Thorberg-Häftling geht gegen Betreuer vor

Thorberg

Einem Häftling der Justizvollzugsanstalt soll trotz Schmerzen der Arztbesuch verweigert worden sein. Der Mann kündigte deshalb eine Strafanzeige gegen ­Anstalt und Betreuer an.

Einem Insassen der Justizvollzugsanstalt Thorberg soll die ärztliche Behandlung verwehrt worden sein.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Einem Insassen der Justizvollzugsanstalt Thorberg soll die ärztliche Behandlung verwehrt worden sein.

(Bild: Keystone)

Am 27. August, einem Samstag, soll ein Insasse der Justizvollzugsanstalt Thorberg bei seinem Betreuer über starke Schmerzen im unteren Bauchbereich geklagt haben. Statt des geforderten Arztbesuchs habe er jedoch lediglich drei Schmerztabletten erhalten. Das schreibt Reform 91, die Selbsthilfeorganisation für Strafgefangene, in einem Communiqué.

Am nächsten Tag habe der Mann noch stärkere Schmerzen gehabt, worauf ihm der Betreuer noch mehr Tabletten gegeben habe. Am Montag schliesslich habe der Häftling den Gesundheitsdienst der Anstalt aufsuchen dürfen, wo man ihn jedoch auf die Arztvisite vom nächsten Tag vertröstet habe. «Erst am Dienstagnachmittag wurde er notfallmässig in die Bewachungsstation des Inselspitals eingeliefert, wo die Ärzte einen Darmdurchbruch feststellten», sagt Peter Zimmermann, Präsident von Reform 91.

«Wie der Häftling in einem Brief an uns darlegte, hatte er bereits 2013 einen Darmdurchbruch und daher die Symptome am 27. August richtig gedeutet und dies den Betreuern auch so mitgeteilt.»

Nach vier Tagen im Inselspital sei der Mann auf den Thorberg zurückgekehrt. «Er hat angekündigt, Strafanzeige gegen den Betreuer sowie gegen die Anstalt einzureichen», so Zimmermann. Der Vorfall sei symptomatisch für den Thorberg: «Gesundheitliche Klagen von Insassen werden stets als Gejammer abgetan.»

Thomas Freytag, Leiter des Amtes für Justizvollzug, sagt auf Anfrage, er wisse nichts von einer Anzeige. Die medizinische Versorgung sei im Thorberg stets gewährleistet. «Bei einem medizinischen Notfall wird jederzeit ein Arzt hinzugezogen.»

Berner Zeitung

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