«Urban Gardening» - ein Hauch Grün für die graue Stadt

Bern

Der Frühling hat Einzug gehalten und lässt die Pflanzenwelt zu neuem Leben erwachen. Dies nicht nur auf dem Land, auch städtische Hobbygärtner haben die Lust an Kräutern und Gemüse entdeckt.

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Claudia Salzmann@C_L_A

In New York gibt es über 600 Stadtgärten, die Wiener Stadtverwaltung unterstützt Projekte in diese Richtung und Berlin hat seit zwei Jahren den «Prinzessinnengarten», eine 6000 m2 grosse Brachfläche, die zu einem Garten umfunktioniert wurde. Auch Bern kann sich punkto «Urban Gardening» sehen lassen. Auf 26 Arealen werden 2000 Familiengärten, die zwischen 100 bis 400 m2 gross sind, verpachtet.

Gut gelegene Gärten sind beliebt

Nicht alle Standorte seien gleich beliebt, meint André Wyttenbach, Sachbearbeiter Familiengärten der Stadt. Die Stadt hat Wartelisten, je nach Standort müsse man bis fünf Jahre warten. Momentan sei man gerade dabei, die Parzellen in der Reihenfolge der eingereichten Anmeldungen an in der Stadt wohnende Personen einzuteilen. Parzellen, welche innerhalb der Stadt liegen dürften bis Ende Mai alle vergeben sein. Nicht nur Familien, sondern auch Jüngere würden einen Schrebergarten pachten.

Gärtnern bedeutet auch Aufwand

Ein Familiengarten ist die traditionelle Form von einem Stadtgarten und bringt einiges an Aufwand mit sich. Das sei auch der Grund, weshalb viele der jüngeren Pächter nicht lange bleiben würden, sagt Wyttenbach weiter. Viele Hobbygärtner ziehen dem arbeitsintensiven Schrebergarten einige Töpfe auf dem Balkon vor. Mit Kreativität und wenig Platz lässt sich ein Kräutergärtchen oder ein kleiner Nutzgarten anpflanzen.

Oder man nutzt dafür Brachland, wie dies am Centralweg im Lorraine-Quartier der Fall ist. Kreuz und quer stehen Einkaufskörbe, Taschen und Harrassen herum, die mit Erde aufgefüllt und mit Gemüse bepflanzt sind. Dahinter steckt der Verein Brachland, der den Auftrag erhielt mit dem Gelände etwas zu tun, was dem Quartier nütze. Bis im Frühjahr 2012, wenn am Centralweg Wohnungen gebaut werden sollen, halten sich Lorraine-Bewohner den ersten mobilen Gemüsegarten der Stadt Bern. Die Gefässe lassen sich zur Seite schieben, damit das Gelände auch für andere Aktivitäten genutzt werden könne, wie Martin Beutler vom Verein Brachland auf Anfrage erklärt.

Trend Kräutergarten

Dass Gärtnern in der Stadt ein aktuelles Thema ist, bestätigt Hans Walter Müller, der Leiter Detailhandel des Gartenladens «Wyss». Knapp einen Monat nach der Eröffnung der ersten Filiale in Biel wurde Mitte April im Breitenrainquartier ein zweites Geschäft eröffnet. Hier findet der Hobbygärtner alles, was es zum Werken mit Erde, Pflanzen und Gemüse braucht. Typisch seien junge, bewusste Kunden, die sich ihr Kräutergärtchen oder eigene Tomaten halten.

«Die Kundschaft verhält sich heute anders, geht bewusster mit Mobilität um und will nachhaltige Produkte», beschreibt Müller den Trend. Als grösster Unterschied von «Wyss» zu den Gartenzentren der Grossverteiler nennt Müller ein Sortiment von kleinen Produzenten aus der Region.

Was in einem Gartenbeet von Michelle Obama vor dem Weissen Haus in Washington angefangen hat, scheint mehr als nur ein kurzer Trend zu sein - er prägt das Gärtnern in der Stadt offensichtlich nachhaltig.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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