Bern

Verriegelte Verwaltung

BernVor sechs ­Jahren wollte der Bund die Umgebung der neuen Verwaltungsgebäude am Guisanplatz als öffentliche Anlage gestalten. Doch wegen Terrorangst sollen künftig nur die Angestellten Zutritt haben.

<b>Die Baustelle des Bundes</b> am Guisanplatz wird auch nach der Fertigstellung für die Bevölkerung unzugänglich sein.

Die Baustelle des Bundes am Guisanplatz wird auch nach der Fertigstellung für die Bevölkerung unzugänglich sein. Bild: Raphael Moser

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Es ist eine der grössten Baustellen in der Stadt Bern: Am Guisanplatz 1 entsteht ein grosser Campus der Bundesverwaltung. Der Rohbau der von den Berner Architekten Aebi & Vincent geplanten Gebäude ist mittlerweile abgeschlossen. 2019 soll die erste Bauetappe auf dem grossen Areal zwischen dem Stade de Suisse und dem Guisanplatz beendet sein.

Dann werden rund 2000 Bundesangestellte dort ihre neuen Büros beziehen. Es werden Mitarbeitende des Justiz- und Polizeidepartements, der Bun­des­­anwaltschaft sowie von zivilen Bereichen des Verteidigungs­departements sein. Doch rund ein Jahr vor der Eröffnung des Verwaltungs­zentrums sorgt es für Unmut im Nordquartier.

Die SP Bern-Nord ­ärgert sich über eine Kehrtwende des Bundes: «Der Wind beim Bund hat um 180 Grad gedreht. Beim Guisanplatz entsteht ein riesiger Hochsicherheitstrakt. Die Quartierbewohner ­werden kein Durchgangsrecht ­haben», sagt Alt-Grossrat Andreas Hofmann von der SP Bern-Nord.

Die SP hat Anfang Juli gegen ein Baugesuch des Bundes eine Einsprache eingereicht. Der Bund legte im Gesuch seine Pläne ­offen, dass er beim umzäunten Areal neu konzipierte Drehtüren installieren will.

Diese Eingänge sollen auch Behinderte und Velofahrer passieren können. Damit machte der Bund aber auch bekannt, dass das Areal für die ­Bevölkerung nicht mehr zugänglich sein soll. Denn wer die Drehtüren ­passieren will, braucht einen Mitarbeiterbadge.

2012 tönte es ganz anders

Welch ein Kontrast zu 2012: ­Damals hatte das zuständige Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) mit Stolz bekannt gegeben, dass es in einem Wettbewerb ein Siegerprojekt für die Gestaltung des Areals auserkoren habe. ­Gewonnen hatte das Projekt «Dr Eskimo» der Andreas Geser Landschaftsarchitekten AG.

Das BBL begründete den Entscheid mit einem bemerkenswerten Satz, sich selbst für die stadtplanerische Perspektive rühmend: «Ausschlaggebend war, dass nicht einfach ein Areal gebaut wird, sondern ein Stück Stadt.»

Das Siegerprojekt sah eine parkartige Anlage vor, die für die Bevölkerung zugänglich sein ­sollte. Zumindest tagsüber. ­Geplant waren Wege für Fuss­gänger und Velos, die mitten durch das Verwaltungs­gebiet führen.

Schon fast euphorisch schob das BBL im schönsten ­Jargon der Bauplaner nach: «Als sicht­bare ­Anschlusspunkte zum bestehenden Quartier sind kleine Plätze mit Blütenbäumen, Sitzbänken und einem Trinkbrunnen ­geplant, die sowohl für die Belegschaft des Verwaltungszentrums wie auch für Passanten aus dem Quartier als Begegnungszonen zur Verfügung stehen.»

Machtkampf beim Bund

Der Bund begründet die Kehrtwende wie folgt: «Die Erhöhung der terroristischen Bedrohungslage in Europa und der Schweiz nach den Anschlägen in Paris hat in der Projektkommission ab 2016 zu einer Neubeurteilung der Sicherheitsfragen für das Verwaltungszentrum am Guisanplatz geführt», erklärt Hanspeter Winkler, Abteilungsleiter Projektmanagement beim BBL.

Laut Andreas Hofmann von der SP Bern-Nord kam es innerhalb der ­Bundesverwaltung zu einem Machtkampf zwischen dem BBL auf der einen sowie dem Bundesamt für Polizei und der Bundesanwaltschaft auf der anderen Seite. ­Wobei sich schliesslich die künftigen Nutzer der Gebäude durchsetzen konnten.

Die Vertreter des Bundes ­hielten es indes nicht für nötig, die Kehrtwende und die geplante Abschottung des Areals zu ­kommunizieren. «Das ist ein sehr schlechter Kommunikationsstil», kritisiert SP-Vertreter Andreas Hofmann.

Von Graffenrieds zwei Hüte

Andreas Hofmann hat ein gewisses Verständnis für die Sicherheits­bedenken des Bundes. «Aber von mir aus gesehen ist es ausreichend, wenn die Hauseingänge gesichert ­werden. Dies umso mehr, weil das Areal oberirdisch für den Verkehr gesperrt sein wird.»

Da es sich nicht um ein ­gewöhnliches Bauprojekt, ­son­dern um eine städtebauliche ­Frage handle, fordert Andreas Hofmann, dass sich die Stadt­regierung in dieser Frage engagiert: «Wir ­erwarten vom ­Gemeinderat, dass er sich für die Interessen der Stadt und der Quartierbevölkerung einsetzt. Es ist fatal, dass der Bund ein so grosses Areal der ­Bevölkerung nicht zugänglich ­machen will.»

Delikat ist in dieser Frage die Position von Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). In seiner Präsidialdirektion ist zum einen das Bauinspektorat angesiedelt, welches das Baugesuch behandeln und ihm einen Entscheid zur Unterschrift vorlegen wird.

Auf der anderen Seite ist er der Cheflobbyist der Stadt gegenüber den Bundesbehörden. Doch da von Graffenried gleichzeitig Entscheidinstanz in dieser Sache ist, kann er derzeit wohl kaum beim Bund intervenieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.07.2018, 08:11 Uhr

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