Thomas Zurbuchens Rückkehr als Superstar

Bern

Der neue Wissenschaftsdirektor der Nasa sprach am Freitagabend an der Uni Bern über seine Karriere und die wissenschaftlichen Ziele der amerikanischen Weltraumagentur.

Thomas Zurbuchen am Freitagabend in der Aula der Uni Bern.

Thomas Zurbuchen am Freitagabend in der Aula der Uni Bern.

(Bild: Christian Pfander)

Als junger Doktor der Physik verliess Thomas Zurbuchen Mitte der 1990er-Jahre Bern Richtung Amerika. Am Freitag kehrte er als Superstar zurück und gab an der Universität Bern ein Gastspiel. Der Berner Astrophysiker Willy Benz stellte Zurbuchen in der prall besetzten Aula im Haupt­gebäude als «einen der einflussreichsten und entscheidungskräftigsten Wissenschaftler der Welt» vor. Benz weiter: «Die erste Stufe der Rakete Zurbuchen war die Universität Bern.»

Der 48-jährige Thomas Zurbuchen wurde im Oktober 2016 zum Wissenschaftsdirektor der US-Weltraumbehörde Nasa gewählt. Er ist Chef über 8000 Wis­senschaftlerinnen und Wissenschaftler, und er verfügt über ein jährliches Budget von fünf Milliarden Doller.

«Die Schweiz kann stolz sein»

«Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein Nasa-Direktor einen Vortrag in deutscher Sprache hält», meinte Zurbuchen; wobei sein amerikanischer Akzent unüberhörbar war. Dann verteilte er Komplimente: Er habe der Universität Bern viel zu ver­danken. Und überhaupt: «Die Schweiz kann stolz sein auf ihr Schulsystem.» Auch ein Kind, das in einem Bergdorf aufwachse und Interesse zeige – Zurbuchen kommt aus Heiligenschwendi –, könne es in der Schweiz dank des Schulsystems weit bringen.

Schicksalhafte Begegnung

Thomas Zurbuchen hat in Bern Physik und Mathematik studiert, 1996 erhielt er den Doktortitel in experimenteller Astrophysik. Der Weg in die USA war aber nicht vorgespurt und kam ziemlich unvermittelt zustande: In der Kantine der Uni Bern traf Zurbuchen eines Tages Lennard Fisk, Professor an der Universität Michigan, der damals für das Wissenschaftsprogramm der Nasa zuständig war. Zurbuchen sprach ihn an – und ein paar Stunden später hatte er einen Job an der Universität Michigan.

«. . . was zu tun ist»

Die Arbeitsweise bei der Nasa erklärte er scherzhaft so: «Meistens sitzen etwa zwanzig Leute an einem Tisch und sagen mir, was ich zu tun habe. Und dann sage ich, was zu tun ist.» Gelächter im Saal. Dann, ernsthafter, sprach er darüber, dass die Nasa derzeit an 105 Missionen beteiligt sei und 18 Raumsonden für diverse Forschungszwecke im Einsatz stünden.

Wichtig für ihn seien nicht nur die Missionen, die sich weit im All abspielen würden. «Wichtig für uns ist, dass wir auch das Leben auf der Erde schützen.» Als Beispiel nannte er die Entwicklung von Projekten, die Waldbrände, Tornados und Hurrikans künftig besser vorhersagen können. Im ersteren Fall etwa mittels Satelliten, welche die Feuchtigkeit der Böden prüfen. «Wichtig ist mir die internationale Zusammenarbeit», meinte der Nasa-Chef. Eines der Instrumente für die Sonnenforschung werde derzeit nicht in den USA, sondern im besten Labor der Welt ­kalibriert, «nämlich in jenem der Universität Bern».

Darüber, welche geplanten Nasa-Projekte auch verwirklicht werden, wird auch die US-Regierung mitreden. «Es werden sicher einige Projekte gestrichen», meinte Zurbuchen, «aber das passiert bei jedem Präsidenten der USA.»

Thomas Zurbuchen ist am kommenden Montag Gast am Spirit of Bern. Um 13.30 Uhr spricht er im Berner Kursaal zum Thema «Die Universität als Innovationsmotor für die Wirtschaft am Beispiel Michigan». Die Teilnahmegebühr für den Anlass beträgt 380 Franken.

Berner Zeitung

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