Trügerische Ruhe um das Tierheim

Bern

Nach der Abstimmung vom 4. März sollte im Bremgartenwald der Bau eines Tierheims möglich sein. Selbst die ein­zige Partei, die das Geschäft im Parlament abgelehnt hat, beschloss Stimmfreigabe.

Hund sucht Heim: Der Berner Tierschutz möchte in der Eymatt ein Tierheim bauen. Am 4. März könnte das Projekt die nächste Hürde nehmen.<p class='credit'>(Bild: iStock)</p>

Hund sucht Heim: Der Berner Tierschutz möchte in der Eymatt ein Tierheim bauen. Am 4. März könnte das Projekt die nächste Hürde nehmen.

(Bild: iStock)

Christoph Hämmann

Täglich berichten Medien über die kantonale Tramvorlage, über No Billag, über die Wahlen im Kanton Bern, die drei Wochen nach dem Abstimmungstermin stattfinden. Aber Tierheim Eymatt? Die städtische Abstimmung vom 4. März über die Überbauungsordnung Wohlenstrasse Eymatt lockt keinen Hund hinter dem Ofen hervor.

Am Ende einer Odyssee des Berner Tierschutzes, der seit über zwanzig Jahren ein neues Tierheim bauen und von Oberbottigen wegziehen möchte, herrscht anscheinend Konsens: Das geplante Heim im Bremgartenwald ist das richtige Projekt am richtigen Ort.

Vorprüfung positiv

Im Raum steht allerdings eine offene Frage: Ist es bald nach der Abstimmung und dem zu erwartenden Ja mit der Ruhe vorbei? Die Überbauungsordnung regelt die zonenrechtlichen Grund­lagen für den Bau des Tierheims.

Wird diese vom Volk abgesegnet, muss sie danach vom Amt für ­Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigt werden. Gleichzeitig wird das AGR in einem kombinierten Verfahren über die Einsprachen entscheiden, die gegen das Baugesuch eingegangen sind. In einer Vorprüfung hat es befunden, dass das Projekt genehmigungsfähig sei.

«Wir spüren sehr viel Unterstützung», sagt Daniel Wyssmann, Präsident der Baukommission des Berner Tierschutzes. Der Volksabstimmung und dem Entscheid des AGR sieht er zuversichtlich entgegen.

«Wir hoffen, dass die Einsprecher ihren Widerstand aufgeben werden.»Daniel WyssmannBerner Tierschutz

Und falls beide Entscheide zugunsten des Berner Tierschutzes ausfallen, spekuliert man beim Verein auf einen Effekt auf die Einsprecher. «Wir hoffen, dass die Einsprecherinnen und Einsprecher ihren Widerstand gegen das Projekt aufgeben werden.»

Projekt überarbeitet

Wie diese Zeitung vor einem Jahr berichtete, ist die grösste Sorge der Einsprecher das Hunde­gebell, das sie vom rund 700 Meter entfernten Heim auf der an­deren Seite des Wohlensees her befürchten.

Das Baugesuch sei ­diesbezüglich deutlich verbessert worden, argumentieren Stadt und Bauherrin: Hunde wären nur tagsüber und auf der Rückseite des Hauses draussen, es hätte Lärmschutzwände, und auch das Wirtschaftsgebäude funktionierte als Lärmschutzriegel.

Im Stadtrat war das Projekt mit Ausnahme vom Grünen Bündnis (GB) unbestritten. Dessen Hauptargumente gegen die Vorlage: Der Bremgartenwald sei ein Naherholungsgebiet, es drohe zusätzlicher Verkehr, ein anderer Standort müsse möglich sein.

Für die Volksabstimmung entschied sich das GB für Stimmfreigabe. Alle anderen Parteien liessen sich von den Argumenten überzeugen, die für das Projekt sprechen.

Der Standort sei «der wohl einzig mögliche im Grossraum von Bern», sagte Kommissionssprecher Patrik Wyss (GFL). Gemäss einem Gutachten habe das Tierheim keine wesentlichen Auswirkungen auf die Wildtiere im Bremgartenwald, zumal dieser schon heute intensiv genutzt werde.

Die Verkehrserschliessung sei besser als in Oberbottigen, wurde mehrfach betont. Und der Standort sei schon heute keine idyllische Lichtung: Das Gebäude, das bereits dort steht, wird zurzeit für Partys genutzt.

Berner Zeitung

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