform schlugen sie neue Wege ein: Umgesetzt wurde das Angebot nämlich nur, wenn sich innerhalb von fünf Wochen 99'999 Kunden anmeldeten. Dieser Coup gelang. Dieses Jahr kostet der Saisonpass in Saas-Fee 233 Franken.

Die Berner ziehen nach

Die Aktion der Walliser verfehlte die Wirkung nicht. Andere Ski­gebiete ziehen heuer mit ähnlichen Angeboten nach, beispielweise das Berner Oberland: Die vier Skigebiete Adelboden-Lenk, Meiringen-Hasliberg, Gstaad und die Jungfrauregion bieten neu eine gemeinsame Saisonkarte für 666 Franken an. Top4-Skipass heisst die Karte.

«Bei uns ist die Saisonkarte jetzt bis zu 30 Prozent billiger als in den letzten Jahren.»Urs Kessler, Jungfraubahnen

Damit gewinnt das Einzugsgebiet der beteiligten Destinationen deutlich an Grösse. Die Aktionen sind bis zum 15. Dezember zum Preis von 666 Franken erhältlich, danach kostet das gleiche Angebot 950 Franken. Für Jugendliche gibt es die Karte für 460 Franken, für Kinder für 333 Franken.

«Kein Aldi-Rabatt»

Harry John, Direktor der Berner Tourismusorganisation BE Tourismus, freut sich, dass die vier Berner Skiorte das gemeinsame Angebot lanciert haben: «Wir mussten reagieren. Danach bieten wir keinen Aldi-Rabatt, sondern einen fairen Preis.»

Urs Kessler, Chef der Jungfraubahnen, sagt: «Eine so starke Vergünstigung der Saisonkarte, wie sie Saas-Fee anbietet, war für uns kein Thema. Bei uns ist die Saisonkarte jetzt bis zu 30 Prozent billiger als in den letzten Jahren.» Das Angebot wird es mindestens in den nächsten drei Jahren ­geben.

Für Urs Kessler bedeutet das geschlossene Vorgehen der Berner Oberländer einen Quantensprung. «Es ist das erste Mal, dass die Berner Oberländer Wintersportgebiete zusammenspannen und gemeinsam eine Idee umsetzen», sagt er.

Die Aktion in Zürich

Unter der Ägide von BE Tourismus fand am Donnerstag im Bahnhof ­Zürich ein grosser PR-Event statt. Das Aufgebot an prominenten Bernern war gross: Unter ­anderem warben der Schwinger Matthias Glarner, die Olympiasiegerin Tanja Frieden und der Sänger Ritschi für die Berner Oberländer Skigebiete.

Prominente Berner in Zürich

Video: Lydia Lippuner

Das Ziel der Aktion ist klar: «Wir wollen die Zürcher ins Berner Oberland holen», sagt Urs Kessler. Mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern sei der Kanton Zürich ein ­attraktives Marktgebiet. Allerdings: Die bevorzugten Skigebiete der Zürcher liegen in Graubünden. «Mit dieser Veranstaltung wollen wir den Zürchern aufzeigen, wie nahe das Berner Oberland von Zürich liegt. Mit dem neuen Autobahnanschluss via Luzern–Brünig ist man in ­etwa eineinhalb Stunden bei uns in den Bergen», so Kessler.

Man wolle die Zürcher nicht kampflos der Konkurrenz überlassen. Die Berner haben das Angebot am 1. September lanciert. Mit den bisherigen Verkaufszahlen sind die Verantwortlichen zufrieden: «Unser Ziel ist es, 20'000 Saisonabonnemente zu verkaufen. Bisher haben wir bereits 8000 Abos verkauft», sagt Jungfraubahnen-Chef Kessler.

Der Preiskampf am Berg ist in vollem Gang, und er wird nicht rasch abflachen. Für einige Skigebiete steht viel auf dem Spiel. Wessen Rechnung aufgeht, wird sich zeigen.

Berner Zeitung

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