Thorberg: Sex-Erlaubnis bekäme fast niemand

Krauchthal

Teilerfolg für die streikenden Insassen der Strafanstalt Thorberg: Direktor Thomas Egger prüft die Forderung nach einem «Intimbesuchszimmer». Er betont gleichzeitig, dass nur die wenigsten Häftlinge das Zimmer würden nutzen können.

Thorberg-Direktor Thomas Egger informierte am Freitagnachmittag an einer Medienkonferenz über die Causa Sex-Zimmer auf dem Thorberg.
Philippe Müller

Rund 50 Insassen der Justizvollzugsanstalt Thorberg in Krauchthal proben derzeit den Aufstand. Am Freitag letzter Woche verweigerten sie die Arbeit. Seither sind sie während 23 Stunden pro Tag in ihrer Zelle eingeschlossen. Zudem wurde ihnen die Nutzung elektronischer Medien verboten.

Dazu gehören TV- und DVD-Geräte sowie Computer ohne Internetanschluss. Jene acht Häftlinge, die die Thorberg-Leitung als Drahtzieher des Aufstands identifizierte, sind isoliert und in andere Haftanstalten verlegt worden. Das gab Thorberg-Direktor Thomas Egger am Freitagnachmittag vor den Medien bekannt.

Die Häftlinge traten in den Streik, weil sie mit den Haft­bedingungen unzufrieden sind. Hauptforderung: Sie verlangen, dass auf dem Thorberg ein Sexzimmer eingerichtet wird. Ein Raum also, in dem sie mit ihrer jeweiligen Partnerin intime Momente verbringen können. Solche Räume kennen derzeit 6 der 110 Schweizer Haftanstalten.

Seit 2012 pendent

Egger räumte am Freitag ein, dass die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter der Thorberg-Leitung bereits vor fünf Jahren empfohlen habe, ein solches Begegnungszimmer einzurichten, und dass seither in diese Richtung nichts unternommen worden sei. Er betonte aber auch: «Es gibt keine rechtliche Basis, die mich dazu zwingt, ein solches Zimmer einzuführen.»

Dennoch zeigte sich der Thorberg-Chef einigermassen versöhnlich und machte einen Schritt auf die Insassen zu. So will Egger nun ein Konzept für ein Sexzimmer ausarbeiten lassen. Darin sollen Fragen nach dem möglichen Standort, den Regeln für die Nutzung, dem Bedarf und der Finanzierung geklärt werden. Egger gab zu bedenken, dass man in den denkmalgeschützten und relativ alten Thorberg-Gebäuden baulich eingeschränkt sei. Und er betonte, dass über die Einführung eines Intimzimmers noch nicht entschieden worden sei. Er machte auch keine Angaben dazu, bis wann das Konzept vorliegen soll.

Pöschwies: Strenge Regeln

Eines der Gefängnisse, die bereits Erfahrungen mit Sexzimmern gesammelt haben, ist die Justizvollzugsanstalt (JVA) Pöschwies in ­Regensdorf. Dort heisst es Familienzimmer und entspricht einer kleinen Wohnung mit Kochnische und einem separaten Schlafzimmer. So werde hinter Gefängnismauern das Familienleben simuliert, und dazu gehöre auch das Sexleben. Das sagte die Sprecherin des Zürcher Amtes für Justizvollzug, Rebecca de Silva, diese Woche gegenüber Radio SRF.

Die Auflagen für die Benutzung des Zimmers sind streng. Weil der Aufenthalt im Familienzimmer nicht überwacht wird, werde zuerst ganz genau abgeklärt, wer mit wem hineindürfe, so de Silva weiter. Schwere Gewalttäter oder Vergewaltiger kämen nicht in­frage. Ausgeschlossen ist laut der Sprecherin auch, dass ein Gefangener eine Prostituierte ins Gefängnis bestellt, um so zu schnellem Sex zu kommen.

Wie sie gegenüber SRF ausführt, würden derzeit gerade mal 28 der insgesamt 400 Gefangenen in der JVA Pöschwies das Familienzimmer nutzen können. Infrage kommen nur Insassen, die sich im Vollzug einwandfrei verhalten. Zudem dürfen nur Personen zu Besuch kommen, zu denen bereits regelmässiger Kontakt besteht. Und es müssen zuvor zwischen den beteiligten Männern und Frauen mehrere Besuche im Besucherraum stattgefunden haben.

Thorberg: 8 bis 12 Kandidaten

Thorberg-Direktor Egger wandte diese Regeln an der Medienkonferenz in einem Gedankenspiel auf den Thorberg an. Er kam zum Schluss, dass nur etwa 8 bis 12 der insgesamt 180 Eingewiesenen die Bedingungen zur Nutzung des Sexzimmers erfüllen würden. «Ich könnte es mit meinen Wertvorstellungen beispielsweise nicht vereinbaren, wenn Frauen quasi von einem Clan dazu gezwungen werden, in dieses Zimmer zu gehen und hinzuhalten», machte Egger klar.

Er geht nun davon aus, dass sich die Situation auf dem Thorberg wieder beruhigt und am Montagmorgen alle Häftlinge die Arbeit wieder aufnehmen.

Berner Zeitung

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