Velobrücke: Es fehlen 9 Millionen Franken

Bern

Alle sind begeistert von der Fussgänger- und Velobrücke, welche die Länggasse mit dem Breitenrain verbinden würde. Doch niemand will sie zahlen. Nun verlangt Pro Velo von der Stadt, dass sie die Brücke innert sechs Jahren baut.

Eine 440 Meter lange Fussgänger- und Velobrücke: So stellen es sich die Planer vor. Und so möchten es viele Bernerinnen und Berner. Die Finanzierung allerdings ist nicht gesichert.

Eine 440 Meter lange Fussgänger- und Velobrücke: So stellen es sich die Planer vor. Und so möchten es viele Bernerinnen und Berner. Die Finanzierung allerdings ist nicht gesichert.

(Bild: zvg)

Seit Jahren warten Tausende von Bernerinnen und Bernern auf diese Brücke: Täglich würden mindestens 6000 Personen mit dem Velo und weitere 1600 zu Fuss den Steg benutzen, welcher dereinst von der Inneren Enge bis zur Wylerstrasse über die Aare führen soll. Das hat eine Studie des Kantons gezeigt. Diese Zahlen haben sogar den Bund überzeugt. Er würde 5 Millionen an die 14 Millionen Franken beisteuern, welche die Brücke voraussichtlich kostete. Doch wer die restlichen 9 Millionen Franken zahlt, ist umstritten. Derzeit schieben sich die Stadt und der Kanton gegenseitig das Brückenprojekt zu.

Es sei sinnvoller, «dass die Federführung für die weitere Planung dieses Vorhabens bei der Stadt liegt» und nicht beim Kanton, findet Ueli Weber, Kreisoberingenieur beim Kanton.

Stadt grundsätzlich bereit

Der Berner Gemeinderat ist an sich auch dieser Meinung und hat deshalb der kantonalen Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer in einem Brief bestätigt, dass die Stadt grundsätzlich bereit sei, die weiteren Planungsarbeiten für «dieses wichtige kantonale Projekt zu übernehmen». Die Betonung «kantonales Projekt» ist kein Zufall. Denn die Stadt stellt sofort klar, «dass die Stadt zwar die Federführung bis zur Realisierung übernimmt, der Kanton jedoch für sämtliche daraus resultierenden Bau- und Unterhaltskosten aufkommt.» Das wiederum widerspricht den Absichten des Kantons: Kreisoberingenieur Ueli Weber geht davon aus, dass sich der Kanton «mit bis zu 50 Prozent beteiligen» könnte. Und auch das ist kein Versprechen. Denn er erwähnt gleichzeitig: «Beim Kanton ist die Mittelkonkurrenz im Bereich Strassenbau verhältnismässig gross.» Das bedeute, dass andere dringendere Vorhaben den Bau der Brücke verzögern könnten – selbst wenn die Stadt einlenken würde und einen Teil der Brückenkosten zahlen würde.

«An die Hand nehmen»

Dem Hin und Her zwischen Stadt und Kanton wollen einige Stadträte und vor allem auch der Veloförderverein Pro Velo Bern ein Ende bereiten: «Planung endlich an die Hand nehmen!», fordern Stefan Jordi (SP), Monika Hächler (GB), Priska Lanfranchi (GFL/EVP) und Michael Köpfli (GLP) in einem Vorstoss im Stadtrat. In sechs Jahren soll die Brücke zwischen Länggasse und Breitenrein fertig sein.

«Wenig Geld, grosser Nutzen»

«Es ist ärgerlich, dass die Stadt, der Kanton und der Bund finden, die Brücke sei so wichtig und nützlich. Aber zahlen will sie niemand», findet SP-Stadtrat und Pro-Velo-Präsident Stefan Jordi. Dank der Brücke über die Aare könnten Velofahrer und Fussgänger die gefährlichen und überlasteten Verkehrsnadelöhre am Bollwerk und auf der Schützenmatte umgehen. Mit der bevorzugten Linienführung würde die 440 Meter lange Brücke von der Inneren Enge über die Aare bis zum neuen SBB-Gebäude Wylerpark reichen und die Länggasse ohne grosse Höhendifferenz direkt mit dem Breitenrain verbinden. Dass der Brückenbau am Geld scheitern könnte, kann Stefan Jordi nicht verstehen: «Es gibt wohl kaum ein anderes Verkehrsprojekt, das mit so wenig Geld so grossen Nutzen bringt», findet er.

Übrigens: Nicht nur die Stadt Bern tut sich schwer mit seiner Brücke für den Langsamverkehr. Die Zürcher haben den Bau einer 150 Meter langen Velo- und Fussgängerbrücke über die Gleise beim Hauptbahnhof auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Schaffhauser warten schon seit Jahren darauf, dass ihnen die geplante Velo- und Fussgängerbrücke namens «Duraduct» gefährliche Umwege und beschwerliche Höhenmeter erspart.

Pro Velo Bern informiert und diskutiert an einer öffentlichen Veranstaltung über die geplante Velo- und Fussgängerbrücke: Mittwoch, 6.März, 20 Uhr, im Wylerpark, Wylerstrasse 123/125.

Berner Zeitung

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