Verein plant «Schüssel» für Skateboarder

Bern

Der Jugendkulturverein Bernside will neben dem Gaskessel eine Anlage für Skateboarder einrichten. Das Baugesuch für die Bowl ist eingereicht, Behörden und Landeigentümerin sind laut den Initianten mit im Boot.

Hilf uns, deine Realität zu kreieren: Claude Christen (rechts) und seine Bernside-Kollegen nutzen den Fototermin zum Platzieren einer Botschaft.

Hilf uns, deine Realität zu kreieren: Claude Christen (rechts) und seine Bernside-Kollegen nutzen den Fototermin zum Platzieren einer Botschaft.

(Bild: Iris Andermatt)

Christoph Hämmann

Bowl ist Englisch für Schüssel. Rollbrettfahrerinnen und Rollbrettfahrer denken bei dem Wort aber nicht an Salat, sondern an eine mit Ausbuchtungen versehene Betonschüssel, in der es sich mit dem Skateboard Herumtollen lässt. Beziehungsweise liesse: Wer eine Bowl befahren will, findet die nächste in Sarnen (OW), Saanen oder Basel. In Bern gibt es keine solche Anlage.«Bern ist extrem im Rückstand», sagt Claude Christen.

Der 32-jährige Betriebsökonom und Schreinerlehrling ist Präsident des Jugendkulturvereins Bern­side. Dieser will auf dem Gaswerkareal eine öffentliche, kostenlos nutzbare Skateanlage – Berns erste Bowl – bauen. Gemeinsam mit sieben Kollegen aus der Skate­szene hat Christen das Projekt so weit vorangebracht, dass sie vor einigen Tagen das Baugesuch einreichen konnten.

«Do it yourself»

«Bern hat eine lebhafte Szene von Skateboardern und BMX-Fahrern», sagt Christen. Dies zeigten nur schon die diversen Läden in der Innenstadt, die sich auf Freestylesportarten spezialisiert hätten. «Die Bowl wäre für die Stadt eine riesige Bereicherung.»

Die Szene soll beim Aufbau mithelfen, genau so wie Jugendliche aus dem Quartier, die Lust ­darauf haben. «Wir bauen selber» ist das Motto. «Und das mit so ­wenig Geld wie möglich.» Weil die Vereinsmitglieder ihre vielen Arbeitsstunden ehrenamtlich leisten, geht es um vergleichsweise bescheidene 26 000 Franken, die für das Projekt – nach Vorliegen der Baubewilligung – aufgetrieben werden müssen. Sponsoring, Material- und andere Spenden sowie Crowdfunding sollen dies möglich machen. In den Kosten eingerechnet ist auch der Rückbau der Bowl. «Es geht um eine Zwischennutzung, solange auf dem Gaswerkareal noch nicht gebaut wird.»

Die Anlage soll gegenüber dem Gaskessel-Eingang auf einer Fläche von maximal 15×25 Metern hingebaut werden. Am Ende des «Chessu»-Vorplatzes liegt eine bereits versiegelte, von Bäumen umstellte Fläche, die wie ­gemacht scheint für eine Skatebowl. «Der Ort ist perfekt», sagt Christen. Dazu gehört mit den Betreibern des Jugend- und Kulturzentrums auch der Nachbar, der die Skateanlage in sein Abfall- und Sauberkeitskonzept einbeziehen wird. «Während dessen Betriebszeiten stehen die WC des Gaskessels den Nutzerinnen und Nutzern der Bowl zur Verfügung, und der Gaskessel ist erste Anlaufstelle für Anliegen.»

«Positive Kultur»

Auch im Gaskessel würde man sich über die neuen Nachbarn freuen. Vor einem Jahr habe man vor dem «Chessu» zwei kleine Elemente für Skater hingestellt, sagt Teamleiter Francisco Dro­guett. «Es ist frappant, wie rege diese genutzt werden. Das zeigt, wie geeignet das Gaswerkareal für Jugendkultur ist.»

Im Gespräch mit Bernside-Präsident Christen und seinen Vereinskollegen betonen diese die «positive Kultur», die in ihrer Szene herrsche. Egal wo, in Skateparks komme man sofort mit­einander ins Gespräch. «Alle freuen sich, wenn jemandem ein Trick gelingt», sagt Christen. «Es geht nicht wie in den meisten Sportarten darum, wer gewinnt und wer verliert.» Lärm mache ein Skatepark übrigens kaum, betont er. «Die Werte, die in einem Lärmgutachten für ein Basler Bowlprojekt gemessen wurden, liegen deutlich unterhalb der ­gesetzlichen Grenzwerte.»

Das kommt offenbar auch bei offiziellen Stellen gut an. Ob ­Marzili-Dalmazi- oder Schönau-Sandrain-Leist, ob städtisches Jugendamt, die Landeigentümerin Energie Wasser Bern oder die Baurechtsnehmerin Immobilien Stadt Bern: Sie alle haben laut Christen «sehr positiv» auf das Projekt reagiert. «Bisher ist uns niemand im Weg gestanden.» Rollt das Projekt so weiter, erhält Bern bald seine erste Bowl.

Berner Zeitung

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