Lyss

Trockenheit verdirbt den Lyssern das Dampflokfest

LyssDie Hitzewelle bringt das OK der Dampftage in Lyss ins Schwitzen. Weil die Dampf­lokis Brände auslösen ­könnten, dürfen sie am Fest nicht oder nur eingeschränkt ­fahren.

In Luzern statt in Lyss: Die Pacific 01 202 wird bei den Dampftagen nicht dabei sein.

In Luzern statt in Lyss: Die Pacific 01 202 wird bei den Dampftagen nicht dabei sein. Bild: Christian Pfander

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Seit 1 1/2 Jahren bereitet das OK der Lysser Dampftage den Event von diesem Wochenende vor. «Und seit 1 1/2 Wochen stellen wir das ganze Programm wieder auf den Kopf. Die Ereignisse überschlagen sich», sagt OK-Präsident Adrian Keusen. Grund für das Chaos sind die anhaltende Hitze und Trockenheit. Weil: Mit Kohle betriebene Dampflokomotiven sprühen Funken, diese können entlang der Bahngleise Brände auslösen.

Das Risiko ist bei dieser Wetterlage riesig – entsprechend mussten die Bähnler den Rückwärtsgang einlegen.«Die Dampftage finden statt, so viel ist klar», sagt Adrian Keusen. Jedoch mit Einschränkungen. Die grösste vorneweg: Die historische Dampflok Pacific 01 202 wird nicht am Fest in Lyss sein. Sondern im Verkehrshaus Luzern. Dort war sie die letzten Wochen eingestellt, weil ihr Depot in Lyss derzeit umfassend saniert wird.

Weil im Kanton Luzern totales Feuerverbot herrscht, darf die Pacific nun nicht zurück nach Lyss fahren. Nicht einmal dann, wenn sie mit einer Elektrolokomotive gezogen würde – diese Hiobsbotschaft haben die Luzerner den Lyssern am Donnerstag überbracht.

Herz und Funken fehlen

Das Wegbleiben der Pacific 01 202 ist für die Organisatoren ein grosser Wermutstropfen, fehlt doch mit der Lok quasi das Herzstück der Lysser Dampftage. Die über 80-jährige deutsche Lok hat weit über die Landesgrenzen hinaus viele Anhänger und ihren eigenen, international verankerten Verein. «Es ist wirklich sehr schade, dass wir ohne die Pacific fahren müssen», sagt Keusen.

Das OK hatte die Hoffnung, dass ein Transport mittels Elek­trolok erlaubt würde. Bei diesem sogenannten Schmierdampfverfahren wird die Dampflok von einer Elektrolok gezogen. «Da die Dampflok jedoch nicht leer laufen kann, sondern Dampf fürs Triebwerk benötigt, wird sie trotzdem eingefeuert», erklärt Keusen. Dies jedoch mit wesentlich weniger Feuer und Druck, sprich, es entsteht kein oder kaum Funkenwurf.

Die Berner dampfen

Den Luzernern war auch das minimierte Risiko zu gross. Und anderen Teilnehmern der Lysser Dampftage auch. So haben die Oensingen-Balsthal-Bahn und die Vapeur Val-de-Travers aus Neuenburg ihre Zubringerfahrten abgesagt.

«Wir konnten jedoch mit anderen Anbietern gute Ersatzlösungen finden und bieten den Besuchern trotz Einschränkungen ein schönes Programm», betont OK-Präsident Adrian Keusen.

So wird eine Öldampflok aus Brugg in Lyss in Betrieb sein, auch befinden sich zwei Dampflokomotiven des Vereins Dampfbahn Bern auf dem Festgelände beim Bahnhof.

Mit ihnen finden Führerstandfahrten statt, die Besucher können also in der Lok neben dem Lokführer stehen und sich im Bahnhof hin- und herbewegen. «Diese Manöver sind ungefährlich und dürfen wir nach Absprache mit der Feuerwehr durchführen», sagt Keusen.

Auch die Pendelfahrten nach Aarberg finden statt. Hier ist aber noch nicht klar, ob im Schmierdampfverfahren oder mit der Dampflokomotive. Keusen: «Das Wetter zwingt uns dazu, bis zum Schluss flexibel zu bleiben.»

Dampftage Fr, 10./Sa, 11. August, Programm unter www.dampftag.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 09:03 Uhr

Blick ins Oberland

Brandgefährliche Dampflokomotiven sind nicht nur in Lyss ein Thema. Auch der Betrieb der Brienz-Rothorn-Bahn (BRB) wird durch die anhaltende Trockenheit eingeschränkt. Von den insgesamt elf Dampflokomotiven aus drei Generationen kann die BRB seit acht Tagen nur die jüngsten mit Jahrgang 1992 einsetzen, da diese mit Heizöl fahren. Die historischen Lokis von 1892 respektive 1933 bleiben im Depot. «Ein Funkensprung könnte derzeit rasch zu einem Flächenbrand führen», begründet BRB-Direktor Simon Koller. Doch sei das Dampferlebnis auch mit den vier ölbetriebenen Lokomotiven garantiert, auch die Kapazität sei gewährleistet. «Wir fahren jetzt einfach ein bisschen fleissiger hin- und her», sagt Koller, der das Szenario bereits vom Hitzesommer 2003 her kennt. sl

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