Vereinsgründung entgegen dem Trend

Neuenegg

Ein neuer Samariterverein entsteht in Neuenegg. Das wäre eigentlich nur eine kleine Meldung wert, doch diese Vereinsgründung geschieht gegen den Trend. Denn jährlich geben zwischen zehn und zwanzig Samaritervereine auf.

Brigitte Burri (Bildmitte) beobachtet die neuen Vereinsmitglieder bei ihren ersten Übungen.

Brigitte Burri (Bildmitte) beobachtet die neuen Vereinsmitglieder bei ihren ersten Übungen.

(Bild: Beat Mathys)

In Neuenegg entsteht, was andernorts eingeht. Ein Samariterverein. Die erste Übung hat stattgefunden, das Datum der Gründungsversammlung steht fest. «Ich bin belächelt worden, als ich meine Pläne offenlegte», sagt Brigitte Burri, die hinter dem neuen Verein steht. Denn jährlich geben überalterte Vereine auf. Die ausgebildete Samariterlehrerin und Instruktorin zog vor vier Jahren nach Neuenegg. «Ich wollte in meiner Wohngemeinde als Samariterin aktiv sein.»

Mitstreiter fand sie in der Feuerwehr. Kommandant Patrik Weber habe sie unterstützt, im Magazin habe der Verein jetzt auch sein Lokal. Geplant seien weitere gemeinsame Aktivitäten. Ziel des neuen Vereins sei das Mittelländische Schwingfest, das 2019 in Neuenegg stattfinden wird. «Da wollen wir bereit sein, dort die Posten zu besetzen.» Das heisst, der Verein muss bis dahin genügend Leute haben, welche die Grundausbildung zum Nothelfer und den Wiederbelebungskurs erfolgreich absolviert haben.

Die Anforderungen steigen

Burri ist Mutter zweier noch kleiner Kinder. Zum Samariterwesen kam die medizinische Praxisassistentin durch ihren Chef, der Vereinsarzt bei den Samaritern war. «Ich habe mir das angeschaut», sagt sie. Und es habe ihr den Ärmel hereingenommen. Nach der Grundausbildung machte sie weiter, wurde Samariterlehrerin und danach auch noch Instruktorin. Sie sieht, wie ringsum die Vereine eingehen, und nennt auch Gründe dafür: die Überalterung, die höheren Anforderungen und das Internet.

Wer beim Schweizerischen Samariterbund eine Ausbildung machen will, die dazu befähigt, in den Vereinen Übungen abzuhalten, muss die Unterlagen online runterladen und danach auf der Stufe 1 bis zu vierzig Stunden mit Selbststudium verbringen – und während vier Tagen einen Kurs besuchen. Dazu kommen Kosten von 1360 Franken. Die Stufe 2 ist noch anspruchsvoller: Sechs Tage Kurs, fünfzig Stunden Selbststudium und 2760 Franken Kosten.

Diese werden in der Regel zwar von den Vereinen getragen, die dieses Geld wiederum mit Mitgliederbeiträgen und sonstigen Aktionen eintreiben müssen. «Zeitlich ist der Aufwand für Ausbildungen und Kurse nicht höher als früher. Doch die Qualität ist definiert und festgelegt», erklärt Stephan Hoenner, der im Samariterbund die Abteilung Marketing und Kommunikation leitet. Denn seit diesem Jahr ist der Schweizerische Samariterbund durch den Interverband Rettungswesen zer­tifiziert, und das hat Auswirkungen auf das Kurswesen und die Ausbildungen.

Weniger Vereine seit Jahren

Diese Zertifizierung stelle die Qualität der Ausbildung sicher, sagt Hoenner. Dass Kursunterlagen und Lernprogramme online zugänglich seien, sei doch eigentlich ein Vorteil. So müssten die Samariter nicht mehr alles in Ordnern ablegen, und inhaltliche Änderungen würden automatisch aktualisiert. Für Hoenner bedeuten die Neuerungen langfristig eine zeitliche Entlastung. «Alles ist zugänglich, und das Zusammenstellen der Unterlagen ist in kürzerer Zeit möglich.»

Doch auch Hoenner kennt den Vereinsschwund im Samariterwesen. «Die Abnahme der Anzahl Vereine stellen wir leider seit mehreren Jahren fest.» Das habe auch damit zu tun, dass sich die Leute nicht mehr langfristig und ohne Entgelt engagieren wollten. «Ob die Neuerungen dazu noch beitragen werden, sehen wir erst in einem Jahr.» Vereine müssten sich überlegen, wie viele Kursleiterinnen sie ausbilden wollten, «und ob sie nicht vermehrt zusammenarbeiten sollten».

Brigitte Burri lässt sich nicht beirren. Sie gründet in Neuenegg einen neuen Samariterverein. Der erste Übungsabend gibt ihr recht. Es sind 16 potenzielle Vereinsmitglieder erschienen.

Gründungsversammlung: 10. Fe­bruar, 19.45 Uhr, Singsaal Sekundarschulhaus Neuenegg.

Berner Zeitung

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