Und dann hatte er «die Wahlen im Sack»

Bern

Er kam, sah und machte das beste Resultat – Alec von Graffenried (GFL). AvG holte sowohl bei der Stapi-Wahl als auch als ­Gemeinderat die meisten Stimmen. Zum zweiten Stapi-Wahlgang «muss ich ja nun fast antreten», scherzte er.

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Gewählt. Gemeinderat. Mit dem besten Resultat auf der Rot-Grün-Mitte-Liste. Um 21.30 Uhr hat Alec von Graffenried (GFL) die Stadtberner Wahlen 2016 «im Sack». Das schien der 54-Jährige schon am Nachmittag vorausgeahnt zu haben.

Mit Tränen in den Augen nimmt von Graffenried Glückwünsche entgegen, verschwindet beinahe hinter Blumensträussen, Kameras und Mikrofonen.«Nein, damit habe ich nicht gerechnet. Natürlich bin ich überrascht. Ich bin platt vor Überraschung», wiederholt er ein ums andere Mal.

Hinter ihm setzen die Parteikolleginnen und -kollegen zu einer Welle an. Von Graffenried, wohl der erste Gemeinderat, dessen Kürzel AvG bereits im Wahlkampf eine Marke geworden ist, will sich jetzt erst einmal einfach freuen, wie er sagt.

Alec von Graffenried im Videointerview. Video: Martin Bürki

Über die vier Sitze, die sein RGM-Bündnis geholt hat und die er als «grosse Verantwortung» bezeichnet. «Wir müssen nun darauf bedacht sein, dass wir auch das Vertrauen derjenigen Wählerinnen und Wähler gewinnen können, die nun nicht mehr durch einen Gemeinderat vertreten sind», sagt er – und meint damit die Freisinnigen.

«Nein, damit habe ich nicht gerechnet. Natürlich bin ich überrascht. Ich bin platt vor Überraschung.»Alec von Graffenried (GFL)

Und der zweite Wahlgang fürs Stadtpräsidium? Ist er dabei? «Nun muss ich ja wohl fast», scherzt er. Aber er wolle noch mit seiner Partei reden. Versprechen tut er an diesem turbulenten Sonntagabend nur eines: «Der Wahlkampf wird auch für die zweite Runde fair und respektvoll bleiben.»

Cool down am Zibeleschwümme

Einige Stunden vorher. Früher Sonntagnachmittag. Von Graffenrieds Vorwahlprogramm ist erfrischend. Er nimmt wie jedes Jahr am Zibeleschwümme teil. Begonnen hat er diese Tradition im Jahr 2004. «Weil ich eine Wette verloren hatte», erzählt er bei Kaffee und Kuchen im Tierparkrestaurant. Cool wirkt er schon vor dem Sprung in die 9,5 Grad kalte Aare.

Video: Claudia Salzmann

Ob er nervös sei, wollen wir wissen. «Ich bin immer ­etwas nervös vor dem Zibele­schwümme», sagt er und grinst. Also gut. Über die Wahlen reden wir jetzt noch nicht.

Gemeinsam mit seinem zweitältesten Sohn Sebastian (24) und zwei weiteren Schwimmern eröffnet von Graffenried um 14.15 Uhr das Zibele­schwümme 2016. Die Gruppe heisst: «D’Wahle», und alle prusten auf der 350 Meter langen Schwimmstrecke ähnlich wie die gleichnamigen Meeressäuger.

«Es ist ein guter Abend für das RGM-Bündnis.»Ursula Wyss (SP)

Den Nachmittag verbringen Alec von Graffenried, seine Frau Cornelia Häfliger und die beiden gemeinsamen Kinder zu viert beim Spazieren und daheim. Der Jüngste freut sich, dass er am Abend beim Grosi «ganz lange fernsehen» darf, wenn der Papa im Rathaus auf die Resultate warten muss.

Am Abend ist dann die Familie trotzdem vollzählig dabei, als Alec von Graffenried gewählt wird. «Es ist doch spannender hier», räumt der Sohn ein.

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Ursula Wyss nimmts «nicht persönlich»

Die Zwei am Rücken hat bei den Stapi-Wahlen die Frau, die lange Zeit als praktisch gewählt galt. Ursula Wyss (SP) nimmt das aber sportlich und «nicht persönlich». Als Neuer habe man einen Bonus, sagt sie. «Das ging mir vor vier Jahren auch so.» In neue Personen könne man viel hineinprojizieren.

Doch, es sei ein guter Abend, betont Wyss. Obschon sie auf der RGM-Liste gar nur den dritten Platz belegt. «Es ist ein guter Abend für das RGM-Bündnis.»

Über den zweiten Stapi-Wahlgang will auch sie noch nachdenken. Mit von Graffenried ist sie in einem Punkt einig: «Diese Mehrheit in der Regierung ist für RGM eine grosse Verant­wortung.»

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