Bern

Velo-Offensive im Gegenverkehr

BernVon der Einführung von Velogegenverkehr auf der Schwarztorstrasse verspricht sich Pro Velo neben einer neuen Westverbindung auch mehr Sicherheit in der bestehenden Fahrt­richtung.

Das Schild «Einfahrt verboten» soll in Zukunft für Fahrradfahrer nicht mehr gelten. Quelle: Google Street View

Vier Buchstaben genügen, damit im Berner Stadtparlament alle paar Wochen das gleiche Theater aufgeführt wird: eine Grundsatzdebatte zum Thema Velo. Weil die Stadtregierung und die rot-grüne Mehrheit aus Bern eine ­Velostadt machen wollen, gilt es ständig Geschäfte und Vorstösse mit Bezug zum Zweirad zu diskutieren.

Auch am Donnerstagabend dürfte sich der Stadtrat eine ausführliche Velodebatte liefern. Traktandiert ist zum einen ein Kredit von 6,6 Millionen Franken, um auf der Schwarztorstrasse Velogegenverkehr einzuführen; den grössten Teil des Geldes verschlingen indes Strassen- und Werkleitungssanierungen, die gleichzeitig realisiert werden sollen, sowie die Anpassung und Erneuerung der Lichtsignalanlagen.

Die «Gehl-Studie»

Zum andern liegen jeweils zwei Vorstösse der SP und der SVP vor, die (auch mit Blick auf den Veloverkehr) eine Aufwertung der Schauplatz- und der Zeughausgasse verlangen (SP) – beziehungsweise die Aufhebung des heutigen Velogegenverkehrs in der Schauplatzgasse sowie auf dem Bären- und Waisenhausplatz (SVP).

Der Gemeinderat lehnt die SVP-Vorstösse ab. Beide Achsen seien für den Veloverkehr von hoher Bedeutung, argumentiert er und verweist auf den Richtplan Veloverkehr und die Studie der dänischen Gehl Architects vom letzten Jahr. Die «Gehl-Studie»: Sie atmet einen rot-grünen Geist und regt an, die Innenstadt zu entrümpeln, Parkplätze aufzuheben und die Aufenthaltsqualität für Fussgängerinnen und Velofahrer zu erhöhen. Allein ihre ­Erwähnung dürfte Bürgerlichen als Vorlage dienen, um die mitunter provokativen Forderungen der Studie zu zerzausen.

Die SP-Motionen dagegen empfiehlt der Gemeinderat zur Annahme. Die Aufwertung von Zeughaus- und Schauplatzgasse sei nicht nur in der Gehl-Studie, sondern auch im neuen, mit den Wirtschaftsverbänden erarbei­teten «Verkehrskonzept Wirtschaftsstandorte Innenstadt» vorgesehen.

Die Spurreduktion

Was die Einführung von Velo­gegenverkehr auf der gesamten Schwarztorstrasse angeht, freut sich Michael Sutter, SP-Stadtrat und Präsident von Pro Velo Bern, auf die baldige Umsetzung eines langjährigen Projekts. «Für den Raum Marzili und Monbijou ist dies eine wichtige Route Richtung Westen», sagt Sutter. «Heute werden Velofahrerinnen und Velofahrer zu langen Umwegen über den Eigerplatz oder den Hirschengraben gezwungen.»

Für Bern werde es relativ neu sein, dass auf Hauptverkehrsachsen Velos im Gegenverkehr geführt werden. «Das wird sicher auf beiden Seiten eine gewisse Gewöhnung brauchen.» Um die Situation zusätzlich zu entschärfen, unterstützt Sutter den Antrag der vorberatenden Kommission, auf dem letzten Abschnitt der Schwarztorstrasse stadteinwärts – zwischen Belp- und Sulgeneckstrasse – Tempo 30 einzuführen.

Weiter oben an der Schwarztorstrasse, zwischen Brunnmatt- und Zieglerstrasse, erhofft sich Sutter mit der neuen Lösung auch für stadteinwärtsfahrende Velos eine verbesserte Situation, da der heute zweispurige Autoverkehr künftig nur noch einspurig geführt werden soll. «Mit zwei Spuren wird es für Velos eng und besonders im Stossverkehr gefährlich.» (Christoph Hämmann)

Ein Übersichtsplan sowie die Vorlage an den Stadtrat sind auf der Homepage der Stadt Bern abrufbar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.04.2018, 07:17 Uhr

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