Transformer in Holligen

Seit zwei Jahren ist das Kunstprojekt Transform im Holligenquartier aktiv. Die beteiligten Kunstschaffenden agierten dabei im öffentlichen Raum – und lösten vielleicht auch in den Köpfen etwas aus.

«Ein durchmischtes Publikum erreicht»: Julia Haenni am Europaplatz.

«Ein durchmischtes Publikum erreicht»: Julia Haenni am Europaplatz.

(Bild: Christian Pfander)

Wenn Kunst die Kulturhäuser verlässt und an ungewohnten ­Orten auftaucht, hat sie nicht immer einen leichten Stand. Trotzdem pflegt das Berner Kunstprojekt Transform den Gang in unbekannte Gefilde. Das Kernteam führt seit 2012 jährlich an verschiedenen Orten der Stadt Bern Kunstexperimente durch, zu denen es Künstlerinnen und Künstler quer durch alle Bereiche einlädt.

In den letzten zwei Jahren war die Transform-Gruppe im Quartier Holligen aktiv. «Anfangs war Holligen kulturelles Brachland», sagt die Theater­regisseurin Julia Haenni, die das Projekt zusammen mit Kurator Franz Krähenbühl leitet. «Es war aber klar, dass sich hier vieles verändern wird. Diesen Prozess wollten wir begleiten und herausfinden, was Kunst einem Quartier geben kann.»

2016 schickte Transform über 30 Künstlerinnen und Künstler ins Quartier und liess sie dort während je einer Woche frei arbeiten, zum Beispiel im Kiosk, im Quartier­büro, im Fitnessraum oder im Curry-Imbiss. Auch dieses Jahr zielte man auf den öffentlichen Raum. Transform liess 10 Kunstschaffende je ein Kunstprojekt für Holligen entwickeln.

Gleichzeitig baute man eine Quartierjury auf, die aus den zehn Projekten ihren Favoriten auswählen konnte. Die Jury entschied sich für «Die Säulenheiligen von Holligen» des Berner Autors Tom Kummer – dieser liess sein Publikum in den vergangenen Wochen die sakrale Kraft der Europaplatz-Säulen entdecken.

Neue Begegnungen

Am Samstag findet auf dem Europaplatz ein Abschlussfest der diesjährigen Transform-Ausgabe statt. Das Fest bietet auch Anlass, auf die gesamte Zeit zurückzublicken: Was haben die Kunstaktionen in Holligen bisher ausgelöst? Wurde man bemerkt, oder war es doch mehr ein Freundeskreis, der sich hier traf?

«Ein durchmischtes Publikum haben wir auf jeden Fall erreicht», sagt Julia Haenni (29). «Es sind sich Leute begegnet, die sich sonst vielleicht nicht begegnet wären.» Das gehe von kurzen Gesprächen nach Feierabend bis zu langfristigem und intensivem Austausch, etwa bei der Quartierjury.

«Wir haben ganz verschiedene Wege ausprobiert, Kunst und Öffentlichkeit zusammen­zubringen und die Leute im Quartier zu erreichen: Über Veranstaltungen und Feste, über die Geschäfte und Quartierinstitutionen, über eine Plakataktion und die Jury oder über persönliche Präsenz auf der Strasse», erzählt Haenni. Jetzt könne man anschauen, was besser und schlechter lief.

Fragt man Passanten an der Schlossstrasse, kennt kaum jemand das Projekt Transform. Darin sieht Haenni kein Problem: «Wir sind ja keine Schule, die den Leuten Kunst aufdrücken will. Wir wollten einfach ein Angebot machen und schauen, was zurückkommt.» Ausserdem lerne man hier, Publikumsdimensionen neu zu denken: «Wenn zehn Leute zu einer Führung kommen, sieht das nach wenig aus. Aber wenn sich nur zwei davon auf etwas ganz Neues einlassen, ist das sehr viel!»

Mit ihrer Begeisterung hat Julia Haenni Urs Emch vom Quartierverein Holligen-Fischermätteli angesteckt: «Ich war an mehreren Anlässen dabei und hatte den Eindruck, dass viele Leute Freude daran haben. Unser Quartier wird sich in den nächsten Jahren stark verändern – da sind wir froh um kulturelle Inputs.»

Etwas kritischer sieht es Asani Hisen, Wirt der Quartier-Bar As: «Die Transform-Leute haben hier bei mir viel Schönes organisiert, aber dadurch hat sich nichts verändert.»

Wie weiter?

«Ob und was Transform verändert, ist von aussen schwer fest­zustellen, weil es ja auch um neue Gedanken in den Köpfen geht», so Haenni. Das Projekt in Holligen sieht sie an einem Scheidepunkt: «Nun sind wir langsam ein Begriff im Quartier und könnten auf den Erfahrungen aufbauen. Vielleicht ist es aber gerade jetzt, wo wir die eine oder andere Idee oder Lust anstossen konnten, Zeit zu gehen und in einer anderen Ecke los­zulegen. Zum Beispiel das Galgenfeld würde mich reizen.»

Wie verschiedene Akteure das Transform-Projekt erlebten, wird am Samstag öffentlich diskutiert. Heute und morgen Abend finden zudem «Cultural Protocols» statt, bei denen neue Verhaltensformate für das Zusammenleben erprobt werden.

Programm am Europaplatz am Donnerstag und Freitag ab 19.30 Uhr. Samstag ab 17 Uhr Abschlussfest mit Musik, Food und Bar.

Berner Zeitung

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