Viel Support für transparente Kaderlöhne

Bern

Wo stehen die Stapi-Kandidierenden in der Kulturpolitik? Eine Umfrage des Verbands Bekult zeigt: Fast alle sind dafür, dass Kaderlöhne in Kulturhäusern offengelegt werden. Zuspruch erhält auch die Idee einer zentralen Vorverkaufsstelle.

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Oliver Meier@mei_oliver

Eine Wahlempfehlung? «Geben wir nicht ab», sagt Christian Pauli, Präsident des Dachverbands Bekult. Ist den Berner Kulturveranstaltern also egal, wer die Nachfolge von Alexander Tschäppät antritt? Nicht doch. Mit einem Stadtpräsidenten Erich Hess zum Beispiel hätten die Veranstalter wohl ihre Mühe. In einer Umfrage zur Kulturpolitik, die der Dachverband gestern publizierte, hielt der SVP-Mann fest: «Subventionen sind unnötig.»

Gerade mal vier Zeilen brauchte Hess, um sein Credo kundzutun. Umso ausführlicher äusserten sich die übrigen Kandidierenden zu zehn kulturpolitischen Forderungen, die eine Arbeitsgruppe um Bekult erarbeitet hat. Das Resultat lässt erahnen, weshalb die Veranstalter eine Wahlempfehlung für überflüssig halten: «Wir sind erstaunt und erfreut, wie breit die Unterstützung für unsere Anliegen ist», sagt Pauli, der als Parteiloser auf der Liste des Grünen Bündnisses (GB) für den Stadtrat kandidiert.

Zwei Forderungen, mit denen Pauli in den Wahlkampf gestiegen ist, tauchen nun auch im Bekult-Papier auf. Dass künftig 20 Prozent des städtischen Kulturbudgets für die «freie Förderung» eingesetzt werden sollen, gehört dazu. Sowohl Franziska Teuscher als auch Ursula Wyss sprechen sich explizit für einen solchen Schritt aus, der praktisch einer Verdoppelung gleichkäme. Der Ausbau dürfe aber nicht «auf Kosten der Kulturinstitutionen mit Leistungsverträgen geschehen», findet Wyss. Keine Unterstützung erhält die Forderung bei Alec von Graffenried, der andere Fördermöglichkeiten wie «Büroraktieabbau» bevorzugen würde.

Zündstoff bei Löhnen

Erstaunlich ist die grosse Unterstützung für eine weitere Forderung, die viel Zündstoff bereithält – und von Konzert Theater Bern als Mitglied im Dachverband nicht mitgetragen wird. «Die Jahreslöhne der Kaderleute von Kulturinstitutionen mit Leistungsverträgen werden jährlich in den Geschäftsberichten veröffentlicht», schreibt Bekult. Praktisch alle Kandidierenden sprechen sich dafür aus. Von Graffenried hält dies gar für «eine Selbstverständlichkeit». Auch Reto Nause und Franziska Teuscher unterstützen die Forderung ausdrücklich, während sich Ursula Wyss mit eher allgemeinen Transparenzbekenntnissen begnügt.

Einigen Zuspruch erhält eine weitere Idee, die seit längerem schwelt. Die Veranstalter wünschen sich eine zentrale Vorverkaufs- und Informationsstelle für Kulturevents in Bern. Auch, um sich aus der Abhängigkeit kommerzieller Verkaufsstellen zu befreien. Teuscher hält die «Schaffung einer örtlich verankerten Stelle» für «prüfenswert». Noch konkreter wird Wyss. Ihr schwebt ein «Pavillon» vor, der «im Rahmen der geplanten Umgestaltung des Waisenhausplatzes» errichtet werden könnte. Reto Nause unterstützt ein zentrales Ticketing ebenfalls. Er würde dieses jedoch auch für Sport und andere Veranstaltungen öffnen und der neuen Organisation «Bern Welcome» angliedern.

Schlechtes Zeugnis

Ein eher schlechtes Zeugnis von den Kandidierenden erhält die Abteilung Kulturelles – direkt von bürgerlicher Seite, eher zwischen den Zeilen zur Linken. Ob daraus und aus der Umfrage gleich geschlossen werden kann, dass der «Wunsch nach einem kulturpolitischen Aufbruch» besteht, wie Bekult bilanziert? Das scheint doch etwas hochgegriffen. In den Antworten der Kandidierenden wimmelt es vor wohlfeilen Bekenntnissen. Manche Aussagen dürften so oder ähnlich auch in der städtischen Kulturstrategie stehen, die nach schwerer Geburt diesen Freitag vorgestellt wird.

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