Überall Plastikabfälle

Ostwärts

Abenteuer auf zwei Rädern: Die pensionierte Journalistin Laura Fehlmann fährt mit dem Velo über 6000 Kilometer quer durch Russland.

Die ehemalige BZ-Redaktorin Laura Fehlmann ist mit ihrem Velo auf dem Weg quer durch Russland. Von Kiew an den Baikalsee sind es rund 6150 Kilometer.

Die ehemalige BZ-Redaktorin Laura Fehlmann ist mit ihrem Velo auf dem Weg quer durch Russland. Von Kiew an den Baikalsee sind es rund 6150 Kilometer.

(Bild: Raphael Moser)

130 Kilometer liegen hinter uns, die Millionenstadt Samara ist schon in Sicht. Wir treten kräftig in die Pedale, fahren ein Stück auf der Autobahn, wo wir uns an einer Tankstelle eine Cola genehmigen. Ein gelber Strassenhund liegt neben den Tanksäulen, gibt pflichtbewusst drei heisere Beller von sich und schläft weiter.

Wie wir auf die Räder steigen, erwacht er, bellt wieder und versucht, uns hinkend zu verfolgen. Aber schon sind wir weg. Der Verkehr ist mörderisch dicht und laut, der Strassenbelag eine Katastrophe aus dicken Asphaltwülsten und Schlaglöchern. Es herrscht Stossverkehr, Lastwagen hüllen uns in schwarzen Rauch. Wir biegen in Richtung Stadtzentrum ab, die Strasse wird schlechter, und gerade als ich die Türme einer Ölraffinerie zähle (12), merke ich: Mein Hinterreifen ist platt. Burger und Balmer wechseln den Schlauch, ich verspreche ihnen ein Bier, dann geht es weiter zum Stadtzentrum. Die Luft stinkt nach Abgasen, Schwefel und Fäkalien.

Ich träume von den letzten drei Tagen, in denen wir über Land gefahren sind. Aber auch dort ist alles andere als heile Welt. So werden etwa Autopneus, die entlang der Strasse gewechselt werden, liegen gelassen. Dazu kommen Plastikabfälle allüberall. Erklärungen für die Umweltsünden fallen mir keine ein, nur die, dass Russland offenbar dringendere Probleme zu lösen hat als Umwelt und Abfall. Etwa Armut. Ernährung. Unterhalt des Bahn- und Strassennetzes und Demokratie. Allzu lange kann das Umweltproblem in Russland jedoch nicht mehr ignoriert werden.

Von Kiew an den Baikalsee: Rund 6150 Kilometer quer durch Russland. Quelle: Google Maps

Hier in der tiefsten Provinz stehen die meisten Maschinen still, die Fabriken aus der Sowjetunion sind Ruinen geworden. Dagegen gibt es Einkaufszentren, obschon hier kaum Geld für Konsum vorhanden ist. In unserem Hotel herrscht jedoch noch tiefster Kommunismus: Kein Licht im Bad, und die Kaffeemaschine bedient uns beim Frühstück nur mit Wasser.

Dafür steht beim Eingang ein Rahmen für ein Gerät, um die Gäste zu röntgen. Und eigentlich sollten wir jede Nacht registriert werden – was beim wilden Zelten etwas schwierig sein dürfte und in den wenigsten Hotels gemacht wird.

Berner Zeitung

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