Lyss

Tempo 30 sorgt für Verwirrung

LyssNoch kommt die Bevölkerung nicht klar mit den neuen Regeln zwischen Fabrikstrasse und Hirschenkreisel. Viele kennen die Vortritts­regeln nicht.

Nicht optimal fliesst der Verkehr auf der Bielstrasse in Lyss. Das Vortrittsrecht im Tempo-30-Abschnitt ist unklar.

Nicht optimal fliesst der Verkehr auf der Bielstrasse in Lyss. Das Vortrittsrecht im Tempo-30-Abschnitt ist unklar. Bild: Matthias Käser

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Seit fünf Monaten gilt auf einem Teil der Bielstrasse in Lyss Tempo 30. Von der Einmündung der Fabrikstrasse bis zum Hirschenkreisel wurden die Fussgängerstreifen aufgehoben: Fussgänger können die Strasse überqueren, wo sie wollen, haben aber keinen Vortritt. Wie sieht das in der Praxis aus?

Gegen 17 Uhr an einem Werktag: Autos rollen im 5-Meter-Abstand durch die Strasse. Ein Mann mit einem Kinderwagen möchte sie überqueren, zögert. Ein Auto bremst abrupt und lässt ihn hinüber.

Fast gleichzeitig läuft eine junge Frau vom Seeland-Center in Richtung Raiffeisen-Bank über die Strasse – da, wo früher ein Fussgängerstreifen war –, und zwar ohne vorher nach links oder rechts zu schauen. Ein Wagenlenker tritt voll auf die Bremse.

«Für Kinder gefährlich»

«Ich habe erst letzte Woche erfahren, dass die Fussgänger hier keinen Vortritt haben», sagt Carmen Worobec, Inhaberin von Professional Hair Extension and Beauty, das sich seit drei Monaten in der Tempo-30-Zone an der Bielstrasse befindet.

Sie dachte nicht zuletzt aufgrund des Verhaltens der Fussgänger, die sie täglich beobachtet, dass diese Vortritt hätten. «Ich finde die neue Regelung irritierend und für Kinder auch gefährlich», sagt sie. Schliesslich lernten diese, dass sie die Strasse nur auf dem Streifen überqueren dürfen. ­

Worobec findet, dass die Regeln besser markiert werden sollten. Zwar gibt es an den neuralgischen Punkten die Nagetiere mit den übergrossen Augen, die die Verkehrsteilnehmer warnen und sagen: «Augen auf!»

Auf der einen Seite des Schildes steht «Fahrzeuge haben Vortritt», auf der anderen «Queren überall erlaubt». Vor dem Coiffeurladen ist der Nager so positioniert, dass die zweite Aussage lesbar ist, was die Frau in ihrer Haltung bestätigt.

Lange Wartezeiten

«Seit der neuen Regelung wird deutlich mehr gehupt, und es knallte auch etliche Male wegen Auffahrunfällen», sagt Manuela Chanton, Mitarbeiterin von Ma­tratzen Concord an der Bielstrasse. Die Kantonspolizei kann diese Aussage nicht bestätigen, weil sie die Unfälle lediglich nach Gemeinde, nicht aber nach konkreten Steckenabschnitten erfasst.

Auch Chanton beobachtet, dass die Verkehrsteilnehmer bezüglich des Vortritts irritiert sind, ­gerade ältere Menschen würden die Strasse aufs Geratewohl überqueren, sagt sie.

Sie hätten kein Problem gehabt, die Strasse zu überqueren, sagen zwei Frauen, die mit einem Kind in Lyss unterwegs sind. Auf Rückfrage, wer denn Vortritt habe, sagen sie: «Na, die Fussgänger.»

Eine Fünftklässlerin, die in Richtung Hirschenkreisel unterwegs ist, ist besser informiert: Sie lernte in der Schule, dass bei der neuen Zone die Autofahrer Vortritt haben. Ihre Kritik: «Manchmal muss man lange warten, bis man über die Strasse kann.»

«Warum stehen in der Strassenmitte noch die Pflöcke?», fragt ein Passant, das sei gefährlich für die Velofahrer. Eine Fahrradfahrerin stürzte, als sie beim Seeland-Center abbiegen wollte, beinahe über die scharfe Kante eines der Quader, welche die Querungsinseln umsäumen. Ein anderer Radfahrer fuhr beinahe in einen Fussgänger, der ohne zu schauen die Strasse überquerte.

Einheitlich Tempo 30

Die Verkehrsteilnehmer akzeptieren die Geschwindigkeit, nicht aber die neue Regelung mit dem flächigen Queren ohne Fuss­gängerstreifen. «Alles, was neu ist, braucht Angewöhnungszeit», sagt dazu Kurt Schürch, Kreisoberingenieur des Oberingenieurkreises III beim kantonalen Tiefbauamt.

«Das Verständnis für das Tempo- 30-Regime wird mit ­jedem Schritt in diese Richtung ­weiter heranwachsen.»Kurt Schürch, Tiefbauamt

Aktuell wird der Marktplatz umgestaltet, wo anschliessend ebenfalls Tempo 30 gelten wird, und in einem letzten Schritt folgt die Hauptstrasse, wo die 30er-Zone bis zum Restaurant Schützen-Grill eingeführt wird. «So entsteht im Lysser Zentrum nach und nach ein einheitliches Tempo-30-Regime, und das Verständnis wird mit jedem Schritt in diese Richtung weiter heranwachsen», sagt Schürch.

Die Ge­staltung der 30er-Zone auf der Bielstrasse sei zu etwa 95 Prozent abgeschlossen. Die Mittelinseln würden beibehalten. Deren kritisierte scharfe Kanten sollen «wesentlich verbessert» werden, verspricht Schürch. Und: «Bis Ende Juni sollte die Bielstrasse inklusive Markierung und Grüngestaltung fertiggestellt sein.» (Bieler Tagblatt)

Erstellt: 17.04.2018, 09:23 Uhr

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