Uni Bern soll Albert Einstein abserviert haben

Im Internet macht derzeit ein Brief aus dem Jahr 1907 die Runde. Darin lässt die Uni Bern Albert Einstein mit seiner Habilitation abblitzen. Der Haken: der Brief ist eine Fälschung.

Absage an das Genie: In diesem Brief der Uni Bern soll Albert Einsteins Habilitation abgelehnt worden sein. Das Schreiben ist allerdings eine Fälschung.

Absage an das Genie: In diesem Brief der Uni Bern soll Albert Einsteins Habilitation abgelehnt worden sein. Das Schreiben ist allerdings eine Fälschung.

(Bild: Screenshot www.unibe.ch)

Vergilbtes Papier, Schreibmaschinenschrift und ein antik anmutender Stempel der Universität Bern: So präsentiert sich ein auf den 6. Juni 1907 datierter Brief, der derzeit im Internet kursiert.

Der Inhalt: eine Absage der Universität Bern an Albert Einstein. Die als Relativitätstheorie bekannt gewordenen Ansätze Einsteins zu Raum, Zeit und Licht seien «radikal» und «mehr Kunst als Physik». Sein Antrag auf eine Habilitation in Bern müsse die Fakultät daher ablehnen.

«Plumpe Fälschung»

Die Uni Bern liess das grosse Physik-Genie Albert Einstein abblitzen? Natürlich nicht. «Das Dokument ist eine relativ plumpe Fälschung», stellt Niklaus Bütikofer, Archivar der Universität Bern, auf der Webseite der Uni Bern klar.

Vom Dokument, das seit einigen Wochen auf Facebook und Twitter verbreitet wird, zeigt sich Bütikofer unbeeindruckt. «Bei der Recherche hat man sich keine besondere Mühe gegeben.»

Mehrere Fehler

Mehrere Fehler würden laut Bütikofer beweisen, dass der Brief gefälscht ist. So unterschreibt der Urheber des gefälschten Briefes etwa mit Dekan Wilhelm Heinrich – dabei gab es an der Uni Bern nie einen Mitarbeiter mit dem Namen.

Weiter ist der Brief auf Englisch geschrieben. «Die Korrespondenzsprache zwischen dem aus Deutschland stammenden und 1901 eingebürgerten Einstein und der Universität wäre wenn schon nicht Englisch, sondern Deutsch gewesen», so Bütikofer.

Völlig an den Haaren herbeigezogen ist der Inhalt des gefälschten Briefes jedoch nicht. Denn die Habilitation des damals in Bern lebenden Physikers wurde anfänglich tatsächlich abgelehnt, «allerdings nicht aufgrund wissenschaftlicher Differenzen, sondern aufgrund eines formalen Mangels», heisst es auf der Webseite der Uni Bern.

Scherz von gelangweiltem Physik-Student?

Wer hinter der frechen Fälschung steckt, ist bisher nicht bekannt. Bütikofer vermutet, dass es sich um einen Witz eines gelangweilten Physik-Studenten handelt.

cha

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