Verdichten kann beginnen

Zollikofen

Endlich hat es wieder eine Ortsplanungsrevision geschafft. Mit grossem Mehr hat die Bevölkerung in Zollikofen der Vorlagezugestimmt. Die Gemeinde kann nun nach innen verdichten.

In Zollikofen kann nach innen gebaut werden. Die Stimmbürger haben mit klarer Mehrheit von 1830 Ja- zu 461 Nein-Stimmen die Ortsplanungsrevision angenommen.<p class='credit'>(Bild: Stefan Anderegg)</p>

In Zollikofen kann nach innen gebaut werden. Die Stimmbürger haben mit klarer Mehrheit von 1830 Ja- zu 461 Nein-Stimmen die Ortsplanungsrevision angenommen.

(Bild: Stefan Anderegg)

Dreieinhalb Jahre intensive Planung, Organisation und Arbeit haben sich ausbezahlt. «Ich bin sehr erleichtert», sagte Zollikofens Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP), nachdem die Resultate zur Ortsplanungsrevision am Sonntag vorgelegen hatten. Mit einer klaren Mehrheit von 1830 Ja- zu 461 Nein-Stimmen hatten die Stimmberechtigten die Vorlage des Gemeinderates angenommen.

«Wir mussten in unserem Planungsprozess immer wieder abwägen, ob wir eine mehrheitsfähige Lösung gefunden haben», erklärte Bichsel. Dass das Resultat nun in dieser Deutlichkeit ausgefallen sei, habe er nicht erwartet. «Das zeigt aber, dass unser Vorgehen das richtige war.»

Über die Grenzen geschaut

Der Gemeinderat hat in seiner Arbeit auch auf andere Gemeinden schauen können und seine Ortsplanungsrevision dementsprechend angepasst. «Wir haben nur die absoluten Must-haves in unsere Vorlage reingenommen, um grossmehrheitsfähig zu bleiben», erklärte Daniel Bichsel.

Mit der Konzentration auf die innere Verdichtung im Dorf und dem Weglassen von anderen Elementen wie beispielsweise gleichzeitigen Landeinzonungen habe der Gemeinderat Nein-Stimmen vermeiden können. «In anderen Gemeinden haben sich die Gegenstimmen kumuliert, die sich gar nicht unbedingt an denselben Dingen gestört haben», so Bichsel weiter.

Abstimmung war grosses Ziel

Dass der eingeschlagene Weg – anders als in anderen Gemeinden der Region – zum Erfolg führen könnte, hatte sich schon während der Ausarbeitung des Projekts gezeigt. Im Frühling hatte das Parlament von Zollikofen die Revision ohne grosse Diskussion genehmigt, eine Interessengemeinschaft (IG) hatte aber im September das Referendum ergriffen.

Nach dem deutlichen Resultat sagte IG-Mitglied Antoinette Wernli: «Es war uns in erster Linie wichtig, dass es überhaupt zur Abstimmung kommt.» Die Nein-Stimmen deckten sich mit den Unterschriften, die das Referendum gültig gemacht hatten. Damit habe sie gerechnet. «Es war ein demokratischer Entscheid, den wir natürlich akzeptieren», so Wernli. Jetzt hoffe sie einfach, dass sich das Ortsbild von Zollikofen durch die Abstimmung nicht verändere.

Neben der Ortsplanungsrevision haben die Zollikofer auch einer Vorlage zum ehemaligen Areal der Kindergärten am Lindenweg zugestimmt. Dieses darf nun verschiedenen Eigentürmern im Baurecht abgegeben werden. Mit dem Ja zur revidierten Ortsplanung ist dort ausserdem der Weg für eine Wohnüberbauung geebnet.

Andere Gemeinden scheiterten

So problemlos wie in Zollikofen sind Abstimmungen zu revidierten Ortsplanungen fast nirgends in der Region verlaufen. Viele Gemeinden schickten die Vorlagen bachab.

Gespannt haben die Behörden in Muri den Werdegang der Ortsplanungsrevision in Zollikofen beobachtet. Denn auch dort hatte es vor fünf Jahren lange Zeit sehr gut für die Revision der Ortsplanung ausgesehen: Sowohl der Gemeinderat wie auch das Parlament und alle etablierten Parteien hatten sich für das Geschäft ausgesprochen, aus der Bevölkerung war im Vorfeld kaum Kritik ­gekommen.

Der damalige Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer blickte optimistisch auf die Abstimmung – nur um dann umso enttäuschter erfahren zu müssen, dass die Vorlage mit 50,8 Prozent gescheitert war. Die wachstumskritischen Gruppierungen IG Multengut und Aktion Gümligenfeld hatten eine hauchdünne Mehrheit auf ihre Seite gezogen.

Muri erging es nicht anders als zuvor etlichen anderen Gemeinden in der Region. In Bolligen, Ittigen und Worb hatten die Stimmberechtigten in dieser Zeit einer Gesamtrevision nicht zugestimmt, die Behörden mussten wieder über die Bücher. Mittlerweile hat Worb die überarbeitete Ortsplanung dem kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung erneut zur Vorprüfung vorgelegt.

Auch in Zollikofen waren lange Zeit nur wenige kritische Stimmen zur Ortsplanungsrevision zu hören gewesen. Eine Interessengemeinschaft (IG) hatte aber im September das Referendum ergriffen, um die Revision vors Volk zu bringen. Die erforderlichen Unterschriften kamen dabei ohne Probleme zustande. Die IG hat es aber im Hinblick auf die gestrige Abstimmung nicht geschafft, genügend Nein-Stimmende zu mobilisieren.

Berner Zeitung

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