Verkauf des Spitals in Moutier wird vorbereitet

Die Hôpital du Jura bernois SA lagert den Spitalstandort Moutier in eine eigene Aktiengesellschaft aus. Sobald Moutier zum Kanton Jura wechselt, soll die Klinik verkauft werden.

Wird in Tochtergesellschaft ausgelagert: das Spital in Moutier.

Wird in Tochtergesellschaft ausgelagert: das Spital in Moutier.

Marius Aschwanden

Für SVP-Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg war schon vor der Abstimmung über die Kantonszugehörigkeit von Moutier klar: Sollte die Gemeinde zum Kanton Jura wechseln, ist Bern nicht mehr für das dortige Spital zuständig. An dieser Einstellung hat sich seither offenbar nichts verändert. Diesen Schluss lässt die am Mittwoch vorgestellte neue Strategie der Hôpital du Jura bernois SA (HJB) zu, die in Moutier und in St-Imier zwei Akutspitäler betreibt.

Demnach soll der Standort Moutier spätestens auf Ende Juni 2018 in eine eigene Aktiengesellschaft ausgelagert werden. Das Ziel dieses Schritts ist klar: Wenn die Stadt frühestens am 1. Januar 2021 zum Kanton Jura wechselt, soll das Spital verkauft werden. Bis dahin aber würden dort mit allen Mitarbeitern dieselben Leistungen angeboten wie bisher, bekräftigt der Verwaltungsrat.

Für HJB-Geschäftsleiter Dominique Sartori ist auch bereits klar, wer das Spital kaufen sollte. In einem Interview mit dem Radiosender RJB sagte er, dass dieses möglichst an den Kanton Jura respektive das Hôpital du Jura gehen soll. Entsprechende Gespräche sollten demnächst stattfinden.

Fusion mit Nebengeräuschen

Zur neuen Strategie des HJB gehört auch die Fusion mit dem Netzwerk psychische Gesundheit. Die psychiatrische Klinik mit ihrem Hauptstandort in Bellelay wird künftig als eine Abteilung des Spitalunternehmens geführt. Die verschiedenen Standorte und Angebote im Berner ­Jura und in Biel sollen aufrechterhalten werden, Kündigungen gebe es keine.

Die Fusion war seit längerem absehbar. Bereits im Dezember 2015 begann die engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen. Diese wurde nach der Ausgliederung der drei Psychiatrien aus der Kantonsverwaltung auf Anfang dieses Jahres zunehmend verstärkt. Bellelay war im Rahmen dieses Prozesses jedoch auch das Sorgenkind des Kantons. Hohe Defizite machten Kündigungen und Umstrukturierungen notwendig, die Kantonsarzt Jan von Overbeck als interimistischer Direktor umzusetzen hatte.

Für ihn kommt die Fusion nun eher zu früh, wie der «Bund» kürzlich berichtete. Von Overbeck hätte sich ein zusätzliches Jahr zur Vorbereitung gewünscht. «Die finanzielle Sanierung des Netzwerks psychische Gesundheit ist zwar auf gutem Weg, aber noch nicht abgeschlossen», sagt er. Deshalb habe er dafür plädiert, mit dem Zusammenschluss noch zu warten. Trotzdem trage er den Entscheid des Verwaltungsrats mit, sagt von Overbeck, der im Februar 2018 in die Frühpension geht. Ab sofort leitet deshalb HJB-Direktor Sartori den Psychiatriebetrieb.

Skeptischer Spitalökonom

Gesundheitsökonom Heinz Locher beurteilt die neue Strategie des Hôpital du Jura bernois SA grundsätzlich positiv. In Anbetracht des Kantonswechsels sei dem Unternehmen gar nichts anderes übrig geblieben, als Moutier auszulagern. Trotzdem ist Locher kritisch, was die Überlebenschancen der HJB als autonomes Unternehmen betrifft. «Bereits mit zwei Akutspitälern hatte das Hôpital du Jura bernois Mühe, seine Investitionen selber zu finanzieren.

Mit nur noch einem Standort in St-Imier dürfte sich diese Problematik noch verschärfen», sagt er. Laut Locher müsste das Unternehmen deshalb dringend die Zusammenarbeit mit einem grösseren Partner suchen – beispielsweise mit dem Spitalzentrum Biel. «Ansonsten ist das Hôpital du Jura bernois zu klein, um zu über­leben.»

In einer Mitteilung äusserten sich am Mittwoch auch die Personalverbände SBK, VPOD und VSAO zu den Änderungen. Für sie ist klar, dass die Fusion «sehr viel Fingerspitzengefühl» verlangen wird. Insbesondere für das Psychiatriepersonal sei die Situation aufgrund der vergangenen Sparmassnahmen und Reorganisationen belastend.

Bezüglich der Absicht, das Spital Moutier in eine eigene Aktiengesellschaft auszulagern, zeigen sich die Personalverbände hingegen «irritiert». Sie seien nicht konsultiert worden und würden den Schritt rechtlich prüfen. Oberste Priorität habe die Beibehaltung des ­Gesamtarbeitsvertrags und eine öffentliche Trägerschaft fürs ­Spital.

Berner Zeitung

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