Tram Region Bern: Hier werden die Ängste der Gegner wahr

Bern

Die Kulturlandschützer wollen kein Tram ins Grüne. Die Wendeschlaufe Siloah in Gümligen und die Überbauung Breitenacker in Kehrsatz zeigen, wieso.

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Stephan Künzi

Nicht einmal mehr die Leute des Forums Ostermundigen mochten sich gegen die Vorlage stemmen. Als das Parlament Anfang Mai über das Tram Region Bern befand, schlugen sie sich auf die Seite der Ja-Sager, denen nur gerade eine Nein-Stimme aus den Reihen der SVP gegenüberstand. Dabei hatte es in der Vereinigung der Ostermundiger Parteilosen vor zwei Jahren ganz anders getönt. Schuld war allem voran die Wendeschleife auf der Rüti: Sie sei nicht nur teuer, sondern werde dem Quartier auch Lärm bringen, kritisierte Präsident Michael Meierhans damals.

Studers Knackpunkte

Auch heute noch hält sich Meierhans zurück, wenn er über das Tram von Ostermundigen über Bern nach Köniz und Schliern redet. «Unsere Parlamentarier sind frei in ihrer Meinung», begründet er das Ja vom Mai. Um gleich anzufügen: Massgebend für die Haltung der Vereinigung sei erst die Parole, die die Mitgliederversammlung für den Urnengang im September fassen werde.

Meierhans tönt an, dass es unter seinen Leuten nach wie vor sehr kritische Stimmen gibt. Vor diesem Hintergrund bezeichnet am anderen Ende der Linie der Könizer Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) die Wendeschleifen offen als Knackpunkte. Immerhin sind auf Könizer Boden gleich zwei solcher Gleisanlagen geplant, und als vor zehn Tagen Parlamentarier aus den drei Gemeinden das Trassee besichtigten, war der Widerstand nicht zu übersehen. Kulturlandschützer hatten sich mit Transparenten an die Strecke gestellt und liessen die Politiker wissen: «Teures Tram ins Grüne – Nein».

Wachsender Baudruck

Die Demonstranten drückten so ihre Sorge aus, dass mit dem Tram der Baudruck auf den noch freien Landgürtel zwischen Köniz und Schliern wachsen wird (Kasten ganz rechts). Im Auge hatten sie auch die Wendeschleifen, von denen in der Sandwürfi und bei der Endstation Schliern gleich zwei Stück geplant sind. Sie werden mehr oder weniger im offenen Grün zu stehen kommen.

Am falschen Ort

Einen Eindruck davon, wie es dann aussehen wird, vermittelt zurzeit eine Baustelle beim Spital Siloah in Gümligen. Seit letztem Herbst wird hier auf freiem Feld an einer Schleife gebaut, die dereinst den Trams der Linie 6 von Bern nach Worb dienen wird. Für 3 Millionen Franken.

Bisher war die Schliefe nicht nötig, weil hier grossenteils noch immer die blauen Bähnli des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) unterwegs sind. Sie verfügen über zwei Führerstände und können flexibel nach Bern zurückfahren. Aktuell tun sie dies zu den Randzeiten in Gümligen, wenn nur jeder zweite Kurs nach Worb weiterfährt. Dank der Schleife ist ein vorzeitiges Wenden künftig auch mit den Trams von Bernmobil möglich.

Selbst die Planer gestehen heute ein, dass die Schleife eigentlich nicht beim Siloah, sondern eben in Gümligen zu stehen kommen sollte. Nur hat eine solche Anlage dort keinen Platz. Unvermittelt tut sich noch eine Parallele zum Tram Region Bern in Köniz auf: Auch hier wurde mehrfach darüber gestritten, ob die erste Wendeschleife statt in der Sandwürfi nicht schon im Liebefeld oder in Köniz Zentrum gebaut werden müsste. Die Antwort lautete immer: Es fehlt der Platz.

Zu teuer

Auf der Rüti in Ostermundigen sind die Verhältnisse ebenfalls eng. Das Forum brachte deshalb vor zwei Jahren die Idee auf, das Tram Region Bern für Fahrzeuge mit zwei Führerständen und dafür ohne Wendeschleife zu bauen. Die Planer winkten indes ab. Zu teuer sei solches Rollmaterial, zudem müssten beidseits Türen gebaut werden, was weniger Sitzplätze zur Folge habe.

Tatsächlich kostet ein Tram mit zwei Führerständen 10 bis 15 Prozent mehr. Das kann rasch 500000 Franken ausmachen. Allerdings gehen auch Wendeschleifen ins Geld. Das zeigt ein weiteres Stück von Tram Region Bern: Statt 45,3 Millionen Franken kostet die Verlängerung der Linie 9 nach Kleinwabern neuerdings 64 Millionen. Unter anderem wegen einer neuen Wendeschleife beim Sandrain – welcher Betrag genau auf ihr Konto geht, war gestern nicht zu erfahren.

Anders in Genf

Bislang hielten die Verantwortlichen bei Bernmobil nichts von Trams mit zwei Führerständen. Sie hatten in der Vergangenheit stets auf Fahrzeuge gesetzt, die nur auf einer Seite gesteuert werden können, und wollten keine Fremdkörper in ihrem Fuhrpark haben. Dass es auch anders geht, macht Genf vor. Dort kaufen die Verkehrsbetriebe seit Jahren nur noch Trams mit zwei Führerständen, weil der Platz für Wendeschleifen fehle.Stephan Künzi>

Berner Zeitung

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