Tschou Tuni!

Der wortgewaltigste SCB-Fan überhaupt ist verstummt. Martin «Tuni» Megert alias «Hardboiled SCB» ist 55-jährig gestorben.

Der SCB war seine platonische Liebe: Martin Megert posiert im Frühling 2017 vor der Berner Postfinance-Arena.

Der SCB war seine platonische Liebe: Martin Megert posiert im Frühling 2017 vor der Berner Postfinance-Arena.

(Bild: Urs Baumann)

Am 2. April um 23.28 Uhr klickte Martin Megert auf seiner Facebook-Seite auf «Veröffentlichen». So, wie er es immer tat, wenn sein Verein gespielt hatte und er seinen Bericht dazu fertig geschrieben hatte. Der SC Bern, seine «platonische Liebe», hatte das vierte Spiel der Playoff-Halbfinalserie gegen den späteren Schweizer Meister ZSC Lions 1:3 verloren. Martin Megert, den alle einfach Tuni nannten, schrieb: «Erneut lauchten wir im Startdrittel umher, als ob jemand Fleisch in die Veganerbrühe geschnätzelt hätte.»

Es ist ein Satz, wie ihn nur Tuni schreiben konnte. Und es ist ein Satz aus seinem allerletzten Matchbericht, das ist traurige ­Gewissheit. Martin «Tuni» Megert ist in der Nacht auf vergangenen Samstag 55-jährig an Krebs gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter, 16 und 21 Jahre alt. Hunderte Hockeyfans sprachen der Familie am Wochenende auf sozialen Medien und in persönlichen Botschaften ihr Beileid aus.

Hängehoden

Als «Hardboiled SCB» kürte Tuni den «Furzkopf der Woche», in seinen Berichten war von Furzgageln, Männerstrapsen und Hängehoden die Rede, Genf war bei ihm «Senf Stuhlgang», HC-Lugano-Stürmer Damien Brunner die Miss Schweiz und die «Hutzenbröhne» vom HC Fribourg-Gottéron seine allerliebsten Feinde: Tuni war einer, der austeilen konnte wie kein Zweiter, wenn er auf die Tastatur einhämmerte. Tuni war aber eben auch einer, mit dem man so wunderbar diskutieren konnte wie mit wenigen anderen Eishockeysupportern. Ja, es gab eigentlich niemanden, der es nicht wunderbar fand, mit Tuni ein Bier zu trinken und über Hockey und die Welt zu fachsimpeln. Ein Fribourg-Fan (!) brachte es am Sonntag auf Twitter auf den Punkt: «Deine Berichte waren legendär, aber deine Persönlichkeit war noch einmal eine Stufe weiter oben. Tschou Tuni!»

Unterhaltungskritzler

Über 40 Jahre lang besuchte der Mann mit der wehenden Mähne die SCB-Spiele. Die Facebook-Seite des Informatikers aus Schliern bei Köniz hat über 9000 Fans, manche «Hardboiled SCB»-Berichte wurden über 30 000-mal gelesen. Manchmal schrieb ihm SCB-Präsident Marc Lüthi eine persönliche Rückmeldung. Im Frühling 2017 erschien sein Buch «111 Gründe, den SC Bern zu lieben». Für ihn war das ein «monumentaler Moment», wie er in einem Interview mit dieser Zeitung sagte. Als Literatur würde er aber nicht bezeichnen, was er mache. «Abgelehnt. Ich würde mich als Unterhaltungskritzler betiteln.»

Am 28. April um 18.56 Uhr klickte Martin Megerts Tochter auf der Facebook-Seite ihres Vaters auf «Veröffentlichen». Sie postete ein Foto von Tuni und schrieb: «Ruhe in Frieden, Papa.» Ein Fan kommentierte, er sei sicher, dass Tuni die Allmendhalle weiterhin besuchen werde.

Berner Zeitung

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