Vermisste Katze, genesene Ziege, totes Telefon

Hans Ulrich Schaad berichtet vom Bergsommer. Seine neusten Beobachtungen von der Alp Obriste Morgeten.

Von ihr fehlte zwei Tage lang jede Spur: Katze Daisy.

Von ihr fehlte zwei Tage lang jede Spur: Katze Daisy.

(Bild: Hans Ulrich Schaad)

Hans Ulrich Schaad

Jeder Tag auf der Alp Obriste Morgeten liefert viele neue (Tier-)Geschichten. Da ist etwa jene von Daisy, einer der drei Katzen, die sich hier oben befinden. Am Donnerstagnachmittag hat Ros­marie Siegenthaler das Tier noch gesehen. Am Freitag blieb ihr Platz auf der Küchenbank verwaist. Nur Schnouz und Susi liessen sich blicken, holten ihre Ration Käse ab – und die Streicheleinheiten.

Am Esstisch wurde gerätselt, was Daisy zugestossen war und wo sie sich aufhielt. War sie dem Fuchs zum Opfer gefallen? Oder hat gar ein Bartgeier sie geholt? Es kamen bereits Befürchtungen auf, dass Daisy wohl nicht mehr zurückkehren würde.

Am Samstagmorgen tauchte sie wieder auf. Völlig verängstigt hatte sie sich in einer Ecke des Toilettenraums verkrochen. Rosmarie Siegenthaler nahm sie und versuchte sie mit etwas Käse und Speck zu trösten. Doch Daisy wollte nichts fressen. Aus ihren Augen war zu lesen, dass sie ein einschneidendes Erlebnis gehabt haben muss. Rosmarie Siegenthaler brachte Daisy in den oberen Stock an einen behaglichen Ort. Am Nachmittag taute die Katze wieder auf, und am Abend ging sie sogar wieder auf die Jagd, im Murmeltierhang.

Gute Nachrichten gab es auch im Stall. Ziege Fini ist wieder auf dem Damm. Sie musste einige Tage im Stall bleiben, nachdem sie sich am linken Hinterbein verletzt hatte. Jetzt klettert die Leitgeiss mit ihren vier Artgenossinnen wieder in den Hängen mit den saftigen Alpenkräutern.

Einen neuen Patienten gibt es hingegen in der Küche: Das Telefon ist seit dem späten Samstagnachmittag tot. Die Ursache ist noch nicht bekannt. Das hatte schon Folgen. Eine angemeldete Gruppe konnte die Alp telefonisch nicht in­formieren, dass sie sich ver­spätete. Wir glaubten, dass sie nicht mehr kommen würde. Um 22.30 Uhr stand die nach dem Schlussaufstieg verschwitzte Gruppe vor verschlossenen Türen. Das Klopfen an der Tür weckte Hund Rex, der mit seinem lauten Gebell Alarm schlug. Nun waren alle wach, und die Gruppe konnte doch noch ins Schlaf­lager.

Berner Zeitung

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