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Tierische Massage

Tiere im Zoo Johns kleine Farm in Kallnach haben Streichel­einheiten besonderer Art erhalten: Teilnehmerinnen eines Kurses der Berührungstherapie Tellington TTouch massierten ­Kamel, Esel und Co.

Laura Fehlmann
Linda Tellingtons leichte Berührung mit dem Handrücken soll beim Kamel Osinka Vertrauen wecken.
Linda Tellingtons leichte Berührung mit dem Handrücken soll beim Kamel Osinka Vertrauen wecken.
Raphael Moser

Endlich kann sich das Kamel Osinka entspannen. Nachdem es aufgeregt am Halfter herumgekaut und den Kopf geschüttelt hat, lässt es sich Linda Tellington-Jones’ Berührungen gerne gefallen. Während die 80-jährige Begründerin der Tellington-TTouch-Methode kleine Eineinviertelkreise auf den wolligen Bauch krault, schliesst das Kamel die Augen, öffnet sie wieder, um sie zu verdrehen und wieder zu schliessen.

Linda Tellington geht zu den Ohren über, massiert sie ebenfalls mit kreisrunden Bewegungen, bis Osinka wieder den Kopf schüttelt. Instruktorin Lisa Leicht erklärt: «Forschungen zeigen, dass die sanfte Berührung der Ohren die Produktion von Glückshormonen fördert.» Das leuchtet ein: Osinkas Gesichtsausdruck deutet ein Lächeln an, sie hat aber offenbar genug Streicheleinheiten erhalten.

In Johns kleiner Farm in Kallnach trafen sich Tellington-TTouch-Instruktoren aus ganz Europa für ihren Ausbildungskurs mit Linda Tellington und Lisa Leicht.

21 Bücher geschrieben

Geduldig zeigt Linda Tellington den Kursteilnehmerinnen verschiedene Griffe an den vierbeinigen Zoobewohnern: etwa den kräftigen Tiger-Touch, mit dem man dem Tier in die Wolle greift, den Waschbären-Touch, bei dem sanft mit den Fingerspitzen Druck gemacht wird, oder eben die Ohrenmassage.

1945 hat die gebürtige Kanadierin mit dieser Berührungsmethode angefangen. 1996 startete sie den ersten Ausbildungsgang. Bis heute entwickelt Linda Tellington die weltweit praktizierte Methode weiter (siehe Kasten). Trotz ihrer 80 Jahre denkt sie nicht ans Aufhören.

«Ich hoffe, dass ich noch 15 Jahre arbeiten kann», sagt sie. 21 Bücher hat sie geschrieben, in jedem geht es über das Vertiefen der Beziehung zwischen Mensch und Tier, ihr grosses Anliegen. Linda Tellington ist aber nicht Vegetarierin. Sie esse Fleisch, sagt sie, aber immer weniger und nicht ohne ein schlechtes Gewissen, weil viele Tiere schlecht gehalten werden. «Lange Zeit haben Tiere den Menschen das Überleben gesichert. Heute helfen sie uns, menschlicher zu sein.»

«Lange Zeit haben Tiere den Menschen das Überleben gesichert. Heute helfen sie uns, menschlicher zu sein.»

Linda Tellington-Jones

Fuchs, Dachs, Esel

Der kleine Kallnacher Zoo begeistert Linda Tellington. «Orte wie dieser sind in unserem Sinn: Sie helfen, Tiere mit neuen Augen zu sehen, nicht als Sache.»

Zusammen mit Zoo-Geschäftsführer John David Bauder und einigen Kursteilnehmerinnen betritt Linda Tellington das Fuchsgehege, in dem ein Dachs und eine Gruppe Füchse herumwuseln. Die Tiere wurden von Bauder zwar von Hand aufgezogen, lassen sich aber nur ungern berühren. Wenn überhaupt, suchen sie kurz Körperkontakt mit den Menschen, springen hoch oder schnuppern an den Schuhen der Besucher. Einfacher ist es mit der Eselin Raffi und ihrem Sohn Maximilian II.

Die Weissen Österreichisch-Ungarischen Barockesel lassen sich nur zu gerne berühren. Eine Frau massiert zuerst die langen Ohren, dann das Rückgrat mit kleinen, kreisenden Bewegungen. Dabei registriert sie Maximilians Reaktionen genau: Stellt er die Ohren auf, ist ­alles gut, zucken sie oder legt er sie gar nach hinten, deute das auf Verspannungen oder gar Schmerz hin, sagt die Kursteilnehmerin.

Wenig anfangen mit Streicheleinheiten können die beiden Minipigs Rösi und Anni. Sie grunzen drohend, wenn sie jemand berühren will. Dagegen sucht die Hawaii-Gans Lulu die Nähe der Menschen und nähert sich mit ihrem orangen Schnabel. «Das natürliche Verhalten und die Bedürfnisse muss man akzeptieren», erklärt Linda Tellington. Deshalb verhält sie sich gegenüber Tieren lieber zurückhaltend und wartet ab, ob eine Berührung erwünscht ist. Tiere zeigen sehr deutlich, wenn es dann mal genug ist. Beispielsweise haben sich die Kamele Osinka und Leetjou in ihren Unterstand zurückgezogen.

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