Viele neue Nachbarn und wenig Platz

Bümpliz

Das Kinderatelier ist vom Kleefeld ins Bienzgut gezogen. Morgen wird das neue Zuhause mit einem Eröffnungsfest offiziell eingeweiht.

Die Leiter Laura Abella und Markus Gerber müssen sich erst noch an die geringeren Platzverhältnisse am neuen Standort gewöhnen.

Die Leiter Laura Abella und Markus Gerber müssen sich erst noch an die geringeren Platzverhältnisse am neuen Standort gewöhnen.

(Bild: Stefan Anderegg)

Es ist Zeit für das Zvieri im Kinderatelier Bienzgut: Ein Mädchen gräbt mit einem Bagger weiter an ihrem Loch im Sandkasten, in der Werkstatt nebenan baut eine Gruppe Kinder mit Sägen und Hämmern, Holz und Gummirädern an einer Seifenkiste. Die Leiter Laura Abella und Markus Gerber können die Kinder nur mit viel Geduld überzeugen, sich an den Tisch im Aufenthaltsraum zu setzen.

Zu vertieft ist der Nachwuchs in seine Arbeit. In dieser Manier gestalten sich die Nachmittage im Kinderatelier in Bümpliz, das Anfang August ins Bienzgut gezügelt ist. Vorher war das Atelier, das allen Kindern des Quartiers offen steht, im Kleefeld stationiert.

Ehemaliger Ziegenstall

Weil die dortige Unterkunft einer Wohnüberbauung weichen wird, musste das Kinderatelier zusammen mit dem Dachverband für offene Arbeit mit Kindern in der Stadt Bern (DOK) nach einer neuen Bleibe suchen. Die Stiftung Begegnungszentrum Bienzgut bot schliesslich Hand und baute aus dem ehemaligen Schaf- und Ziegenstall auf dem Gelände ein Zuhause für das Atelier.

Die Bälle blieben in der Kiste

Noch müssen sich Abella und Gerber an die neue Unterkunft gewöhnen. Der gewichtigste Unterschied zum Kleefeld sei der Platz. «Früher stand uns eine 2000 Quadratmeter grosse Wiese zur Verfügung, heute haben wir einen viel kleineren Spielplatz», sagt Markus Gerber.

Die vom Kleefeld mitgebrachten Fussbälle und Federballschläger packten die Leiter deshalb wieder zurück in die Kisten. Sorgen bereitet den beiden auch das kalte und nasse Wetter, das der Herbst und der Winter bringen werden.

Die Kinder werden sich einen einzigen Raum teilen müssen, früher waren es deren drei. Die verschiedenen Interessen der 4 bis 13-Jährigen könnten deshalb zu Konflikten führen. «Die Jüngeren möchten zum Beispiel eine Spielzeugeisenbahn aufbauen, während die älteren Wahrheit oder Risiko spielen und deshalb unbeobachtet sein wollen», sagt Abella. Ohne Abschrankung lasse sich das nur schlecht vereinbaren.

Abhilfe schaffen könnte die Jugendarbeit TOJ, die zwei Häuser nebenan einquartiert ist. «Wir können uns zum Beispiel vorstellen, gemeinsam mit der TOJ Nachmittage zu gestalten, die auch die älteren Kinder des Ateliers ansprechen», sagt Abella. Überhaupt sei die neue Umgebung mit den vielen Nachbarn ein Pluspunkt, ergänzt Gerber.

Langeweile fördert Ideen

Südlich des Kinderateliers liegt das Domicil Baumgarten für Senioren, die reformierte Kirche ist am Rand des Geländes angesiedelt. «Die Zusammenarbeit ist aber erst am Entstehen», so Gerber. Dasselbe gelte für den Generationenpark, zu dem sich das Bienzgut entwickeln soll. Die Idee dahinter: Jung und Alt sollen gemeinsam öffentliche Räume nutzen.

Konkrete Vorstellungen haben der Sozialpädagoge Gerber und Abella, die vor kurzem an der Fachhochschule in Sozialer Arbeit abgeschlossen hat, was sie dem Nachwuchs im Atelier bieten möchten. Ohne Einschränkungen sollen die Kinder ausprobieren und lernen, dass sie fähig sind, zum Beispiel mit einer scharfen Säge umzugehen.

Und vor allem: Die Kinder sollen eigene Ideen entwickeln. Deshalb gibt es am Mittwoch- und am Freitagnachmittag sowie am Donnerstagabend jeweils kein fixes Programm. «Bei uns langweilen sich die Kinder vielleicht erst einmal. Das ist besser, als das Konsumverhalten zu fördern», sagt Gerber. Nach fünf Minuten seien denn auch alle etwas am Basteln.

Am Samstag lädt das Kinderatelier Bienzgut das Quartier zum Eröffnungsfest. Dabei können die Kinder den Schriftzug an der neuen Unterkunft gestalten und in Kisten die Rollenrutschbahn hinunterfahren.

Eröffnungsfest Kinderatelier: Samstag, 5.September, 13 bis 20 Uhr www.spieleninbern.ch

Berner Zeitung

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