Ursula Wyss zögert noch

Bern

Alec von Graffenried (GFL) steht für den zweiten Wahlgang um das Stadtpräsidium bereit. Ursula Wyss (SP) hat sich am Montag noch nicht entschieden. Wahrscheinlich ist aber, dass am Ende sie gegen von Graffenried antreten wird.

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Christoph Hämmann

Kommt es um die Nachfolge von Alexander Tschäppät (SP) am 15. Januar zum grossen Showdown zwischen Ursula Wyss (SP) und Alec von Graffenried (GFL), wie es in den letzten Wochen gemeinhin erwartet worden war?

Oder mischt Franziska Teuscher (GB) im zweiten Wahlgang um das Berner Stadtpräsidium ebenfalls mit, zieht sich gar Wyss zurück und macht die Stapi-Frage zum innergrünen Duell?

Diese Fragen blieben am Montag offen. Bereits am Start für den zweiten Wahlgang steht bloss von Graffenried, der grosse Wahlsieger vom Sonntag. Sowohl für das Stadtpräsidium als auch für den Gemeinderat hatte er die meisten Stimmen geholt.

«Für die GFL ist das sensationelle Ergebnis ein klarer Auftrag, ihn im zweiten Wahlgang für das Stadtpräsidium nochmals so engagiert zu unterstützen», teilte seine Partei am Montag mit. Wyss dagegen hat sich noch nicht entschieden: «Zur Frage einer Kandidatur für den zweiten Wahlgang laufen derzeit Gespräche», schrieb die SP.

«Ergebnis kurz setzen lassen»

Offenbar haben die Sozial­demokraten an den Ergebnissen vom Sonntag zu kauen. Mit Blick auf die nackten Zahlen sind sie zwar stabil unterwegs: Der Verlust eines Stadtratssitzes wurde durch die zwei Sitzgewinne der Juso mehr als aufgewogen, die beiden Gemeinderatssitze konnten gehalten werden.

Wyss ist sich aber Spitzenergebnisse gewohnt – dass sie auf der Gemeinderatsliste nicht nur hinter von Graffenried landete, sondern auch von Teuscher geschlagen wurde, stört dieses Selbstverständnis.

Und vor allem legt es den Schluss nahe, dass SP-Wählerinnen und -Wähler zu Teuschers Wiederwahl beitrugen – während Wyss nicht viele Stimmen aus dem GB-Lager geholt haben dürfte.

Solche Mutmassungen wollte SP-Co-Präsident Stefan Jordi am Montag nicht kommentieren. «Die Umfrage, wonach Franziska Teuschers Sitz gefährdet sein könnte, hat auf grüner Seite sicher stark mobilisiert», sagte er bloss.

Man müsse das Ergebnis der Gemeinderatswahlen «noch kurz setzen lassen», so Jordi. «Angesichts des Drives, den Alec von Graffenried entwickelt hat, würde ein zweiter Wahlgang gegen ihn sicher interessant ­werden.»

Bis morgen Mittwoch wolle die SP entschieden haben. Bis dahin liefen einerseits parteiintern Gespräche, andererseits stehe die SP mit den Bündnispartnern in Kontakt.

«Kein Dreikampf»

Bis übermorgen müssen Wyss und Teuscher entschieden haben, ob sie gegen von Graffenried antreten. Es ist davon auszu­gehen, dass die SP auf ein Signal der GB-Spitze hofft, dass sie in einem zweiten Wahlgang zwischen von Graffenried und Wyss auf grüne Unterstützung für die SP-Frau zählen kann.

Doch auch GB-Präsidentin Stéphanie Penher bestätigte am Montag bloss, dass man mit der SP Gespräche führe. Und sie sagt: «Es wird sicher nicht zu einem Dreikampf kommen.»

Sie hoffe, dass es zu einer Ausmarchung komme, sagt Penher. Wie sich ihre Partei verhält, wenn es wie erwartet zum Duell Wyss gegen von Graffenried kommt, werde die Mitgliederversammlung vom 14. Dezember entscheiden.

Berner Zeitung

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