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Trotz Hoch am Zibelemärit: Ungewisse Zukunft für Cabarets

Ab Januar dürfen in Cabarets nur noch Frauen aus der EU auftreten. Auch in Bern bangt die Branche.

Max Hufschmid, Betreiber des Cabarets an der Neuengasse, rechnet damit, «dass ab 2016 schweizweit sehr viele Cabarets werden schliessen müssen». Das Le Perroquet in Bern (im Bild) wurde bereits im Oktober geschlossen.
Max Hufschmid, Betreiber des Cabarets an der Neuengasse, rechnet damit, «dass ab 2016 schweizweit sehr viele Cabarets werden schliessen müssen». Das Le Perroquet in Bern (im Bild) wurde bereits im Oktober geschlossen.
Urs Baumann

Für Cabaretbetreiber Max Hufschmid ist der Montag wichtiger als Weihnachten, Silvester und Fasnacht zusammen. «Der Zibelemärit ist der umsatzstärkste Tag des Jahres», sagt der Mann, der seit 34 Jahren in Bern an der Neuengasse das Cabaret Messy führt.

Weihnachten sei ein Familienfest, Silvester feiere man mit Freunden, und an der Fasnacht seien alle in der unteren Altstadt. Am Zibelemärit aber scheint manch Berner vorzugsweise ins Cabaret zu gehen. Für diejenigen, die nicht reinwollen, hat Hufschmid in der Gasse eine Champagnerbar aufgebaut.

Veränderungen stehen aber für die ganze Branche an. Ende Jahr wird das Cabaretstatut abgeschafft. Ab Januar dürfen Frauen aus Drittstaaten, zum Beispiel Russinnen oder Brasilianerinnen nicht mehr als Tänzerinnen in Cabarets arbeiten. Die Stripperinnen müssen neu aus der EU stammen.

Mit der Aufhebung des Tänzerinnenstatus beginnt für die Cabarets das Bangen um ihre Angestellten. «Frauen aus der EU oder dem Efta-Raum zu engagieren, wird schwierig sein», ist Hufschmid überzeugt. Vor allem wegen der Verdienstmöglichkeiten. Diese seien bei Bordellen, Escortservices oder Saunaclubs besser als bei Cabarets, wo eben kein Sexzwang bestehe.

Droht ein Cabaretsterben?

Hufschmid ist Kantonalpräsident des Verbands Schweizerischer Konzertlokale, Cabarets, Dancings und Diskotheken für Bern und Solothurn. Er rechnet damit, «dass ab 2016 schweizweit sehr viele Cabarets werden schliessen müssen». Viele würden wohl in eine Kontaktbar umgewandelt werden. Vergangenen Monat schloss in Bern Le Perroquet.

Betreiber Marcel Vaudan machte auch die Abschaffung des Statuts für seinen Konkurs verantwortlich. In Bern gibt es von ehemals acht nur noch zwei solche Lokale. Bis März hat er Tänzerinnen gebucht. Die EU-Staaten Bulgarien und Rumänien, aus denen die Stripperinnen nun hauptsächlich stammen werden, unterliegen noch Kontingentierungen bis zum 31.?Mai. Diese Kontingentierung sei nun im Kanton Bern gelockert worden, was kulant von den Behörden sei.

Unsicherheit in der Branche

Wie die Situation sein werde, wenn das Cabaretstatut ausser Kraft ist, sei derzeit noch völlig offen und schwer vorauszusagen, sagt Christa Ammann, Leiterin von Xenia, der Fachstelle für Sexarbeit im Kanton Bern. Bisher seien die Verträge klar, die Arbeitsbedingungen geregelt gewesen, «wenn es Probleme gab, konnten die Frauen mit einer Klage ihre Rechte geltend machen». In den Genuss dieser Sicherheiten seien auch Frauen gekommen, die aus Nicht-EU-Staaten stammten. Die Abschaffung des Statuts führe nun zu Unsicherheiten.

Für die EU-Frauen sei unklar, ob sie ab Januar noch Arbeitsverträge erhalten und zu welchen Arbeitsbedingungen sie angestellt sein werden. Und die Tänzerinnen aus Drittstaaten müssten spätestens am 5.?Januar die Schweiz verlassen und wollen nun ihre AHV-Beiträge rück­fordern.

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