Urwyler ist erleichtert und traurig zugleich

Köniz

Für ihn sei das eine gute Lösung, findet Pfarrer André Urwyler. Dass er Köniz verlassen muss, schmerzt ihn trotz allem sehr.

In der Kirche von Köniz wird André Urwyler nur noch seinen Abschiedsgottesdienst feiern. Über 20 Jahre lang war er als Pfarrer in Köniz tätig, jetzt wird er seinen Wirkungskreis verlassen.

In der Kirche von Köniz wird André Urwyler nur noch seinen Abschiedsgottesdienst feiern. Über 20 Jahre lang war er als Pfarrer in Köniz tätig, jetzt wird er seinen Wirkungskreis verlassen.

(Bild: Adriana Bella)

Lucia Probst

Am Donnerstagnachmittag hat André Urwyler seine Unterschrift unter den Vergleich gesetzt. «Ich bin erleichtert, jetzt habe ich wieder eine Perspektive.» Für ihn sei das eine gute Lösung. Er fühle sich von der Justiz-, Gemeinde und Kirchendirektion (JGK) korrekt behandelt. «Ich wurde nicht unter Druck gesetzt», betont Urwyler. Zugleich macht er keinen Hehl daraus, dass er lieber in Köniz geblieben wäre. Auf einer Reise in die Kirchengemeinschaft im französischen Taizé habe er entschieden, das Angebot anzunehmen, das innert weniger Wochen zustande gekommen sei.

Dass er ab 1.November wieder als Pfarrer tätig sein kann, ist für Urwyler dabei zentral. Seit letztem November war er beurlaubt. «Ich sass im Pfarrhaus wie in einem goldenen Käfig. Das Nichtstun war für mich unerträglich.» Auch um der Untätigkeit ein Ende zu setzen, willigte der 61-Jährige in den Vergleich ein. Er will vor seiner Pensionierung nochmals als Pfarrer tätig sein. «Hätte sich das Verfahren länger hingezogen, wäre das schwierig geworden.» Zudem ist mit der neuen Aufgabe auch seine materielle Existenz gesichert.

Zum Abschied die 1000.Taufe

André Urwyler freut sich auf seine neue Arbeit im Regionalpfarramt, wo er vor allem als Stellvertretung in Gemeinden geschickt wird. Er verstehe sich gut mit dessen Leiter Martin Koelbing. Dabei ist sich der umtriebige Pfarrer bewusst, dass er sich in einem neuen Feld bewegt. «Ich werde als Stellvertreter meine Ideen zügeln müssen.» Angst, dass es in den Kirchgemeinden erneut Probleme geben könnte, hat er nicht. «Ich freue mich auf die neuen Begegnungen.»

Trotz der neuen Perspektive gibt es für Urwyler auch ein grosses Aber. Er werde seine Gemeinde enorm vermissen. Viele Menschen hätten ihm in den letzten Monaten mit Mails, Geschenken und anderen Zeichen des Zuspruchs den Rücken gestärkt. «Für all das bin ich unendlich dankbar.» Nun Abschied nehmen zu müssen, macht ihn «sehr traurig». Und gibt ihm das Gefühl, diese Leute im Stich zu lassen. Am 27.November wird Urwyler seinen Abschiedsgottesdienst halten. «Ich will mich unbedingt verabschieden.» Auch seine 1000.Taufe wird dies dann sein. Sie war schon letztes Jahr geplant. Doch dann wurde Urwyler beurlaubt. «Die Eltern haben bis jetzt gewartet», erzählt er. Zur Vergangenheit äussern darf sich der Pfarrer nicht. Das ist Teil des Vergleichs. «Ich habe den Konflikt noch nicht verdaut.» Dass er sich nicht lösen liess, stimmt ihn traurig. Trotz allem findet er: «Ich habe in den über 20 Jahren in Köniz viel mehr Schönes als Schlechtes erlebt.»

Neue Ideen für Bern

Bis im April 2012 leben Urwyler und seine Familie noch im Pfarrhaus. Dann ist der Umzug an die Junkerngasse in Bern geplant. Erste Ideen, dort auch sein kulturelles Flair auszuleben, hat der Pfarrer schon. «Der Glaube geht auch durch den Magen», verrät er vorerst dazu nur. Das Sous-Soul im Altstadthaus wird schliessen. «Aber nicht primär wegen mir, sondern wegen einer Beschwerde von Nachbarn.»

Berner Zeitung

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