Velohändler fürchten die Konkurrenz der Migros

Muri

Ein Velogeschäft im Grossformat: Die Migros eröffnet im Gümligenfeld ihr zweites Bikeworld – sehr zum Ärger des Fachhandels.

Spartenleiter Sven Voser beim Einrichten des Bikeworld Muri.

Spartenleiter Sven Voser beim Einrichten des Bikeworld Muri.

(Bild: Andreas Blatter)

Stephan Künzi

«Eine absolute Katastrophe.» Peter Sommer wählte markige Worte, als er im Februar auf den neusten Coup des Migros-Konzerns reagierte. Dieser hatte gerade angekündigt, dass er im Kanton Zürich die erste Filiale seiner Fachmarktkette Bikeworld eröffnen werde. Mittlerweile ist das passiert, und der Präsident der Branchenorganisation 2-Rad Schweiz ist gar nicht erfreut, wie er mit seinem Satz in den Medien klar zum Ausdruck brachte.

Morgen Donnerstag ereilt «die Katastrophe», um bei Sommers Wortwahl zu bleiben, die Region Bern. Im Gümligenfeld an der Autobahn bei Muri eröffnet die Migros ihr zweites Velogeschäft im Grossformat. 450 Velos und 1200 Zubehörteile auf 1000 Quadratmetern verspricht die Werbung. Die Fläche hat die Migros von der Heimelektronikkette Media-Markt geerbt, die einen Teil ihrer Räume aufgibt.

Im mittleren Preissegment

Daniel Schär schlägt etwas gemässigtere Töne an. In der Sache gibt der Geschäftsführer von 2-Rad Schweiz seinem Präsidenten aber recht, wenn er sagt: Für den klassischen Velomechaniker mit seinem kleinen bis mittelgrossen Betrieb werde Bikeworld sicher zur ernst zu nehmenden Konkurrenz. «Viele werden die neuen Filialen spüren.»

Wieso das so ist, erklärt er so. Anders als bisher biete die Migros in ihrer neuen Fachmarktkette nicht mehr nur günstige Eigenmarken an, sondern auch Velos renommierter Hersteller. Sie spreche so ein velobegeistertes Publikum an, das für ein Fahrzeug gerne etwas mehr ausgebe.

Schär redet von einem mittleren Preissegment von bis zu 5000 Franken, in das die Migros vorstosse, und gibt zu bedenken: Mit seinen grossen Mengen erziele der Konzern im Einkauf viel bessere Preise als der einzelne Velomechaniker – und könne deshalb auch günstiger verkaufen.

Dazu kommt, dass zu einem ­Bikeworld immer auch eine Werkstatt für Servicearbeiten aller Art gehört. Sie wird für Kleine in der Branche auch auf einer anderen Ebene zur Konkurrenz: Als Grosser könne der Migros-Konzern seinen Angestellten attraktivere Arbeitszeiten und bessere Sozialleistungen bieten, so Schär.

«Es hat für alle Platz»

Die Migros schätzt die Situation anders ein. Sprecherin Andrea Bauer weist auf den wachsenden Markt hin, betont, dass die Nachfrage nach Velos zunehme und deshalb nach wie vor 75 bis 80 Prozent des Branchenumsatzes auf die schweizweit rund 1500 Fachhändler entfalle.

Diese hätten allein deshalb wenig zu befürchten, weil im Velogeschäft die Kundentreue grossgeschrieben werde. «Wir sind überzeugt, dass es im Schweizer Markt für alle Platz hat, die einen guten Job machen.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt