Tschäppät hat schlaflose Nächte

Bern

Am Donnerstag steht Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät als Komiker auf der Bühne in Das Zelt. Was sagen seine Gemeinderatskollegen dazu?

Gibt es Lacher? Vor seinem Auftritt ist Alexander Tschäppät nervös.

Gibt es Lacher? Vor seinem Auftritt ist Alexander Tschäppät nervös.

(Bild: Andreas Blatter)

Markus Ehinger@ehiBE

«Auch Christoph Blocher war am Anfang nur das Ende einer Nabelschnur.» So beginnt das Kabarettprogramm von Alexander Tschäppät (SP). Der Berner Stapi wagt sich morgen Donnerstag auf der Allmend in Das Zelt auf die Komikerbühne. Mehr als den ersten Satz seines Auftritts will er noch nicht verraten. Nur so viel: Die Politik werde sicher eine Rolle spielen, aber keine allzu grosse.

Humoristische Fähigkeiten

Dass Tschäppät durchaus Humor habe, bestätigten seine Ratskollegen. «Am meisten gefällt mir die selbstironische Art von Alex», sagt seine Partei- und Ratskollegin Ursula Wyss. «Das macht ihn als Politiker menschlich und sympathisch.»

Selbstironie erachtet auch Finanzdirektor Alexandre Schmidt als eine gute Eigenschaft. «Ein Politiker muss auch bereit sein, einzustecken. Ich lache zum Beispiel auch gerne über mich», sagt der FDP-Gemeinderat. Man dürfe aber gegenüber seinen Ratskollegen auch mal sticheln. «Ich bin sozusagen der liberale Stachel im Gemeinderat», sagt Schmidt, der am Donnerstag nicht im Publikum in Das Zelt sitzen wird. Zuerst ist er in der Stadtratsdebatte im Rathaus und anschliessend am offiziellen Weihnachtsessen des Parlaments. Schmidt berichtet von amüsanten Gemeinderatssitzungen: «Die Atmosphäre im Gemeinderat ist offen und freudvoll. Es vergeht keine Sitzung, in der wir nicht zusammen lachen. Das tut gut, damit sich rote und erhitzte Köpfe auch mal abkühlen.» Der Finanzdirektor erinnert sich an eine Sitzung, zu der der Stapi verspätet erschien. Tschäppäts Ausrede: Er habe seine Kinder in die Krippe bringen müssen. Allen Gemeinderäten war klar, dass er keine Kleinkinder mehr hat. Die Entschuldigung hätten eher Ursula Wyss, Reto Nause oder Alexandre Schmidt, die alle kleine Kinder haben, bringen können. «Tschäppät nahm uns so den Wind aus den Segeln und sorgte für Lacher», so der FDP-Politiker.

Alexander Tschäppät müsse sich bewusst sein, dass er auch bei seinem Hobby als Stadtpräsident wahrgenommen werde, sagt Franziska Teuscher (GB). Schliesslich sei es aber jedem Gemeinderat freigestellt, was er in seiner Freizeit mache. Einen guten Auftritt als Comedian traue sie ihm zu. «Er hat sicher humoristische Fähigkeiten. Angespannte Situationen in den Gemeinderatssitzungen lockert er oft mit einem gelungenen Spruch auf.»

Video am Freitag online

Vor wichtigen Auftritten habe er schlaflose Nächte, verrät Tschäppät in der aktuellen «Schweizer Illustrierten». «Die Vorstellung, dass ich auf der Bühne stehe und keiner lacht, treibt mir den Angstschweiss auf die Stirn.» Ob er nach seiner politischen Karriere mit dem Kabarett weitermacht, lässt er noch offen. Und falls Leute nach seinem Auftritt mit Tomaten werfen? «Dann gibts bei uns am nächsten Tag Spaghetti bolognese.»

Noch hat es ein paar wenige Tickets in der günstigsten Kategorie für den «Comedy Club 13» vom Donnerstag mit dem Stapi. Wer seinen Auftritt verpasst, hat die Möglichkeit, das Comedyprogramm am Freitagvormittag auf daszelt.bernerzeitung.ch zu schauen.

Berner Zeitung

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