Tipps für sicheren Aareschwumm

Bern

Die wenigsten wissen, wie man sich in der Aare sicher verhält. Der Verein Stadtwellen bietet deshalb in Bern einen Schwimmkurs für Einheimische an.

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Neben dem Engehalde-Stauwehr in Bern stehen zwei weisse Zelte. Nach und nach stossen Männer und Frauen dazu, die sich in Neoprenanzüge zwängen. Es ist Samstagnachmittag, und der erste Kurs «Sicheres Aareschwimmen» kann stattfinden – endlich! «Die beiden vorher geplanten Kurse mussten wir wegen Ge­wittern leider absagen», erklärt Raphael Pfister vom Verein Junior Chamber International Bern (JCI).

Dahinter stehen junge Führungskräfte und Unternehmer, die den Aareschwimmkurs ins Leben gerufen haben. Stadtwellen nennt sich der dafür entstandene Verein. Im Gegensatz zum kürzeren Kurs «Urban Swimming» für Touristen richtet sich dieser Kurs nur an Leute, die in Bern leben und arbeiten.

«Gewaltige Kräfte»

Viele hätten Respekt vor der Aa­re, weil sie mit ihr zu wenig vertraut seien, erklärt Pfister. Mit dem Kurs will Stadtwellen zeigen, wie Schwimmerinnen und Schwimmer unnötige Risiken vermeiden können und so der Aareschwumm zu einem vergnüglichen Erlebnis wird.

32 Männer und Frauen sind am Samstag genau deshalb hier. Unter einem Sonnenschirm sagt eine Teil­nehmerin: «Bislang habe ich mich noch nie in die Aare getraut.» Sie sei nicht in Bern auf­gewachsen und habe deshalb einen anderen Bezug zum Berner Volkssport Nummer eins.

Nun beginnt Bernhard Fleuti, einer der vier Rettungsschwimmer, zu erklären, was bei der ak­tuellen Wassersituation zu be­achten sei. Seit bald dreissig ­Jahren ist er ehrenamtlicher Kursleiter und dadurch oft in Gewässern anzutreffen. Im Hintergrund tost derweil die Aare, weil mehrere Schleusen des Stauwehrs offen sind.

«Im Moment strömen etwa 160 Kubikmeter Wasser pro Sekunde vorbei», sagt der Rettungsschwimmer. «Diese Wassermengen können gewaltige Kräfte entwickeln.» Daher mussten die Teilnehmenden bestätigen, dass sie geübte Schwimmer sind.

Flach im Wasser liegen

Nach der Einführung freuen sich alle auf den Sprung ins kühle Nass. Wobei sich die Abkühlung in Grenzen hält. Just zu diesem Zeitpunkt bricht die Aare mit 23,71 Grad ihren Temperatur­rekord. Fleuti sucht einen geeigneten Einstiegsort und weist an: «Zuerst den Kopf und die Arme benässen und dann gegen die Strömung in die Flussmitte schwimmen.»

So komme man in die Strömung hinein und könne diese besser nutzen. Zudem sei wichtig, dass man flach im Wasser liege. So stosse man mit den Beinen an ­weniger Hindernisse. Ein weiterer Tipp: In unbekannten Strömungen mit den Füssen voran schwimmen, sodass man sich von Hindernissen abstossen kann.

Nachdem die Teilnehmenden in die Flussmitte geschwommen sind, lassen sie sich entspannt auf dem Wasser treiben. «Das ist also das Aare-Feeling», schwärmt ein Teilnehmer.

Eine Minute pro Grad

Nach einer Weile zeigt Fleuti an, dass alle ans Ufer schwimmen sollen. «Wir halten am inneren Rand der Kurve, weil hier die Strömung schwächer ist», sagt der Rettungsschwimmer. Wieder an Land, folgen weitere Tipps des Schwimmprofis. Er empfiehlt, nie allein unterwegs zu sein und die Strecke vorher zu besichtigen. Zudem solle man die Wasserfarbe beachten. Bei trübem Wasser sehe man Hindernisse schlecht und bleibe besser an Land.

Als Nächstes macht die Gruppe an verschiedenen Stellen halt, um die dortigen Besonderheiten kennen zu lernen. So ragen beispielsweise an einer Stelle viele Äste ins Wasser. «Nicht daran festhalten», rät der Profi. Mit der jetzigen Strömung würde viel Gewicht an einem ziehen, und das könne wehtun.

Später frösteln ­einige Schwimmende trotz den mühsam angezogen Neoprenanzügen. «Eine Minute Schwimmdauer pro Grad ist unsere grobe Regel», so Fleuti. Deswegen seien auch bei 23 Grad Anzüge für längeres Schwimmen wichtig.

Wirbel und Widerwasser

Bei der Tiefenaubrücke warten mehrere Herausforderungen: Wellen, Wirbel und Widerwasser. Freiwillig können sich die Teilnehmenden diesen stellen. «Falls ihr in einen Strudel kommt, einfach ruhig bleiben», meint Fleuti. Man sei nur wenige Sekunden unter Wasser, dann spüle es einen wieder nach oben.

Doch niemand in der Gruppe macht Bekanntschaft damit. Sie schwimmen in der Mitte zwischen den Brückenpfeilern durch und lassen sich dann seitlich mit dem Widerwasser flussaufwärts treiben. «Das war sehr toll», meint eine Teilnehmerin strahlend, als sie aus den Wellen kommt.

Nächsten Samstag findet der Kurs schon zum letzten Mal statt. Einige Plätze sind noch frei. In Bern werde das Angebot bei bleibender Nachfrage und genügend Ressourcen von Stadtwellen weitergeführt, meint Raphael Pfister vom JCI.

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