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Und täglich misst der Bademeister

Wer baden geht, tut sich grundsätzlich etwas Gutes. Doch: Kann man dabei nicht Krankheiten auflesen? Bedenken wegen möglicherweise verschmutzten Wassers sind jedoch meist unbegründet, wie ein Augenschein zeigt.

Ständig unter Kontrolle:  Dreimal im Tag entnimmt Betriebsleiter Walter Münger  im Schwimmbad Münchenbuchsee eine Wasserprobe. Dazu kommen unangemeldete Kontrollen durch das kantonale Laboratorium.
Ständig unter Kontrolle: Dreimal im Tag entnimmt Betriebsleiter Walter Münger im Schwimmbad Münchenbuchsee eine Wasserprobe. Dazu kommen unangemeldete Kontrollen durch das kantonale Laboratorium.
Beat Mathys
Im Badi-Labor: Gleich nach der Wasserentnahme analysiert Walter Münger die Proben.
Im Badi-Labor: Gleich nach der Wasserentnahme analysiert Walter Münger die Proben.
Beat Mathys
Analyse.
Analyse.
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Walter Münger kniet am Beckenrand nieder und taucht ein Plastikfläschchen ins Wasser. Das ist Routine für den Technischen Betriebsleiter des Schwimmbads Hirzi in Münchenbuchsee. Dreimal täglich – morgens, mittags und abends – entnehmen er oder seine Stellvertreter eine Probe. Dabei wird das Badwasser auf drei Qualitätsparameter überprüft: auf den Chlorgehalt, den pH-Wert und das gebundene Chlor mit organischen Verunreinigungen.

Auch unangemeldete Wasserkontrollen

«Alles in Ordnung», stellt Walter Münger zufrieden fest, als er kurz nach der Entnahme die Proben in seinem Badi-Laborraum untersucht und die Werte einträgt. Zu den internen Handmessungen kommen noch jährlich zwei – unangemeldete – Wasseranalysen durch das kantonale Laboratorium hinzu. In seinen nunmehr rund zehn Jahren als Betriebsleiter in Münchenbuchsee habe es noch nie Beanstandungen von der Aufsichtsbehörde des Kantons gegeben, sagt Münger.

Dafür tun er und sein Team einiges: Mit der Zugabe von rund 160 Litern Frischwasser pro Badegast und Tag liegt Münchenbuchsee sogar über den amtlichen Empfehlungen (50 bis 100 Liter). Das rührt auch daher, dass in Münchenbuchsee das Badwasser konsequent mit Frischwasser heruntergekühlt wird, sobald es die Marke von 24 Grad übersteigt. Eine wärmere Temperatur ist nicht wünschenswert, weil dann allfällige Keime im Wasser leichter gedeihen könnten. Dazu werden die Bassinböden täglich mit einem Unterwassersauger gereinigt. Aber auch die Badegäste werden darauf aufmerksam gemacht, was sie zur guten Wasserqualität beitragen können.

Münchenbuchsee ist also die vorbildliche Ausnahmebadi? Keineswegs, eher der Regelfall. «Die Wasserqualität in unseren Freibädern ist gut bis sehr gut», lobt Otmar Deflorin, Berner Kantonschemiker und gleichzeitig Präsident des Verbands der Schweizer Kantonschemiker. So würden landesweit im Durchschnitt nur rund zehn Prozent der Wasserproben beanstandet, meist wegen organischer Verunreinigungen wie Haare, Schuppen oder Harnstoff. Das sei weniger als noch vor zehn oder zwanzig Jahren – dank effizienteren Aufbereitungsanlagen und professionellerem Personal. Die Wasserqualität in unseren Schwimmbädern werde tendenziell immer besser, konstatiert Deflorin. Im Kanton Bern zum Beispiel sei heuer der Grenzwert beim Harnstoff (3 Milligramm pro Liter für Freibäder, 1 Milligramm für Hallenbäder) noch nie überschritten worden.

Heikler ist das Baden in Naturgewässern

Dass das Badwasser in den Freibädern unbedenklich ist, bestätigt auch Mediziner Ron Ammann. «Wenn jemand im Schwimmbad etwas aufliest, kommt das nicht vom Wasser, sondern von der Menschenansammlung», sagt der Hautarzt mit eigener Praxis in Thun. Um Warzen und Fusspilz zu vermeiden, empfiehlt er Badeschuhe zu tragen und die in den Badis vorhandenen Fussdesinfektionsmöglichkeiten zu nutzen.

Problematischer könnte ein Bad in Flüssen, Teichen und Seen sein. Dort ist es möglich, durch Larven von Saugwürmern eine Zerkariendermatitis einzufangen – oder sogar die von Ratten und Mäusen übertragene Infektionskrankheit Leptospirose. Wer nach einem Bad in einem Naturgewässer einen juckenden Hautausschlag oder Fieber mit Grippesymptomen entwickelt, sollte jedenfalls einen Arzt aufsuchen. Doch Angst haben muss man deswegen nicht: Auch diese Komplikationen treten vergleichsweise selten auf.

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