Tschäppät, der Komiker

Am Donnerstagabend ist der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät als Komiker in «Das Zelt» aufgetreten. Anfangs war seine Nervosität deutlich spürbar. Doch nach etlichen Lachern stand er entspannt auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Alexander Tschäppät bei seine Auftritt im «Das Zelt» am Donnerstag. Quelle: Bernerzeitung.ch

Sandra Rutschi

Alles, was Alexander Tschäppät im Vorfeld über seinen Auftritt als Komiker im «Das Zelt» verriet, war der erste Satz seines Programms: «Auch Blocher war am Anfang nur das Ende einer Nabelschnur.» Und nun, als er mit einer Gitarre in der Hand zum Song «Hier kommt Alex» von den Toten Hosen auf die Bühne tritt, rutscht ihm dieser Satz etwas gar schnell über die Lippen. Er stoppt sofort, die Berner seien ja etwas langsam. Er wiederholt den Satz. Langsamer.

All die Journalisten im Raum würden ja nur darauf warten, dass er hier so richtig auf «den Schnauz» falle, sagt Tschäppät und ergänzt: «Das kann man sich ja aber auch leisten, wenn man nicht wiedergewählt werden muss.» Und erntet damit nach gefühlten zehn Sekunden auf der Bühne den ersten Lacher.

Einige Gäste sind am Donnerstagabend offensichtlich wegen Tschäppät ins Zelt gekommen. Seine Gemeinderatskollegin und Parteigenossin Ursula Wyss flaniert durchs Zelt, und auch Ex-Gemeinderätin Barbara Hayoz (FDP) sitzt im Publikum. Andere sind anfangs eher negativ überrascht vom Auftritt des Stadtpräsidenten. «Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen. Ich mag den nicht», beschwert sich eine skeptische Zuschauerin bei ihrem Begleiter.

Die Aufwärmphase

Die ersten paar Minuten braucht Tschäppät, um warm zu werden. Er versteckt sich ein bisschen hinter dem Stehpult am Bühnenrand. Man glaubt ihm sofort, dass er vor seinem Auftritt schlaflose Nächte hatte. Doch der Stadtpräsident zieht sein Programm durch. Er erinnert sich auf der Bühne an seinen kontrovers diskutierten Auftritt nach einem YB-Sieg im Jahr 2010, als er singenderweise SVP-Politiker diffamierte. Fast ist man froh, dass er die Gitarre wieder beiseite legt, ohne ein Lied anzustimmen.

Tschäppät bleibt bei der Politik und liest einen fiktiven SMS-Dialog zwischen Bundesrat Ueli Maurer und Bundeskanzlerin Angela Merkel: Maurer droht Merkel mit Krieg, Merkel geht auf die Drohung ein und erwähnt die vielen Soldaten der Deutschen. Maurer erwidert daraufhin, dass er in dem Fall keinen Krieg führen könne, weil es in der Schweiz zu wenig Betten für all die Kriegsgefangenen hätte. Ein weiterer Lacher.

«Okay, der war gut», sagt die skeptische Zuschauerin zu ihrem Begleiter. Sie klatscht zaghaft mit. Das Zelt ist an diesem Abend fast ausverkauft. Nebst Tschäppät treten das Komikerduo Lapsus sowie die Komiker Helga Schneider, Rob Spence und Karim Slama auf. An die Performance der Profis kommt Tschäppät zwar nicht ran. Doch er macht sich gut, der Stadtpräsident. Und wird immer lockerer.

Der Showman

Es dauert nicht lange, da steht Tschäppät nicht mehr hinter dem Stehpult am Bühnenrand, sondern mitten auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Er erzählt in roter Krawatte vom Abhörskandal der Amerikaner und dass die Schweizer etwas Ähnliches ja schon vor Jahrzehnten mit dem Fichenskandal fertig gebracht hätten. Wer hats also erfunden?

Er nimmt die Fernsehshow «Der Bachelor» auf die Schippe, in der viele Frauen um einen Mann kämpfen. Er stellt der Sendung eine Unfallmeldung aus seiner Zeit als Gerichtspräsident gegenüber: Damals habe ein Hahn auf der Strecke zwischen den Dörfern Liebewil und Herzwil zuerst einen Velofahrer zu Fall gebracht und sei dann «in der Hühnermenge untergetaucht.» Das Bild des Bachelors, umringt von zig Frauen, ziert dabei den Bühnenhintergrund. Und wieder hat Tschäppät einen Lacher.

Die skeptische Zuschauerin lacht nun immer wieder laut mit. «Okay, er macht seine Sache gut,» sagt sie zu ihrem Begleiter, als Tschäppät eine der Nebenwirkungen von Aspirin aufzählt: Kopfschmerzen. Und als der Stadtpräsident schliesslich eher ungern von der Bühne tritt, fliegt ihm aus dem Publikum eine Rose entgegen. Bei Tomaten hätte es am nächsten Tag bei Tschäppät Spaghetti Bolognese gegeben, hat er im Vorfeld des Auftritts gesagt. Wer weiss, vielleicht macht ihn die Rose nun zum nächsten Bachelor?

Berner Zeitung

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