«Unsere Message ist angekommen»

Der Tibetische Aktivist Loten Namling schildert, wie er die Protestaktionen vom Sonntag erlebt hat. Der zweite Tag des Staatsempfangs für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping verlief indes ruhig.

Tibet-Aktivist Loten Namling erklärt im Video, was er vom chinesischen Staatsbesuch, von der Schweizer Regierung und von der Kantonspolizei Bern hält. Video: Martin Burkhalter

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Der zweite Tag des Staatsempfangs für den chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Bern verlief ruhig. In der Innenstadt herrschte am Montag trotzdem Ausnahmezustand: Der Bundesplatz grossräumig abgesperrt und mit Betonelementen verbarrikadiert, Personenkontrollen, Armee-Helikopter in der Luft.

Nur die Aktivisten fehlten. Mehr als eine Handvoll Pro-China-Demonstranten am Casionplatz waren nicht auszumachen.

Der tibetische Aktivist und Künstler Loten Namling machte am Sonntag mit einer Kunstperformance auf die schwierige Situation seine Landes aufmerksam. Am Montag ist Namling zwar auch in der Stadt unterwegs, jedoch nur um Kaffee zu trinken.

Im Video-Interview schildert er, wie er den Sonntag erlebt hat und was für ihn der Staatsempfang bedeutet.

Kritik in den sozialen Medien

Das riesige Sicherheitsdispositiv wurde schon am Sonntag teilweise heftig kritisiert, gerade in den sozialen Medien, wie Twitter und Facebook. Vor allem, weil die Pro-China-Demonstranten am Sonntag auf den Bundesplatz jubilieren durften, die tibetischen Aktivisten aber nicht einmal in die Nähe des Bundesplatzes gelassen wurden.

Am Nachmittag nahm die Polizei zudem noch ein Dutzend Aktivisten fest, die sich lauthals und mit Transparenten für ein freies Tibet einsetzen.

Loten Namling lebt seit 27 Jahren in der Schweiz. Er hat zwei Kinder. Er versteht, dass die Schweiz eine gute Beziehung zu China haben will. Er sagt aber auch, dass sie dabei die Menschenrechte nicht vergessen solle. Sie müssten immer wieder angesprochen werden. Die Schweiz sei eben ein wichtiges Land, eines mit Vorbildfunktion. Deshalb dürfe es nicht nur um Geld gehen.

Er kritisiert, dass am Sonntag die Pro-China-Demonstranten bevorzugt behandelt worden sind. «Ich dachte, die Schweiz sei ein demokratisches Land», sagt er.

Der Sonntag sei zuerst ruhig verlaufen, sagt Namling weiter. Bis am Nachmittag die jungen, heissblütigen Tibeter eintrafen und die Stimmung sich aufheizte. Er glaube aber, dass gerade dadurch ihre Message über die Barrikaden hinweg bei Xi Jingping angekommen sei. «Für den Moment bin ich zufrieden», so Namling.

Die Aktivisten forderten mehr Menschenrechte in Tibet und den Start eines Dialogs zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama. «Xi Jinping: Stopp Folter in Tibet» und «Bringen wir Schweizer Demokratie nach Tibet und China» stand unter anderem auf den Transparenten der Demonstranten.

Nach dem Mittagessen ist Xi Jingping am Montag dann ans Weltwirtschaftsforum in Davos weitergereist. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2017, 18:04 Uhr

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