Thun könnte den Cup forfait gewinnen

Basler Fans machen mit ihrem Ticketboykott Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause das Leben schwer. Im schlimmsten Fall kann die Stadt die Bewilligung verweigern.

Konflikte sind programmiert: Basler Ultras wollen mit eigenen Tickets ins Stade de Suisse.

Konflikte sind programmiert: Basler Ultras wollen mit eigenen Tickets ins Stade de Suisse.

(Bild: Nicola Pitaro)

Michael Bucher@MichuBucher

In rund drei Wochen steigt im Stade de Suisse der Cupfinal des Schweizer Fussballs. Bereits jetzt zeichnet sich für die Stadt Bern grosses Krawallpotenzial ab. Der Grund ist eine Protestaktion der Muttenzerkurve des FC Basel gegen die in ihren Augen überteuerten Tickets fürs Spiel. Die Fangruppe will für den Cupfinal gegen den FC Thun eigene, vergünstigte Billette im Retrolook drucken und verkaufen.

Die Einnahmen aus diesen Fantasietickets wollen sie am Matchtag vor dem Stadion dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) übergeben, wie die Anhänger aus der Muttenzerkurve auf ihrer Webseite schreiben. Dadurch erhoffen sie sich Einlass ins Stadion. Dies dürfte ein frommer Wunsch bleiben.

Kombiticket als Zankapfel

Doch was passiert, wenn frustrierten Basler Ultras der Einlass ins Stade de Suisse verwehrt bleibt? «In einem solchen Fall wären Konflikte programmiert», sagt Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Die derzeitige Ausgangslage für das Spiel am 19. Mai wertet er als «denkbar schlecht» und fügt an: «So etwas hat es an einem Cupfinal noch nie gegeben.» Er hofft auf ein Einlenken der Fankurve.

«Ich verstehe die Aufregung nicht, wir haben die gleichen Rahmenbedingungen wie beim Cupfinal vor einem Jahr», so Nause. Auch damals sei die Fahrt mit dem Extrazug im Ticketpreis integriert worden. Die Fankurven befürchten, dass damit in der Liga schleichend das obligatorische Kombiticket eingeführt wird. Dass also die Auswärtsfans nur noch ans Spiel gelangen, wenn sie mit den vorgeschriebenen Verkehrsmitteln anreisen.

Forfait bei Spielabsage

In diversen Medien wurde am Mittwoch die Tatsache, dass die Stadt Bern für den Cupfinal noch keine Bewilligung erteilt hat, als wenig verheissungsvolles Zeichen gewertet. Doch ist dies nichts Ungewöhnliches. Auch letztes Jahr und 2014 wurde die formale Bewilligung erst rund zehn Tage vor dem Spiel durch die Stadt Bern erteilt. Und selbst wenn die Bewilligung schon vor Monaten ausgesprochen worden wäre, könnte sie die Stadt problemlos wieder entziehen.

Sollten die Basler Ultras jedoch an ihrer Ticketaktion festhalten, kann die Stadt Bern wegen Sicherheitsbedenken die Bewilligung verweigern. Das könnte bedeuten, dass der Cupfinal nicht stattfindet und mit Forfait gewertet wird. So sieht es jedenfalls das Wettspielreglement des SFV vor.

Unter Artikel 61 steht dort weiter, dass die Forfaitniederlage «zuungunsten des fehlbaren Teams bzw. Klubs» ausfallen würde. Im vorliegenden Fall dürfte klar sein, dass dies den FC Basel treffen würde. Denn von den Thuner Fans ist keine vergleichbare Störaktion bekannt.

Reto Nause will sich nicht gross mit solchen Spekulationen befassen. Es würden derzeit Gespräche zwischen Verband, Clubs, Fankurve, Kantonspolizei und der Stadt Bern geführt. «Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden», sagt er.

Berner Zeitung

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