Zum Hauptinhalt springen

Tötungsdelikt im Steinhölzli: Obergericht senkt Strafe

Das Tötungsdelikt Steinhölzli beschäftigt die Justiz auch nach fast sieben Jahren. Ein Türke, der einen Landsmann erschossen hatte, muss für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Nach dem Prozess am Obergericht wurden zwei Personen der Opferfamilie von der Polizei abgeführt.
Nach dem Prozess am Obergericht wurden zwei Personen der Opferfamilie von der Polizei abgeführt.
TeleBärn
Bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen wurde am 26. Dezember 2011 in Köniz ein 39-jähriger Mann erschossen.
Bei einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen wurde am 26. Dezember 2011 in Köniz ein 39-jähriger Mann erschossen.
Andreas Blatter
Eine Person war noch vor dem Eintreffen der Polizei durch Bekannte in ein Spital gebracht worden. Dort wurde schliesslich der Tod des 39-jährigen Mannes festgestellt.
Eine Person war noch vor dem Eintreffen der Polizei durch Bekannte in ein Spital gebracht worden. Dort wurde schliesslich der Tod des 39-jährigen Mannes festgestellt.
Andreas Blatter
1 / 7

Ein Türke, der 2011 in Köniz bei Bern einen Landsmann und Geschäftskonkurrenten erschoss, ist zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Obergericht erklärte ihn am Mittwoch der vorsätzlichen Tötung in Notwehrexzess schuldig. In einem ersten Anlauf hatte das Obergericht den 39-Jährigen Mitte September 2016 deswegen zu einer achtjährigen Strafe verurteilt.

Auf Geheiss des Bundesgerichts mussten die Berner Richter den Fall aber neu beurteilen. Das höchste Gericht hatte darauf gepocht, dass der Beschuldigte auch von der zweiten Instanz befragt werde. Das Regionalgericht Bern-Mittelland hatte den Beschuldigten 2015 noch zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und sieben Monaten verurteilt.

Erbitterte Konkurrenten

Der Fall dreht sich um zwei Türken, die Kontrahenten im gleichen Metier waren. Am 26. Dezember 2011 eskalierte der Streit bei der Bushaltestelle Steinhölzli im Liebefeld. Der Beschuldigte gab im Kampf mit seinem Kontrahenten zwei Schüsse aus kurzer Distanz ab, einer davon traf das Opfer tödlich im Brustkorb.

Laut Verteidiger David Gibor handelte der Beschuldigte in Notwehr, «jedenfalls in entschuldbarem Notwehrexzess». Der Mann sei vom späteren Opfer und seinen Leuten angegriffen worden. Sie hätten ihn unter anderem mit Baseballschlägern traktiert. Er habe um sein Leben gefürchtet und sich deshalb wehren dürfen, argumentierte der Verteidiger. Er sei daher freizusprechen.

Fehlender Warnschuss

Das Obergericht kam hingegen zum Schluss, dass der Mann in nicht voll entschuldbarem Notwehrexzess gehandelt habe. Er hätte angemessen gehandelt, wenn er zuerst einen Warnschuss abgegeben hätte. Allerdings habe er nicht derart unangemessen gehandelt, wie es das Obergericht noch im ersten Anlauf festgestellt habe. Deshalb wurde die Strafe – gegen den Willen der Staatsanwaltschaft – gesenkt.

Aufgrund der Aussagen der Beteiligten sowie von Zeugen konnte der genaue Ablauf der Auseinandersetzung nicht rekonstruiert werden. Auch zwei ballistische Gutachten liessen mehrere Möglichkeiten offen, in welcher Position der Schütze abgedrückt hatte.

Weiterzug offen

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Gibor zeigte sich gegenüber Keystone-SDA grundsätzlich mit der Reduktion der Strafe zufrieden. Er liess offen, ob er das Urteil ans Bundesgericht weiterzieht. Auch die Staatsanwältin kann in Lausanne eine Beschwerde einreichen.

Absitzen muss der Beschuldigte laut Obergericht noch vier Jahre und drei Monate, denn ein Jahr sass er bereits in Untersuchungshaft. Bis er die Strafe antritt, muss er sich alle zwei Wochen auf einem Polizeiposten in Bern melden und darf die Schweiz nicht verlassen. Dazu kommen weitere Auflagen wie Kontaktverbote und das Hinterlegen einer Sicherheitsleistung.

Unmut bei Opferfamilie

Der Bruder des Opfers hatte letzte Woche vor Gericht Unverständnis darüber geäussert, dass der Beschuldigte sieben Jahre nach der Tat noch immer frei herumlaufe. Er verstehe das ganze Rechtssystem nicht und habe auch kein Vertrauen mehr zu den Anwälten.

Der Prozess am Obergericht fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem sich Angehörige der beiden Männer nach dem ersten Prozess vor dem Obergericht in die Haare geraten waren. Nach der gestrigen Urteilsverkündung blieb es im Gerichtsaal ruhig, obwohl Angehörige beider Familien anwesend waren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch