Trotz Brand macht die Schreinerei weiter

Lanzenhäusern

In der Nacht auf Mittwoch ist die Schreinerei Rothen AG in Lanzenhäusern abgebrannt. Bereits sucht Chef Hansueli Rothen nach Möglichkeiten, die Kundenaufträge trotzdem zu erfüllen.

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Am Mittwochmorgen um fünf Uhr war das Feuer in der Schreinerei Rothen gelöscht. Aber wer von Lanzenhäusern her zum Weiler Höhlen kommt, sieht noch Rauch aufsteigen. Da, wo das Firmengebäude stand, ragt nur noch der Turm mit den Holzschnitzeln zum Himmel. Am Boden liegen rauchende, schwarze Balken, Splitter von Eternit und Kunststoff und unversehrte, eiserne Maschinenteile. Hansueli Rothen schaut auf die Reste der Schreinerei, die sein Grossvater 1948 als Sägerei gegründet hat.

Und jetzt dieses Feuer, das nach Mitternacht entflammte. Rothen vermutet: «Es muss an der Heizzentrale liegen.» Am Freitag, wenn die Brandstelle abgekühlt ist, werden Spezialisten des Dezernats Brände der Kantonspolizei die Ermittlungen aufnehmen.

«Mit vereinten Kräften»

Hansueli Rothen wohnt mit seiner Familie in Schwarzenburg. Das Betriebsgebäude in Höhlen steht nachts leer. In der Nacht auf Mittwoch ist der Geschäftsführer mit der Hiobsbotschaft «die Schreinerei brennt!», telefonisch geweckt worden. Ein Grossaufgebot der Feuerwehren von Schwarzenburg, Köniz und Rüschegg-Guggisberg war schon mit Löschen beschäftigt, als er eintraf.

Die rund 130 Feuerwehrleute gaben alles, obschon die Löscharbeiten sich alles andere als einfach erwiesen. Mit den grossen Holzmengen und in der Holzkonstruktion des Betriebsgebäudes fand das Feuer immer wieder neue Nahrung. «Wenigstens konnten das Lager und das leer stehende Häuschen daneben gerettet werden», sagt Rothen. Er zeigt auf das kleine Chalet: «Da werden wir jetzt das Büro einrichten und schauen, dass es sofort weitergeht.»

Trotz Brand gingen am Mittwoch einige der 13 Angestellten auf Montage, so wie es geplant war. Für die anderen hat sich Rothen bei Schreinereien in der weiteren Region nach Arbeitsplätzen erkundigt, damit die Kundenaufträge ausgeführt werden können. «Wir haben zum Glück viele Aufträge und wollen diese, wenn immer möglich, termingerecht ausführen.» Chef Rothen will seine Angestellten weiterhin beschäftigen und ist sicher: «Mit vereinten Kräften geht es weiter. Ich suche nun ein Mietobjekt, wo wir uns provisorisch einrichten können, und längerfristig werden wir am bisherigen Standort ein Betriebsgebäude bauen.»

Es geht weiter

Nebst der Produktion von Fenstern und Türen hat sich die Schreinerei Rothen AG auf grosse Holzverpackungen für den Export von Maschinenteilen spezialisiert. Ausgeführt werden auch Fräsarbeiten in Sperrholzplatten und – «das ist unsere Spezialität», sagt Hansueli Rothen lächelnd: «Die Schreinerei baut Nostalgieausrüstungen für historische Bahnen in aller Welt, wie etwa Holzbänke.»

«Auch die Holzböden der Lifte im Eiffelturm haben wir hergestellt» , sagt Rothen. Dann schaut er wieder auf die rauchenden Balken. Trotz Traurigkeit hat er keine Zeit verloren: Schon am Mittwoch hat Rothen Gespräche mit Kunden und Partnerschreinereien aufgenommen.

Diese Anstrengungen wurden sofort belohnt. Nebst der Nachricht, dass die Schreinerei abgebrannt sei, stand am Mittwoch um 14.30 Uhr auf Rothens Website: «Dank tatkräftiger Unterstützung können wir den Betrieb in unseren Partnerunternehmen. uneingeschränkt weiterführen und die Mitarbeitenden so zu 100 Prozent weiter einsetzen.» Diese Unterstützung macht der Familie Rothen Mut zum Weitermachen. Mit Sohn Christoph ist bereits die vierte Generation im Betrieb.

Berner Zeitung

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