Trainingsplätze: Keine Extrawurst für YB

Bern

Nach der harschen Kritik von YB zeigt sich die Stadt Bern gewillt, den Club bei der Suche nach Trainingsplätzen zu unterstützen. Eine exklusive Nutzung auf der Grossen Allmend komme aber nicht infrage, sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried.

Mehr Platz fürs Training: Das will YB. Die Stadt Bern will den Verein dabei unterstützen.

Mehr Platz fürs Training: Das will YB. Die Stadt Bern will den Verein dabei unterstützen.

(Bild: Keystone)

Christoph Hämmann

Wanja Greuel, seit letztem Herbst YB-CEO, wählte in seinem ersten Interview als Chef des zweitbesten Fussballclubs im Lande eine offensive Strategie. Die Trainingsplatzsituation der Young Boys sei «katastrophal», sagte er am Samstag in dieser ­Zeitung.

Da heisse es immer, Bern sei eine Sportstadt, «aber eine echte Lobby besitzt der Sport in der Berner Politik leider nicht». Deshalb trainierten die YB-Junioren «überall ein bisschen», Nachwuchsspieler verfügten fürs Training nur über Kunstrasen.

Für Greuel ist es «unverständlich, dass wir auf der Grossen Allmend gegenüber dem Stadion nicht endlich einen kleinen Teil für eigene Plätze bekommen». Obwohl es dort für alle – auch für Hündeler und Spaziergänger – «mehr als genügend Fläche» habe, müsse sich YB «die Plätze mit allen möglichen Sportarten teilen». YBs Forderung, so der forsche CEO: «Ein paar Plätze» exklusiv für die Young Boys.

Diese Forderung ist auch in der «Rasenstrategie der Stadt Bern» verankert, die der Gemeinderat im vergangenen November verabschiedet hat. Allerdings ist dort bloss von «ein bis zwei ‹eigenen› Feldern in unmittelbarer Nähe zum Stadion» die Rede, «welche der Club auf eigene Kosten erstellen und betreiben kann».

Zonenplan eben erst geändert

Die unterschiedliche Anzahl Plätze ist nicht der einzige Punkt, in der die Darstellung der Stadt und jene Greuels auseinanderklaffen: Wo dieser mehr als genug Platz sieht, gilt die Grosse Allmend offiziell als «übernutzt». Und vor allem steht in der Rasenstrategie über allem ein Grundsatz, der mit YBs Exklusivitäts­anspruch unvereinbar ist: «Sämtliche Sportrasenplätze sind für die Öffentlichkeit zugänglich.»

Die unterschiedliche Anzahl Plätze ist nicht der einzige Punkt, in der die Darstellung der Stadt und jene Greuels auseinanderklaffen.

Doch trotz dieser Widersprüche – und trotz des harten Einsteigens des YB-CEO – zeigt sich die Stadt offen, den Club bei der Lösung seines Platzproblems zu unterstützen. «Das ist aber nicht ganz einfach», sagt Christian Bigler, der Leiter des Sportamts. Einer der Hauptgründe steht ebenfalls in der Rasenstrategie: Auf einer der Allmenden Trainingsfelder mit Beleuchtung und Ballfängen bauen zu können, dazu braucht es vorgängig eine Zonenplanänderung.

Pikant ist, dass eine solche für die Kleine und Grosse Allmend vom Berner Stimmvolk vor gerade mal fünf Jahren genehmigt wurde. Die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen nun bereits wieder zu ändern, wäre unüblich – und dauerte schnell wieder fünf oder mehr Jahre.

Obwohl bei der Zonenplanänderung von 2012 weniger YB als vielmehr der allgemeine Sport­rasenmangel in der Stadt im ­Fokus stand, profitiert auch YB davon: Auf den zwei Kunstrasenplätzen, die danach auf der Grossen Allmend gebaut werden konnten, trainieren auch Nachwuchsteams der Young Boys.

Laut Sportamtsleiter Bigler gehen nun nur noch die jüngsten YB-Nachwuchsspieler ausserhalb vom Stade de Suisse, Leichtathletikstadion Wankdorf oder von der Grossen Allmend – nämlich auf dem Neufeld in der Länggasse – ins Training. «Weil auch die Sportklassen in der Länggasse geführt werden, ist das sogar sinnvoll», so Bigler.

«Die Stadt versucht, die Bedürfnisse des Breitensports für eine maximale Anzahl Personen zu befriedigen – im Bereich Spitzensport stossen wir in diesem Raum aber an Grenzen.»Alec von Graffenried

Noch nicht realisiert sind zwei neue Naturrasenfelder auf der Kleinen Allmend, obwohl auch sie seit der Abstimmung von 2012 grundsätzlich gebaut werden könnten. Ob bei ihnen Licht- und weitere technische Anlagen bewilligungsfähig wären, ist allerdings fraglich – anders als bei der Grossen Allmend, die von grossen Verkehrsachsen beziehungsweise dem Bernexpo-Gelände gesäumt ist, grenzt die Kleine Allmend unmittelbar an ein Wohnquartier.

Dennoch heisst es in der Rasenstrategie, dass «das Erstellen von zwei Trainingsfeldern für YB auf der Kleinen Allmend anstelle der geplanten städtischen Felder als Option in Betracht gezogen werden sollte».

«Nicht auf die Grosse Allmend versteifen»

Keine Option dürfte dagegen die Grosse Allmend sein. Der Druck der verschiedenen Nutzungs­ansprüche auf das Gelände sei «enorm hoch», sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). «Die Stadt versucht, die Bedürfnisse des Breitensports für eine maximale Anzahl Personen zu befriedigen – im Bereich Spitzensport stossen wir in diesem Raum aber an Grenzen.»

Auch wenn der Gemeinderat würdige, dass auch YB einen wichtigen Beitrag zum Breitensport leiste, steht für von Graffenried deshalb fest: «Auf der Grossen Allmend hat es nicht genug Platz dazu, exklusiv für YB Naturrasenfelder auszuscheiden.» Angesichts anderer Diskussionen um Freiräume – auch die Allmenden betreffend – sei er «überzeugt, dass das Quartier und die Stadtpolitik diese Haltung klar teilen», sagt von Graffenried.

Ebenso überzeugt ist der Stapi, dass Stadt und YB die Platzprobleme des Fussballclubs gemeinsam lösen können – «sobald man den Perimeter öffnet und sich nicht auf die Grosse Allmend versteift». Er sei gerne bereit, mit YB zu reden und eine Auslegeordnung vorzunehmen.

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