Guisanplatz: Verbot führt zu Schleichverkehr

Wegen des geplanten Linksabbiegeverbots am Guisanplatz rechnet der Gemeinderat mit Schleichverkehr in den Quartierstrassen.

Autos, die aus der Rodtmattstrasse kommen, dürfen am Guisanplatz ab Herbst 2018 nicht mehr links abbiegen.

Autos, die aus der Rodtmattstrasse kommen, dürfen am Guisanplatz ab Herbst 2018 nicht mehr links abbiegen.

(Bild: Raphael Moser)

Markus Ehinger@ehiBE

Wer vom Breitenrainplatz her auf der Rodtmattstrasse in Richtung Wankdorf und Autobahn fahren will, darf beim Guisanplatz ab Herbst 2018 nicht mehr links ­abbiegen. Der Verkehrsversuch der Stadt Bern sorgt bei Anwohnern für Kopfschütteln.

Online wurde gestern hitzig über das geplante Verbot debattiert. «Noch komplizierter gehts nicht», schreibt eine Leserin und bezieht sich damit wohl darauf, dass Autos und Lastwagen in Zukunft über die Mingerstrasse bis zum Kreisel beim Postfinance-Hochhaus fahren, dort einen sogenannten U-Turn machen und zurück auf der Mingerstrasse zum Guisanplatz fahren müssen. Dort könnten sie rechts in Richtung Wankdorf abbiegen. Andere Leser bezeichnen das Vorhaben als «völlig unnötig» oder «ökologisch und verkehrstechnisch völlig unsinnig».

Teil der Velohauptroute

Gestern Mittag schaltete der Gemeinderat auf der Website der Stadt Bern die Antwort auf die kleine Anfrage von Stadtrat Lionel Gaudy (BDP) auf. Gaudy wollte unter anderem wissen, weshalb gerade jetzt beim Guisanplatz der motorisierte Privat- und Gewerbeverkehr so massiv eingeschränkt werde. Laut Gemeinderat erlaube die Aufhebung der Linksabbiegespur die Einführung eines Radstreifens zwischen der «Velostrasse» in der Militärstrasse und dem Guisanplatz. Dieser Abschnitt sei als Teil der Velohauptroute Bern–Ostermundigen eine Veloverbindung von zentraler Bedeutung, «jedoch mit der heutigen Verkehrsführung für Velofahrerende un­sicher und unattraktiv».

Mehrverkehr befürchtet

Was bei der Antwort des Gemeinderats erstaunt: Die Regierung rechnet offenbar schon heute mit einer «moderaten» Zunahme des Verkehrs in den Quartierstrassen sowie «geringem» Schleichverkehr. Der Verkehr wird also offenbar wegen des Linksabbiegeverbots vom grossen Guisanplatz in die kleinen Quartierstrassen verlagert.

Positiv vermerkt der Gemeinderat, dass es auf dem Guisanplatz dadurch zu einem «leichten Kapazitätsgewinn infolge der Abnahme des massgebenden Verkehrsstroms» kommen werde.

Gespräche mit Anstössern

Die Stadtregierung erwartet ausserdem gemäss Abklärungen eines externen Ingenieurbüros eine Zunahme der Grünzeit an den Ampeln um etwa 10 Prozent beim Guisanplatz.

Der Gemeinderat betont in ­seinen Ausführungen zum geplanten Projekt, dass sich die Delegierten der Quartierkommission Dialog Nordquartier mehrheitlich für die Durchführung eines Verkehrsversuchs mit anschliessender Evaluation ausgesprochen hätten. Verschiedene wichtige Entscheidträger wurden jedoch dabei nicht involviert. Sie kritisieren den Verkehrsversuch. Darunter befinden sich etwa die Bernexpo AG, das Wankdorf-Center, das Stade de Suisse und die CSL Behring AG. Die Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün der Stadt Bern hat ­deshalb entschieden, die offenen Fragen an einer gemeinsamen Sitzung zu diskutieren und das weitere Vorgehen zu klären. Wann diese Sitzung stattfinden wird, ist noch offen.

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