Thomas Iten hat Lust auf mehr

Ostermundigen

Thomas Iten will für weitere vier Jahre Gemeindepräsident bleiben – als Parteiloser. Gegenkandidaten sind im Moment keine in Sicht.

Seit Anfang 2013 im Amt: Thomas Iten.

Seit Anfang 2013 im Amt: Thomas Iten.

(Bild: Beat Mathys)

Markus Zahno

«Ich bin ein Exot.» Das ist sich Thomas Iten bewusst. Erstens ist der 41-Jährige jünger als die meisten anderen Berner Gemeindepräsidenten. Zweitens hat er keine Partei im Rücken, sondern kandidiert als Parteiloser auf seiner eigenen Liste.

Und drittens liest sich die Geschichte seiner ersten Kandidatur auch heute noch spektakulär: Als SP-Mitglied versicherte er, nicht Präsident werden zu wollen. Kurz vor Torschluss liess er sich doch noch überzeugen, trat Knall auf Fall aus der SP aus und wurde – trotz etablierten Gegenkandidaturen von SVP und SP – tatsächlich als Ostermundiger Gemeindepräsident gewählt.

Seit gut drei Jahren leitet Iten nun die Geschicke der fünftgrössten Berner Gemeinde. Im stylischen Stef’s Kulturbistro hat er gestern verkündet, bei den Wahlen vom 25. September wieder anzutreten. Für einmal ohne Krawatte, sitzt er entspannt auf einem gelben Sofa.

«Die Arbeit macht mir Spass wie am ersten Tag», sagt er und nimmt einen Schluck Milchkaffee. Ihn freue, dass er «einige Vorhaben, die ich vor der Wahl 2012 angekündigt habe, umsetzen konnte». Unter Dach ist etwa der raumplanerische Wegweiser, der eine Verdichtung entlang der Hauptachsen vorsieht und den Grüngürtel schützen soll. Oder das Ja zum Bären-Hochhaus, das Iten stets als Symbol für die Erneuerung Ostermundigens preist.

Genervt

Ebenso lang ist die Liste der bisher unerreichten Ziele. Ungelöst ist zum Beispiel das Problem der maroden Pensionskasse BIO. Die Standortfrage für das dringend benötigte neue Verwaltungszen­trum ist so offen wie vor 30 Jahren. Und das Tram ist noch lange nicht gebaut, obwohl das kommunale Stimmvolk im zweiten Anlauf Ja gesagt hat.

Das Tram spaltete die Bevölkerung – und provozierte auch Kritik am Gemeindepräsidenten. «Stoppt Iten!», stand kürzlich auf einem Plakat auf der Rüti zu lesen. «Solche Dinge nehme ich nicht persönlich», sagt Iten dazu. Namentlich vor der Hochhaus-abstimmung vermittelte er einen etwas anderen Eindruck: Da nervte sich Iten gewaltig über einige persönliche Angriffe in den sozialen Medien. «Im Lauf der Zeit bin ich aber gelassener geworden», sagt er.

Versöhnt

Einer Partei beizutreten, kommt für Thomas Iten im Moment nicht infrage. Wie es aussieht, wird auch keine Partei eine Gegenkandidatur einreichen. Nicht einmal die SP, obwohl ihm einige Genossinnen und Genossen den Parteiaustritt vielleicht nie verzeihen werden. Iten selbst gibt sich zu diesem Thema diplomatisch: «Ich habe zu vielen SP-lern einen guten Draht.» Ähnlich tönt es bei SP-Präsident und Gemeinderatskollege Andreas Thomann: «Thomas Iten leistet gute Arbeit», sagt er.

Die SP sehe keinen Grund für eine Gegenkan­didatur. «Damit ein amtierender Gemeindepräsident nach so kurzer Zeit abgewählt würde, müsste er sowieso fast einen Verbrechen begangen haben.» Deshalb geht Thomann davon aus, dass Iten bis zum Anmeldeschluss am 11.?Juli ohne Gegenkandidatin oder -kandidat bleibt. In diesem Falle würde er in stiller Wahl für vier Jahre bestätigt.

Unumstritten

Auch die Verantwortlichen von SVP, EVP, CVP, GLP, den Grünen und dem Forum Ostermundigen loben Thomas Itens Arbeit – zum Teil in den höchsten Tönen. Sie streichen seine «dynamische Art», sein «gutes Netzwerk» und seine «offene Informationspolitik» hervor. FDP-Präsident Stefan Lanz zeigt sich ebenfalls zufrieden.

Wobei: «Manchmal würde ich mir etwas mehr Entscheidungsfreudigkeit, etwas mehr Leadership wünschen.» Iten frage bereits in frühen Projektphasen viele Leute um ihre Meinung, rufe Echoräume und Arbeitsgruppen ins Leben, wolle es zu vielen recht machen. Einen eigenen Kandidaten fürs Gemeindepräsidium zu nominieren – das kommt aber auch für die FDP nicht infrage. Markus Zahno

Berner Zeitung

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