Gampelen

Letzte Gnadenfrist für Campinggäste

GampelenDer TCS Campingplatz in Gampelen muss seine Infrastruktur in der verbleibenden Zeit zurückbauen. Der Kanton wird bei der Suche eines Ersatzstandorts behilflich sein.

Der Campingplatz im Naturschutzgebiet darf bis 2024 bleiben.

Der Campingplatz im Naturschutzgebiet darf bis 2024 bleiben. Bild: Samuel Jaggi

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Eigentlich müsste der Campingplatz, den der Touring-Club Schweiz (TCS) am Nordufer des Neuenburgersees betreibt, längst weg sein. Erstellt worden ist er in den 50er-Jahren zwar völlig gesetzeskonform. Doch damals stand das Gebiet Fanel, in dem er liegt, eben noch nicht unter Schutz. Mit den Jahren hat sich das geändert. «Kaum eine Zone der Schweiz kennt rechtlich einen so hohen Schutzstatus wie dieser Uferabschnitt des Neuenburgersees», sagte Roland Schuler von Pro Natura Schweiz einmal. Und das habe gute Gründe: «Diese Flachwasserzonen sind unter anderem besonders wichtige Rückzugs- und Brutgebiete für sensible und seltene Wasser- und Zugvögel.»

In Tat und Wahrheit ist der Campingplatz, der auf Gemeindegebiet von Gampelen liegt, aber immer noch da. 2003 setzte der Berner Regierungsrat dem TCS zwar eine Frist: Bis Ende 2018 müsse der Campingplatz aufgehoben sein. Aber als die Regierung in dieser Sache 2016 wieder aktiv wurde, versuchte er sie durch einen juristischen Kniff für weitere 35 Jahre zu sichern. Pro Natura, Birdlife, WWF und Stiftung Landschaftsschutz sprachen von «Trickserei» – und gingen vor Gericht. Kurz vor Weihnachten 2017 pfiff das kantonale Verwaltungsgericht den Regierungsrat zurück.

Aufwand lohnte sich

In der Folge wechselte man von den Gerichtsschranken an den runden Tisch: Noch unter dem vormaligen Vorsteher der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK), Christoph Neuhaus (SVP), wurden Verhandlungen über die Zukunft des Campingplatzes beziehungsweise des Fanel aufgenommen. Und auch als die neu gewählte Evi Allemann (SP) per 1. Juni die in dieser Sache federführende JGK übernahm, wurden die Gespräche weitergeführt. Am Tisch jeweils Vertreter von Kanton, Naturschutzverbänden und TCS – auch Anwälte: Nur Friede, Freude, Eierkuchen hat an den bis August dauernden Treffen also sicher nicht geherrscht.

Der Aufwand hat sich gelohnt. So teilte der Regierungsrat ­gestern mit, dass er «im Einvernehmen mit den Naturschutzverbänden und dem TCS» die Bewilligung für den Betrieb des Campingplatzes Gampelen bis Ende 2024 verlängere. Unter der Bedingung, dass sich der TCS etappenweise aus dem Campingareal im Naturschutzgebiet zurückziehe.

«Schutzgebiet für die Natur»

Eine weitere Verzögerung als Erfolg? Ja, findet die Regierung. Denn einerseits liege es nicht im Interesse des Kantons, den Campingplatz «kurzfristig auf Ende 2018 aufzuheben», und andererseits sei es «aufgrund der rechtlichen Auseinandersetzung» nicht realistisch, eine bis Ende Jahr umsetzbare Lösung zu finden. Für die Naturschutzverbände sei es wichtig, dass der Campingplatz «per Ende 2024 definitiv aufgehoben und die Infrastruktur anschliessend zurückgebaut wird». Den Naturschutzverbänden wäre eine frühere Aufhebung zwar lieber gewesen, wie Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, sagt. Mit 2024 könne man aber leben. «Wesentlich ist für uns, dass das Fanel zu einem Schutzgebiet für die Natur wird und nicht mehr primär eine touristische Anlage.»

Laut TCS-Mediensprecher ­Lukas Reinhardt können Saisonmieter bis zum Ende der Saison 2024 auf dem Platz verbleiben. Ab 2019 würden aber keine Saisonverträge für Neumieter von Stellplätzen auf dem Campingplatz oder neue Mietverträge für Bootsliegeplätze im Hafen mehr abgeschlossen. Ab 2020 würden keine Pedaloboote mehr vermietet, und auf Ende 2022 ­würden die Sport- und Freizeitanlagen sowie der Hafen zurückgebaut. Nach der Schliessung des Campingplatzes 2024 werde die restliche Infrastruktur wie etwa die Waschräume abgerissen.

Allemann erleichtert

Evi Allemann ist erleichtert. «Denn wenn die juristische Auseinandersetzung weitergegangen wäre, hätte ein Scherbenhaufen gedroht», glaubt die Regierungsrätin. Und schneller gegangen wäre es laut ihr so auch kaum. Dass gerade Ende 2024 die neue Frist bildet, habe juristische Gründe. Dann laufe das Ende des Baurechts für das Land ab, auf dem sich der Campingplatz befinde.

Der Kanton werde dem TCS bei der Suche nach einem Ersatzstandort ausserhalb des Naturschutzgebietes behilflich sein. Obwohl es dem TCS auch nach ­intensiver Suche bisher nicht ­gelungen ist, einen solchen zu finden, ist Allemann zuversichtlich, dass man fündig werden wird: «Der Staat hat da mehr Möglichkeiten als ein einzelner privater Player.» Nach dem Rückbau des Campingplatzes will der Kanton das Land renaturieren, wofür der Kanton ein Konzept erstellen werde. Nach Sicherstellung der Finanzierung werde die Renaturierung ab 2026 schrittweise umgesetzt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 22:23 Uhr

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