Bahnhof Bern: Der grosse Ausbau beginnt

Am Samstag eröffnen die SBB mit dem Spatenstich den Ausbau des zweitgrössten Bahnhofs der Schweiz. Gesamtprogrammleiter Benno Nussberger erklärt, dass die Baustelle zwar Unannehmlichkeiten bringt, aber auch urbanes Spektakel.

Die Grossbaustelle für den Bahnhofausbau verändert das Stadtbild: Der temporär baumlose Hirschenpark unterhalb des Bierhübeli.

Die Grossbaustelle für den Bahnhofausbau verändert das Stadtbild: Der temporär baumlose Hirschenpark unterhalb des Bierhübeli.

(Bild: Christian Pfander)

Ist ein Spatenstich für Sie als erfahrenen Ingenieur und Baumanager noch aufregend?Benno Nussberger: Ich bin im positiven Sinne aufgeregt. Aus Freude, dass wir den Spatenstich zusammen mit der Bevölkerung nun durchführen können und es nach jahrelanger Planung losgeht. Natürlich bringen komplexe Grossprojekte auch eine enorme Verantwortung mit sich. Das Wissen, dass wir ein sehr gutes Projektteam haben, mindert aber diese Aufregung.Normalen Bahnhofsbenutzern stehen acht Jahre mit Unannehmlichkeiten bevor.Bauen ohne Emissionen und Einschränkungen geht leider nicht. Wir werden unser Möglichstes tun, sie so gering wie möglich zu halten. Die Reisenden werden ab etwa Ende 2019 teilweise etwas längere Wege haben. Das wird aber frühzeitig kommuniziert und vor Ort signalisiert werden.

Welches wird die grösste Un­annehmlichkeit? Erfahrungsgemäss der Baulärm – vor allem während der Abbruch- und Aushubarbeiten. Ich finde aber trotzdem: Bernerinnen und Berner haben allen Grund, mit uns zu feiern. Denn im Bahnhof Bern wird es im Jahr 2025 deutlich mehr Platz geben, er wird grösser, heller und attraktiver.

Der Bahnhof bleibt in Voll­betrieb – wie in Zürich beim Bau der Durchmesserlinie. Wir nehmen die Lehren aus Zürich oder anderen Grossprojekten in Bern selbstverständlich auf. Bei der Durchmesserlinie nahm das Verständnis der Anwohnenden im Verlaufe der Bauzeit eher zu. Nicht zuletzt, weil sie regelmässig informiert wurden und die Projekte in der Regel gut kannten. Erfahrungsgemäss werden Reisende dann ungeduldig, wenn sie jeden Tag neue Wege laufen müssen. Wir versuchen darum, unsere Baustellen so zu planen, dass es möglichst einmalige Umwege gibt.

Unter 079 850 08 95 betreiben Sie ein Sorgentelefon. Telefonnummer und Mailadresse haben alle unsere Projekte. In Bern betreiben wir diese zusammen mit dem RBS. So können von den Bauarbeiten Betroffene mit uns in Kontakt treten. Die meisten Reklamationen betreffen auch hier den Baulärm.

Gibt es auch Lob? Ja. Grossbaustellen sind interessant, und es gibt viel zu sehen. Am schönsten in Erinnerung geblieben ist mir eine Weihnachtskarte von einem älteren Herrn, der den Bauteams ein unfallfreies neues Jahr gewünscht hat.

Benno Nussberger (54) ist Gesamtprogrammleiter Ausbau Bahnhof und Knoten Bern bei den SBB. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Berner Zeitung

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