Ex-Thorberg-Pfarrer vor Zürcher Bezirksgericht

Weil sie der Polizei Informationen über einen Häftling preisgegeben haben sollen, stehen zwei frühere Seelsorger der Strafanstalt Thorberg vor Gericht.

Hat das Pfarrer-Ehepaar das Amtsgeheimnis verletzt? Diese Frage hat das Gericht zu klären.

Hat das Pfarrer-Ehepaar das Amtsgeheimnis verletzt? Diese Frage hat das Gericht zu klären. Bild: Beat Mathys

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Zwei Seelsorger vor Gericht: Das ehemalige Pfarrer-Ehepaar der Berner Strafanstalt Thorberg muss sich heute Mittwoch vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Die beiden 79-Jährigen sollen der Polizei vertrauliche Informationen über einen Häftling herausgegeben haben.

Im Mai 2017 verbreitete die Zürcher Kantonspolizei eine Fahndungsmeldung: Gesucht wurde ein 54-jähriger Mann, der im zürcherischen Dietikon eine Frau in ihrer eigenen Wohnung überfallen, gefesselt und ausgeraubt hatte.

Die Polizei veröffentlichte ein Bild des damals bereits vorbestraften Mannes und warnte die Öffentlichkeit davor, ihn anzusprechen. Er sei wahrscheinlich bewaffnet und gefährlich.

Psychiatrische Diagnose verraten

Um mehr über den Verbrecher zu erfahren, nahm die Kantonspolizei Zürich kurz nach dem Fahndungsaufruf Kontakt zum Pfarrer-Ehepaar auf. Dieses kannte den Gesuchten gut, weil es ihn während seiner mehrjährigen Freiheitsstrafe im Thorberg und auch danach betreut hatte.

Gemäss Anklageschrift sollen die beiden 79-Jährigen der Zürcher Polizei aber Auskunft über den Gesuchten gegeben haben, ohne sich vorgängig von ihrem Berufs- und Amtsgeheimnis entbinden zu lassen.

Erzählt hätten sie neben eigenen Wahrnehmungen auch den Inhalt eines psychiatrischen Gutachtens aus den 1980er-Jahren. Die Staatsanwaltschaft will die ehemaligen Seelsorger deshalb wegen Verletzung des Berufs- und Amtsgeheimnisses verurteilt sehen.

Bestraft werden sollen die beiden mit bedingten Geldstrafen. Im Falle des Pfarrers sind laut Staatsanwalt 60 Tagessätze zu je 100 Franken angemessen. Die Ehefrau soll mit 30 Tagessätzen bestraft werden. Die Probezeit soll zwei Jahre betragen.

Dass das Seelsorger-Paar vor Gericht muss, liegt am mutmasslichen Räuber selber. Nach seiner Verhaftung zeigte er seine langjährigen Vertrauenspersonen an. Er fungiert nun als Privatkläger. (mb/sda)

Erstellt: 07.02.2018, 10:36 Uhr

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