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Konzert Theater Bern: Weibel spricht von «unvereinbaren Wellenlängen»

Benedikt Weibel, Stiftungsratspräsident von Konzert Theater Bern, begründete am Dienstag vor den Medien die Freistellung von Stephanie Gräve. Die Schauspieldirektorin und der Intendant Stephan Märki hätten nicht zusammengepasst.

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Nicht auf der gleichen Wellenlänge: Schauspieldirektorin Stephanie Gräve und Intendant Stephan Märki.
Nicht auf der gleichen Wellenlänge: Schauspieldirektorin Stephanie Gräve und Intendant Stephan Märki.

Intendant Stephan Märki geht gestärkt aus den Querelen am Konzert Theater Bern hervor. Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel hat sich am Dienstag ausdrücklich hinter ihn gestellt und die umstrittene Freistellung von Schauspieldirektorin Stephanie Gräve verteidigt.

Märki sei ein sehr erfolgreicher Intendant, betonte Weibel. Gleichzeitig stehe die Qualifikation von Gräve ausser Frage. Doch die beiden hätten menschlich nicht zusammengepasst. Er selber sei schon kurz nach Gräves Amtsantritt im vergangenen Jahr auf den Konflikt aufmerksam gemacht worden.

Der Stiftungsrat habe alles versucht, um die Situation zu normalisieren. «Nachdem alle Vermittlungen gescheitert waren, mussten wir einschreiten.» Im Gesamtinteresse von Konzert Theater Bern habe man Gräve per sofort freigestellt und so dem Intendanten den Rücken gestärkt.

Der Stiftungsrat habe einen Entscheid für eine funktionierende Führung und nicht gegen eine Person getroffen, betonte Weibel. Über Gräve könne er absolut nichts Negatives sagen. Nun seien die Anwälte am Zug. «Wir werden mit ihr eine faire Lösung finden.»

Die Schauspieldirektorin war am 21. Januar auf Wunsch von Intendant Märki freigestellt worden. Sie hatte ihr Amt erst auf diese Spielzeit hin angetreten.

Gräve wollte weiterarbeiten

Stephanie Gräve hätte ihre Arbeit am Konzert Theater Bern aber gerne weitergeführt. Das sagte sie am Dienstagabend im Berner Regionaljournal von Radio SRF. Tatsächlich habe es persönliche Konflikte zwischen ihr und Intendant Stephan Märki gegeben, bestätigte Gräve.

Offenbar habe sie «eine andere Bereitschaft, Konflikte auszutragen», sagte Gräve. Sie hätte sich gewünscht, an den Konflikten zu arbeiten und eine Einigung herbeizuführen. Die Arbeit in Bern habe sie «sehr inspirierend für Ensemble und Publikum» empfunden, deshalb wäre sie gerne geblieben.

Flucht nach vorn

Der Fall sorgte in den Berner Medien für Schlagzeilen, zumal sich die Verantwortlichen zunächst in Schweigen hüllten. Wilde Spekulationen schossen ins Kraut, eine Petition wurde lanciert und eine kleine Anfrage im Stadtrat eingereicht. Erst jetzt entschloss sich das Haus zur Flucht nach vorn und lud zum Mediengespräch ein.

Eigentlich kommentiere man Personalien nicht öffentlich, sagte Weibel. Doch im vorliegenden Fall habe er die Eigendynamik unterschätzt. «In den Fokus gerieten Folgen statt Ursachen und Einzelheiten statt eines Gesamtbildes.»

Das Haus selber hatte die Freistellung mit «inhaltlichen und strategischen Differenzen» zwischen Märki und Gräve begründet. Die Formulierung sei womöglich nicht glücklich gewesen, räumte Weibel am Dienstag ein. Denn die erwähnten Differenzen seien bloss die Folge der «menschlichen Inkompatibilität» gewesen.

Nachfolge offen

Weibel hofft, dass das Haus nun wieder in Ruhe arbeiten kann. Gräves Job macht einstweilen Märki, die Stelle soll aber möglichst rasch neu besetzt werden.

Der Stiftungsratspräsident betonte weiter, das Konzert Theater Bern sei «künstlerisch und wirtschaftlich eine Erfolgsgeschichte». Auch die Publikumsresonanz sei erfreulich. Die Zusammenführung von Stadttheater Bern und Berner Symphonieorchester sei trotz schwieriger Umstände sehr gut gelungen.

Weibel vor Abgang

Weibel selber wird sein Amt Mitte Jahr abgeben, wie kürzlich bekannt wurde. Zur Begründung verwies er am Dienstag erneut auf sein Alter: «Ich werde dieses Jahr 70, das ist der Grund.»

Den Entscheid zum Rückzug habe er schon letztes Jahr gefasst. Er habe also nichts mit den jüngsten Turbulenzen zu tun.

(SDA)

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